Ausgrabungen
Archäologen legen uralten Adelssitz frei

Münster -

Neben dem Clemenshospital haben Archäologen einen uralten Adelssitz freigelegt, auf dem bereits viele bekannte Münsteraner gelebt haben. Seine Ursprünge reichen weit in die Vergangenheit zurück.

Mittwoch, 09.11.2016, 14:11 Uhr

Blick auf die Ausgrabungen am Clemenshospital:
Blick auf die Ausgrabungen am Clemenshospital: Foto: Stadtarchäologie

Das Wetter wird zusehends winterlicher, für die Stadtarchäologen ist die Grabungssaison am Clemenshospital damit beendet. Die Fläche, auf der sie ein halbes Jahr lang Mauern und Bodenverfärbungen freilegten sowie eine Reihe interessanter Einzelfunde machten, ist Ende vergangener Woche verschlossen worden – doch es bleibt eine Reihe unbeantworteter Fragen.

Zum Beispiel, wie alt die hölzernen Überreste eines Bauernhauses sind. „Gut möglich, dass sie aus dem 9. oder 10. Jahrhundert stammen“, betont Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers . Mit Spannung erwartet sie nun das Ergebnis dendrochronologischer Untersuchungen an der Universität Köln , mit denen das Alter der Hölzer bestimmt werden soll.

Alter des Hofes unbekannt

Unabhängig davon steht bereits jetzt fest, dass die archäologischen Untersuchungen der vergangenen Monaten „hochinteressant“ waren, wie Dickers unterstreicht. So wurden nicht nur Steinfundamente aus dem 16. bis 18. Jahrhundert freigelegt, sondern auch Holzpfosten eines zehn mal 25 Meter großen Fachwerkbaus, dessen Anfänge bis ins frühe Mittelalter zurückreichen.

„Haus Geist“ hieß der Hof, der hier damals stand und dessen Gräfte bis heute erhalten ist – in Form eines Ententeiches neben dem Clemenshospital. Wie alt der mittelalterliche Hof genau ist und wie er einst aussah, ist laut Dickers bislang unbekannt. Fest steht: Haus Geist war seit jeher eine große Hofanlage. Für das frühe 17. Jahrhundert ist belegt, dass sie eine Fläche von 120 Hektar hatte.

Im 14. Jahrhundert erwarben die reichen Stadtpatrizier Münsters, die sogenannten Erbmänner, Großbauernhöfe im Umland und bauten sie zu Herrensitzen aus. Seit 1370 sind die Erbmänner Bischopinck im Besitz von Haus Geist nachweisbar.

Restgrabungen folgen

1657 und 661 erlebte Haus Geist einen Höhepunkt in seiner Geschichte: Damals trafen sich hier der Fürstbischof von Münster , Christoph Bernhard von Galen, sowie Abgeordnete von Ritterschaft und Stadt Münster, um den kriegerischen Konflikt zwischen Stadt und Bistum beizulegen.

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1773 befand sich Haus Geist im Besitz des Universitäts-Gründers Franz von Fürstenberg, 1850 gehörte es dem Oberpräsidenten der preußischen Provinz Westfalen, Franz von Duesberg, später unter anderem der Brauerei Westfalia, der Stadt Münster und dem Bistum. Als 1959 das Clemenshospital gebaut wurde, wurden die letzten Gebäude des einst repräsentativen Herrschaftssitzes abgerissen.

Restgrabungen werden laut Dickers 2017 folgen. Danach entsteht auf dem Grundstück ein mehrgeschossiges Bettenhaus mit Tiefgarage.

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