Bürgerentscheid
Geschäftsleute in der Innenstadt sind enttäuscht

Münster -

Einen Tag nach dem Bürgerentscheid ist die Enttäuschung in der münsterischen Innenstadt spürbar. Verkäufer verstehen nicht, wie es zu dem Ergebnis kommen konnte. Ihrer Meinung nach ist das Resultat „schade für Münster“.

Montag, 07.11.2016, 20:11 Uhr

Nach dem Bürgerentscheid sind viele Geschäftsleute und Verkäufer in der City enttäuscht.
Nach dem Bürgerentscheid sind viele Geschäftsleute und Verkäufer in der City enttäuscht. Foto: dpa

„Das ist ganz schön schade“, findet Katharina Bürhaus . Sie arbeitet bei Hussel auf der Ludgeristraße und ist von dem Ergebnis des Bürgerentscheides enttäuscht. Mit ihrer Aussage spricht sie ihren Kollegen aus der Seele. Denn ob beim Einräumen der Waren oder in der Mittagspause: Über das Wahlergebnis vom Vortrag wurde viel diskutiert.

Katharina Bürhaus hatte am Montag zwar frei, mit Tochter Mia war sie aber zum Einkaufen in der Stadt. Zwischen Schokolade und Pralinen ist bei Hussel die Enttäuschung über das Ergebnis groß. „Damit haben wir nicht gerechnet“, gibt die stellvertretende Filialleiterin Sabine Heimann zu. Die meisten Mitarbeiterinnen der Filiale wohnen nicht in Münster und konnten deswegen keine Stimme abgeben. „Wir sind davon betroffen, wieso durften wir nicht abstimmen?“, fragt sich Katharina Bürhaus.

"Schade für die Stadt"

Auch am anderen Ende der Straße, bei Wäsche und Strumpfmoden Koch, ist die Enttäuschung spürbar. „Wir bedauern das. Für Münster ist es furchtbar schade“, erklärt Inhaberin Petra Pottmeyer. Sie versteht vor allem eines nicht: „Osnabrück hat mit vier Sonntagen sowie Fronleichnam und Allerheiligen jetzt sechs Verkaufstage mehr. Das tut Münster doch weh.“ Ihre Frustration gilt auch den Wählern: „Ich verstehe es nicht, wir haben so eine tolle Kaufmannschaft, die sich so für die Stadt engagiert.“ Für sie ist das Ergebnis aber vor allem eins: „Ein Unding.“

Reaktionen auf den Bürgerentscheid

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  • »Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Osnabrück hat sechs Verkaufstage mehr. Das tut Münster doch weh. Für Münster ist es furchtbar schade.« - Petra Pottmeyer

    Foto: Matthias Ahlke
  • »Die verkaufsoffenen Sonntage waren eine Bereicherung für Münster. Und zwei, drei Sonntage zerstören das Familienleben nicht.« - Julia Uler

    Foto: Matthias Ahlke
  • »Viele meiner Kolleginnen kommen nicht aus Münster. Wir sind davon betroffen, wieso durften wir nicht abstimmen?« - Katharina Bürhaus und Tochter Mia

    Foto: Matthias Ahlke
  • »Ich habe nichts gegen verkaufsoffene Sonntage, aber dann sollen sie für alle Branchen gelten, nicht nur für den Einzelhandel.« - Ralf Koring

    Foto: Matthias Ahlke
  • »Wir arbeiten gerne und da ist es egal, ob es jetzt ein Sonntag ist oder nicht. Wir wären dafür gewesen, dass der Sonntag offen bleibt.« - Judith Roski

    Foto: Matthias Ahlke

Auch in der Parfümerie Pieper stößt der Wahlausgang auf Unverständnis. „Wir arbeiten gerne und da ist es egal, ob es ein Sonntag ist oder nicht“, stellt Filialleiterin Judith Roski klar. In dem Geschäft war man sich einig und hatte sich für verkaufsoffene Sonntage ausgesprochen. Auch Judith Roski empfindet das Ergebnis als „schade für die Stadt“.

"Für Verkäufer nicht zumutbar"

Zwischen rotem und goldenem Weihnachtsschmuck sitzt Julia Uler auf dem Boden ihres Dekogeschäfts „Lieblingsstücke“ und baut ein Schaukelpferd zusammen. Bereitwillig bezieht auch sie Stellung: „Ich finde das nicht gut.“ Verkaufsoffene Sonntage seien eine Bereicherung für Münster. Einerseits kann sie die Bedenken nachvollziehen: „Unser Familienleben beschränkt sich auch auf den Sonntag, deshalb ist der mir auch wichtig.“ Doch andererseits sagt sie: „Zwei, drei Sonntage im Jahr zerstören das Familienleben nicht.“

In den Arkarden steht Ralf Koring hinter der Theke der Holstein Brasserie. Er findet, dass der Sonntag im Advent für Verkäufer „nicht zumutbar“ sei. Ein Ausgleich sei da nicht zu schaffen. Insgesamt habe er aber nichts gegen verkaufsoffene Sonntage, in seinen Augen sollen die jedoch für alle Branchen gelten.

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„Ich würde dann gerne mein Auto in die Werkstatt bringen oder zum Zahnarzt gehen können.“ Denn als Verkäufer habe er dafür an anderen Wochentagen keine Zeit. Mit dem Ergebnis kann Ralf Koring leben: „Ich mache meinen Job gerne, egal ob mit oder ohne verkaufsoffenen Sonntagen.“

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