WLE-Bahn
Bürgerinitiative fürchtet Lärm und schlechtere Busverbindungen

Münster -

Das nächste Andreaskreuz ist nur wenige Meter von Lars Ostermeyers Garten entfernt. Hier kreuzen die Schienen der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) die Straße Haus Angelmodde. „Da, wo der Spielplatz ist“, sagt der EDV-Fachmann, „soll der Haltepunkt hin.“ Ostermeyer will das nicht.

Freitag, 21.10.2016, 20:10 Uhr

Sind gegen die Reaktivierung der WLE-Bahn: Josef Schulte-Röper, Lars Ostermeyer und Michael Eßer (v.l.).
Sind gegen die Reaktivierung der WLE-Bahn: Josef Schulte-Röper, Lars Ostermeyer und Michael Eßer (v.l.). Foto: Günter Benning

Die geplante Reaktivierung der in den 70er Jahren aufgegebenen WLE-Strecke zwischen Münster und Sendenhorst sorgt für Kontroversen. Während man in Sendenhorst die Schnellanbindung an Münster begrüßt und auch in der münsterischen Politik Zustimmung überwiegt, kämpft in Gremmendorf und Angelmodde eine Bürgerinitiative (BI) dagegen.

Zum Thema

Die BI hat ihre Informationen im Netz unter www.wle-reaktivierung.de dokumentiert. Das aktuelle Gutachten zur Reaktivierung findet man HIER

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Die Kritik der Bürgerinitiative

Deren Sprecher Ostermeyer , Josef Schulte-Röper und Michael Eßer zweifeln an dem Schienenprojekt. Nicht nur, weil die WLE-Trasse direkt an ihren Gärten vorbeiführt. Bisher fährt hier täglich ein Güterzug. Sollte der Personenverkehr kommen, verkehren die Züge im 20-Minuten-Takt.

Viele Häuser seien in den vergangenen 40 Jahren längs der Trasse entstanden, moniert die BI. Und greift damit einen der Kernmängel an, die das bisherige Gutachten für die Reaktivierung der Bahn nach ihrer Meinung enthält: Umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen wie sie für Neubaustrecken verpflichtend wären, seien nicht eingepreist. Und zwar mit dem Argument, dass die vorhandene Strecke ja lediglich ertüchtigt werden müsse. Michael Eßer: „Tatsächlich muss der Damm neu aufgebaut werden.“

Ein weiterer Kernpunkt der BI-Kritik liegt in der befürchteten Ausdünnung des Busverkehrs, wenn die Bahn kommt. Ein zentraler Vorwurf: Die Stadtbuslinie 8, die täglich von Wolbeck in die Stadt fährt und im Schnitt 5050 Fahrgäste befördert, werde zugunsten der WLE eingestellt. Die 8 bediene 27, die Bahn nur fünf Haltestellen auf der Strecke. Josef Schulte-Röper: „Das trifft die Leute am meisten.“

Wenn es denn so kommt. Aber die Prognose der BI zur Reaktivierung wird in der Politik nicht geteilt. Auch die Stadtwerke erklären, dass es dazu noch keine Überlegungen gäbe und man den Bedarf abwarten müsse.

Anderswo in der Stadt, wo es Bahnhaltepunkte gibt, passt man Bus- und Bahnverkehr aufeinander ab. Aktuell mit einer Verlegung der Linie 17 in Richtung Münster-Nord.

Grundsätzlich bezweifelt die BI auch die Wirtschaftlichkeit der WLE-Strecke, deren Instandsetzung nach Daten von 2015 rund 42,3 Millionen Euro kosten wird. Michael Eßer erklärt, dass dabei nicht einmal die Instandsetzung der Brücke über den Kanal oder des Gleises 21 im Hauptbahnhof einkalkuliert seien, die tatsächlich Bestandteil anderer Baumaßnahmen sind.

6260 Fahrgäste soll die WLE laut Gutachten täglich befördern. Die BI bezweifelt das, vor allem, weil die Entfernung der Haltestellen zur Wohnbebauung größer sei als bei den Bushaltestellen. Lars Ostermeyer: „Es wird erst Recht keinen nennenswerten Umstieg von Autofahrern geben.“

WLE-Pläne

Der Personenverkehr auf der WLE-Strecke wurde 1975 eingestellt. Seit 20 Jahren wird die Reaktivierung diskutiert, jetzt mit klarer Zielrichtung: Die Strecke wird vorgeschlagen für den ÖPNV-Bedarfsplan NRW, der 2017 fertig werden soll. Sollte sie akzeptiert werden, würde ein Planungsverfahren beginnen. Laut Gutachten ist die Verbindung Münster-Sendenhorst wirtschaftlich. Kosten: 42,3 Mio. Euro, jährlich 3,5 bis 4 Millionen Zuschuss.

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