Wohnungsmarkt
Psychisch und an Sucht erkrankte Menschen sind Verlierer

münster -

Wer krank ist, hat es auf dem Wohnungsmarkt schwer. Bei einer Veranstaltung im Rathaus wird eine Quote für psychisch und Suchtkranke gefordert.

Dienstag, 15.11.2016, 13:11 Uhr

Diskutierten über Wohnraum (v.l.): Sebastian Albers (Wohn und Stadtbau), Andreas Nienaber (Amt für Immobilienmanagement), Merle Heitkötter (Gesundheitsamt) und Ulrich Hohenbrink (Förderkreis Sozialpsychiatrie).
Diskutierten über Wohnraum (v.l.): Sebastian Albers (Wohn- und Stadtbau), Andreas Nienaber (Amt für Immobilienmanagement), Merle Heitkötter (Gesundheitsamt) und Ulrich Hohenbrink (Förderkreis Sozialpsychiatrie). Foto: bn

Wer psychisch krank ist oder an Sucht leidet, gehört zu den Verlierern. Ganz bestimmt, wenn es auf dem Wohnungsmarkt um günstigen Wohnraum geht. Ulrich Hohenbrink vom Förderkreis Sozialpsychiatrie fordert daher eine feste Quote. Wo gebaut wird, müssten auch Wohnungen für die Schwächsten der Gesellschaft entstehen.

Hohenbrink vertrat am Montag seine Quoten-Forderung bei einer Veranstaltung des Gesundheitsamtes zum Thema „Wohnraum für alle“ .

Konsequente Planung

Für Andreas Nienaber , Leiter des Amtes für Immobilienmanagement, ist klar, dass derart hehre Ziele nur durch konsequente Planung zu erreichen sind. In Münster gibt es dafür das Konzept der „Sozialgerechten Bodennutzung“.

Es sieht vor, in Wohngebieten 30 Prozent sozial geförderter und 30 Prozent förderfähiger Wohnungen einzuplanen. Zudem würden nur dort Wohngebiete erschlossen, wo der Stadt mindestens 50 Prozent der Grundstücke gehörten.

Nienaber: Wer am sehr engen Wohnungsmarkt etwas ändern wolle, „der muss am Beginn der Produktionskette ansetzen“. Also am Grundstücksmarkt und an der Planung, die auf „einen gesunden Mix von Geschosswohnungen und Einzelgebäuden“ setzen müsse.

Probleme psychisch kranker Mieter überschätzt

Wie das geht, weiß Sebastian Albers , Prokurist der Wohn- und Stadtbau. Er verwies auf das Wohnprojekt in der umgebauten Dreifaltigkeitskirche. Dort leben ehemals Obdachlose. „Wir haben das mit Skepsis angefangen“, sagt Albers, „aber wir haben bis heute nicht ein einziges Problem gehabt.“

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Tatsächlich, meint auch Ulrich Hohenbrink, würden die Probleme psychisch kranker Mieter deutlich überschätzt. Der Förderkreis Sozialpsychiatrie etwa betreue 400 Menschen, die allein leben: „Vielleicht gibt es drei oder vier Problemfälle.“

Für Vermieter seien diese Mieter eigentlich ein sicheres Pfund: „Sie beziehen staatliche Hilfe und sie werden von uns betreut.“ Und was verwüstete Wohnungen angehe, sagt Sebastian Albers von der Wohn- und Stadtbau: „Die gibt es auch bei Mietern, die in Lohn und Brot stehen.“

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