Die Tourismus-Revolution Privatvermietung
Wie Airbnb und Wimdu die Branche verändern

Münster -

Dina Hamza lebt seit über 50 Jahren in Münster, seit beinahe 30 Jahren führt sie im Hansaviertel ein kleines Spielwarengeschäft. Eine waschechte Münsteranerin also. Und: Sie teilt ihr münsterisches Zuhause mit Reisenden aus aller Welt. Denn Dina Hamza vermietet ein Zimmer in ihrer Wohnung regelmäßig auf der Plattform Airbnb.

Montag, 14.11.2016, 20:00 Uhr aktualisiert: 14.11.2016, 20:18 Uhr
Die Tourismus-Revolution Privatvermietung : Wie Airbnb und Wimdu die Branche verändern
Ob Schlafcouch, Gästezimmer oder Ferienwohnung: Die private Vermietung an Touristen wird immer beliebter. Fortschritt oder Risiko? Foto: Jens Schierenbeck / dpa / tmn

Über 300 Unterkünfte listet die Website Airbnb in Münster . Ähnliche Portale wie Wimdu und 9Flats bieten weitere Ferienwohnungen an. Der Markt der Privatunterkünfte boomt. Dabei ist das Konzept der Reiseplattformen simpel: Private Vermieter können ihre Wohnungen oder einzelne Zimmer an Touristen vermieten. Und das in knapp 200 Ländern weltweit.

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Doch immer öfter finden sich die Ferienwohnungsvermittler im Kreuzfeuer der Kritik wieder. Vor allem die Hotelbranche sieht sich einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt, da die Privatvermieter lange Zeit keine oder kaum Abgaben leisten mussten. Die meisten Städte reagieren mittlerweile auf das Phänomen. Auch in Münster greift seit 1. Juli 2016 die sogenannte „Bettensteuer“, die Beherbergungssteuer für Privatgäste – 4,5% der Übernachtungskosten müssen nun an die Stadt gezahlt werden.

Privatvermietung : eine Grauzone?

Trotzdem kritisieren Hotelbetreiber die boomenden Internetportale. Andreas Janzen ist nicht nur Direktor des Stadthotels Münster, sondern auch Sprecher der münsterischen Geschäftsstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Er beobachtet den Trend aufmerksam. „Konkurrenz belebt das Geschäft, aber nur zu fairen Bedingungen“, kritisiert der Experte. Mittlerweile sei in der Branche oft von „Schwarzhotellerie“ die Rede, berichtet er. Oft würden nämlich die fälligen Abgaben an die Stadt von den Airbnb- oder Wimdu-Nutzern nicht gezahlt. Dies betont auch Ute Warnecke, die in Münster das Hostel Sleep Station führt. „Jeder in dieser Branche weiß, dass es sich um eine Grauzone handelt, weil viele der Privatvermieter keine Steuern zahlen“, erklärt die Hostel-Betreiberin.

Konkurrenz belebt das Geschäft, aber nur zu fairen Bedingungen.

Andreas Janzen

Die Buchungsplattform Wimdu teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass die Abgabenleistung der Bettensteuer aktuell tatsächlich nicht kontrolliert werde. Julian Trautwein , Pressesprecher bei Airbnb für Deutschland, betont, dass sich private Gastgeber jedoch stets über lokal geltende Steuern informieren und ihre Einkünfte entsprechend ausweisen sollten. Eigens dafür habe das Portal sogar eine Sonderseite mit nützlichen Informationen eingerichtet.

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Doch was passiert, wenn Vermieter sich dafür entscheiden, ihre Wohnungen ausschließlich Ferienreisenden zur Verfügung zu stellen und der Wohnraum den regulären Mietern vorenthalten bleibt? Ein Appartement, das von Touristen gebucht wird, spült mehr Geld in die Kasse des Immobilienbesitzers als eine langfristig vermietete Wohnung. Die Frage, inwieweit Plattformen wie Airbnb und Wimdu zum Wohnraummangel in deutschen Städten beitragen, wird aktuell heißt diskutiert.

Einfluss von Ferienwohnungen auf den Wohnungsmarkt: Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Anne Büch , PR und Social Media Manager von Wimdu, betont, dass der Einfluss von Ferienwohnungen auf den Wohnungsmarkt sehr gering sei. „In Berlin zum Beispiel fehlen etwa 160.000 bis 200.000 Wohnungen“, so Büch. Der Senat selbst gehe jedoch davon aus, dass mit dem gerade geschaffenen Gesetz zur Eindämmung der Privatvermietung in Berlin lediglich 4.000 Wohnungen in langfristigen Wohnraum zurückverwandelt werden können. „Wir reden hier also von einem Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Anne Büch.

Und auch Julian Trautwein verneint im Namen des Reisegiganten Airbnb, dass mit Hilfe des Portals Vermieter im professionellen Rahmen Geld verdienen. „Die meisten Airbnb-Gastgeber haben nur ein einziges Inserat bei Airbnb eingestellt, nämlich ihr eigenes Zuhause, in dem sie leben“, betont Trautwein. „Sie sind Privatpersonen, die gelegentlich ihr Zuhause mit Gästen aus aller Welt teilen.“ Er sieht keinen Zusammenhang zwischen der Buchungsplattform und dem Mietspiegel.

Ich bin offen für alle Varianten.

Ute Warnecke

Werden also große Web-Portale, die es Privatleuten ermöglichen, ihre Unterkünfte an Reisende zu vermieten, die Tourismusbranche revolutionieren? Andreas Janzen prognostiziert vor allem eine Negativentwicklung für die Hotelbranche. „Münster ist für seine vielfältige Hotellandschaft bekannt. Hier gibt es viele kleine, privat geführte Hotels“, so der Hotel-Experte. „Gerade diese sind es, die in Zukunft wohl schließen werden.“

Seine Branchenkollegin Ute Warnecke fürchtet sich jedoch nicht vor Konkurrenz durch Privatvermietungen. „Ich bin offen für alle Varianten“, erklärt die Hostel-Chefin. „Letztlich können diese verschiedenen Modelle doch gut nebeneinander existieren.“

Unterschiedliche Zielgruppen

So sehen das im Übrigen auch die Social-Travelling-Plattformen. „Beide Konzepte sprechen unterschiedliche Zielgruppen an“, sagt Airbnb-Pressesprecher Julian Trautwein. „Airbnb erweitert den Markt und bringt auch Menschen zum Reisen, die das zuvor nicht gemacht haben. Am Ende lautet die Frage nicht, ob man sich für ein Hotel oder Airbnb entscheidet, sondern welches Reiseziel es sein darf und welche Ansprüche die Gäste haben.“

Und auch die Wimdu-Ansprechpartnerin Anne Büch betont, dass die Privatvermietung den Tourismus eher bereichere. Denn: Aufgrund der günstigen Preise bei der Privatvermietung könnten viele Reisende sich erst einen Urlaub leisten.

Dina Hamza sieht den größten Unterschied zwischen Hotellerie und Privatvermietung vor allem in der persönlichen Atmosphäre. „In besonders guter Erinnerung habe ich eine junge Frau, die bei mir wohnte, während sie in Münster an einem Songwriting-Seminar teilnahm“, erzählt die Münsteranerin. Abends setzte sich die Reisende zu ihrer Gastgeberin und sang ihr deren Lieblingslieder vor. Das, sagt Hamza, war eine wirklich schöne Begegnung.

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