Aktion in der Ludgeristraße
Salafisten verteilen in Münster Mohammed-Biografie

Münster -

Die Salafisten-Vereinigung, die Koran-Verteilaktionen organisierte, wurde vor zwei Wochen verboten . Doch schon am Samstag kehrten die Salafisten in die Ludgeristraße zurück – mit prominenter Unterstützung.

Montag, 28.11.2016, 16:40 Uhr aktualisiert: 28.11.2016, 16:52 Uhr
Dieses  Foto von einer Aktion, die am Samstag in Münster stattfand, postete der als einflussreicher Salafist geltende Pierre Vogel (2.v.r.) auf Facebook.
Dieses  Foto von einer Aktion, die am Samstag in Münster stattfand, postete der als einflussreicher Salafist geltende Pierre Vogel (2.v.r.) auf Facebook. Foto: Facebook/Pierre Vogel

Die salafistische Szene scheint sich schnell vom Verbot der Vereinigung „Die wahre Religion“ erholt zu haben. Pierre Vogel , der als einer der einflussreichsten Salafisten Deutschlands gilt, hat auf seiner Facebook-Seite ein Foto gepostet, das ihn am Samstagabend mit Anhängern in der Ludgeristraße zeigt. Im Namen der Vereinigung „We love Muhammad“ verteilten sie Biografien von Mohammed. Die Aufnahme zeigt neben Vogel mehrere Personen, deren Wohnungen im Zusammenhang mit dem Verbot von „Die wahre Religion“ durchsucht worden sind. Entsprechende Informationen unserer Zeitung wurden am Montag aus Sicherheitskreisen bestätigt.

Zumindest aus ordnungsrechtlicher Sicht dürfte die Aktion Konsequenzen haben. „Wir haben das nicht genehmigt, damit war das eine illegale Sondernutzung“, so Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner . Die Stadt werde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren einleiten, es drohe eine Geldbuße bis zu 1000 Euro.

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Während das Ordnungsamt laut Schulze-Werner erst am Montag von der Aktion erfahren hat, fielen die Salafisten der Polizei bereits am Samstag auf. Ein Beamter habe sofort Pierre Vogel erkannt, so ein Behördensprecher. Dann sei aber bei einer Bank ein Alarm ausgelöst worden, der sich als Fehlalarm entpuppte. Als die Beamten zurückkehrten, seien die Salafisten weg gewesen. „Möglicherweise waren sie nur kurz vor Ort, um das Foto zu machen“, so der Polizeisprecher.

Strafrechtlich sei die Aktion ohnehin nicht bedenklich gewesen, traten die Salafisten doch nicht unter dem Namen des verbotenen Vereins auf. Und Koran oder Mohammed-Biografien dürfen nach wie vor verteilt werden, „schließlich haben wir Religionsfreiheit“.

Bundes- und Landesinnenministerium betonten indes am Montag gegenüber unserer Zeitung, dass man Aktivitäten wie am Samstag in Münster genau im Blick habe. Schließlich gehe es darum zu ermitteln, ob da womöglich eine Nachfolgeorganisation von „Die wahre Religion“ aktiv sei, die die Arbeit der verbotenen Vereinigung unter neuem Namen fortsetzt. Zumindest personell scheint es enge Verflechtungen zu geben, heißt es aus Sicherheitskreisen. Gleichwohl sei das Verbot vor zwei Wochen „ein schwerer Schlag“ für die Szene gewesen.  

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