Keine verkaufsoffenen Sonntage
Kaufleute und Kirchen im Clinch

Münster -

Der Bürgerentscheid ist entschieden, die Fronten bleiben aber verhärtet. Die Spitzen der Einzelhändler wollen in naher Zukunft weder Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi noch mit Kirchenvertretern führen.

Mittwoch, 09.11.2016, 07:11 Uhr

An der Seite der Gewerkschaft und von Verdi-Geschäftsführer Bernd Bajohr (r.) bejubelten die evangelischen Pfarrer Martin Mustroph (l.) und Dr. Jens Dechow das Ergebnis des Bürgerentscheids. Matthias Lückertz und OB Markus Lewe diskutierten das Aus für die verkaufsoffenen Sonntage (kleines Bild).
An der Seite der Gewerkschaft und von Verdi-Geschäftsführer Bernd Bajohr (r.) bejubelten die evangelischen Pfarrer Martin Mustroph (l.) und Dr. Jens Dechow das Ergebnis des Bürgerentscheids. Matthias Lückertz und OB Markus Lewe diskutierten das Aus für die verkaufsoffenen Sonntage (kleines Bild). Foto: Oliver Werner

Der Bürgerentscheid in Sachen verkaufsoffene Sonntage ist entschieden , die Fronten allerdings bleiben verhärtet. Die Spitzen der Einzelhändler machten am Dienstag erneut deutlich, dass sie in naher Zukunft weder für Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi noch mit den Kirchenvertretern zur Verfügung stehen. Entsprechende Angebote lehnen sie ab.

Lückertz kritisiert Argumentation der Kirchen

„Wir sind von den Kirchen enorm enttäuscht“, richtet sich für Matthias Lückertz als Chef der Initiative Starke Innenstadt (ISI) die Kritik nach den vergangenen Wochen längst nicht nur an Verdi. „Als Katholik bin ich enttäuscht darüber, wie eng argumentiert wurde und wie wenig die Geschicke des Standortes Münster gesehen wurden“, hinterfragt Lückertz die Rolle der katholischen und evangelischen Kirche an der Seite der Gewerkschaft in der Frage der Sonntagsöffnung.

Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes, Michael Radau , wirft beiden Kirchen vor, nicht den Dialog gesucht zu haben. „Wir hatten das Angebot unterbreitet, die verkaufsoffenen Sonntage mit besinnlichen Stunden und geistlichen Konzerten aufzuwerten. Stattdessen ist der Weg der Verfahren gewählt worden“, ärgert sich Radau.

Sonntag als Tag der Arbeitsruhe

Das Fass zum Überlaufen brachte für die Einzelhandelsvertreter die öffentliche Stellungnahme von Weihbischof Dr. Stefan Zekorn , der „den Schutz des Sonntags aus gutem Grund verankert“ sieht. Münsters Kaufmannschaft habe vorher Signale von höchster Bistumsstelle vernommen, sich nicht aktiv in den Bürgerentscheid einmischen zu wollen, heißt es.

„Die Enttäuschung der Kaufmannschaft über das Verhalten der Kirchen zur Frage der verkaufsoffenen Sonntage überrascht uns“, sagt Bistumssprecher Dr. Stefan Kronenburg. Den Kirchen sei der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe, der Erholung, der freien Zeit für Familie und Freunde und für Gottesdienst und Gebet wichtig. „Wir respektieren die Auffassung der Kaufmannschaft. Umgekehrt wünschen wir uns, dass die Kaufmannschaft respektieren kann, dass es gesellschaftliche Gruppen gibt, die anderer Meinung sind als sie selbst“, sagt Kronenburg.

Freier Sonntag kein Angriff auf Kaufleute

Die Pfarrer Dr. Jens Dechow und Martin Mustroph vom Evangelische Kirchenkreis betonen, dass das Eintreten für den freien Sonntag kein Angriff auf die Kaufmannschaft sei. Die Ausnahmegenehmigung der Sonntagsöffnung sei eine politische Entscheidung. „Wir haben eine Ratsentscheidung angegriffen“, stellt Dechow klar. Denn: „Unser Eindruck war, dass die Ratsentscheidung nicht der mehrheitlichen Stimmung entsprach. Der Bürgerentscheid hat gezeigt, dass wir mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch lagen.“

Der Evangelische Kirchenkreis erneuert sein Gesprächsangebot. Münster könne auch ohne verkaufsoffene Sonntage als attraktive Stadt gestärkt werden. „Wir haben dazu Ideen und möchten gern mit den Kaufleuten ins Gespräch kommen“, sagt Dechow.

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