Jusuf Habibie in Münster
Er brachte die Demokratie nach Indonesien

Münster -

Der frühere indonesische Staatspräsident Jusuf Habibie war am Mittwochabend zu Gast in Münster. Er gilt als der Mann, der die Demokratie in das asiatische Land brachte.

Donnerstag, 10.11.2016, 17:11 Uhr

Prof. Dr. Bacharuddin Jusuf Habibie, ehemaliger indonesischer Staatspräsident, war am Mittwoch Gast der Universität und sprach über die Demokratiefähigkeit des Islam.
Prof. Dr. Bacharuddin Jusuf Habibie, ehemaliger indonesischer Staatspräsident, war am Mittwoch Gast der Universität und sprach über die Demokratiefähigkeit des Islam. Foto: Matthias Ahlke

Eigentlich, das betont der kleine Mann am Rednerpult in der Aula des Schlosses immer wieder, wollte er nur Flugzeuge bauen. „Flugzeuge machen“, sagt er dazu. Außerdem „machte“ Bacharuddin Jusuf Habibie aber auch Demokratie in Indonesien , dem viert-bevölkerungsreichsten Land der Erde.

1998 übernahm Habibie für zwei Jahre die Macht vom Diktator Suharto, ließ Parteien zu, führte die Pressefreiheit ein, legte den Grundstein für die Demokratie in dem südostasiatischen, überwiegend von Muslimen bewohnten Inselstaat. Islam und Demokratie, geht das überhaupt? Die Frage nach der Demokratiefähigkeit seiner Religion, die heute angesichts der Entwicklungen in der arabischen Welt sehr ernsthaft gestellt wird, beantwortet das frühere Staatsoberhaupt, selbst Muslim, uneingeschränkt mit Ja – am Mittwochabend bei einem Vortrag und einer Diskussion als Gast des Exzellenzclusters Religion und Politik der Universität Münster .

Mouhanad Khorchide und Milad Karimi, Professoren am Zentrum für islamische Theologie der Uni, hatten schon den Bundespräsidenten und das Oberhaupt der sunnitischen Welt zu Gast, nun also den früheren Staatspräsidenten Indonesiens. Habibie kennt sich gut aus in Deutschland, studierte und promovierte in Aachen im Fach Flugzeugbau, blieb auch nach dem Studium, stieg im Konzern MBB, später Airbus, zum Vizepräsidenten auf. Altkanzler Helmut Schmidt gehörte zu den Freunden des mittlerweile 80-Jährigen.

Islam, Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus, Naturreligionen – auf den mehr aus 17 000 Inseln und Inselchen Indonesiens gibt es viele Religionen – und wenn Habibie als Staatspräsident mit seinem Lieblings-Verkehrsmittel, dem Hubschrauber unterwegs war, dann flog er oft Schulen an, denn deren Qualität hält er für elementar beim Aufbau der Demokratie. „In islamischen Schulen habe ich mit den Kindern gebetet. in christlichen Schulen auch“, erzählt er – und auch davon, dass er als Student in Aachen in den 60er Jahren mangels Moschee einfach im dortigen Dom betete: „Gott ist überall.“

Das Rezept für friedliches Zusammenleben der Religionen und Kulturen: Austausch und gegenseitiger Respekt. Dass im Norden Indonesiens, in der Provinz Aceh, der Islam mittlerweile auch fundamentalistische Züge trägt, erklärt er mit der dort verbreiteten Armut.

Der sanfte Mann mit deutschem Ingenieursdiplom erzählt frei auf deutsch vom Leben in Europa und Indonesien. Mit Humor bringt er seine Zuhörer im Schloss immer wieder zum Lachen. Am Ende diskutiert er noch mit Wissenschaftlern des Exzellenzclusters. „Was Sie hier tun ist gut“, sagt er zu den Bemühungen, den interreligiösen Dialog hierzulande zu führen – „für Deutschland, Europa und die Welt.“

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