Nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung
CDU im Krisenmodus

Münster -

Keine Abwahl, aber auch kein Aufbruch: Die münsterische CDU-Führung konnte am Montagabend die Palastrevolution verhindern. Aber Unmut war trotzdem zu spüren.

Dienstag, 29.11.2016, 18:11 Uhr

Betretene Mienen gab es beim CDU-Geschäftsführer Christoph Brands (v.l.) und beim Kreisvorsitzenden Josef Rickfelder, als Markus von Diepenbroick-Grüter seine Kritik vortrug.
Betretene Mienen gab es beim CDU-Geschäftsführer Christoph Brands (v.l.) und beim Kreisvorsitzenden Josef Rickfelder, als Markus von Diepenbroick-Grüter seine Kritik vortrug. Foto: Oliver Werner

Am Ende einer langen Versammlung war es nur eine Handvoll Stimmen inmitten der über 300 anwesenden CDU-Mitglieder, die Neuwahlen wollten.

Ich möchte, dass man mich ernst nimmt und bei kritischen Hinweisen eine Reaktion erfolgt.

Marc Würfel-Elberg, einer der Initiatoren des Parteitages

Damit war die drohende Abwahl des Kreisvorstandes mit Josef Rickfelder an der Spitze vom Tisch. Doch auch die an diesem Montagabend immer wieder angemahnte Aufbruchstimmung blieb aus. Landtagskandidatin Simone Wendland , die neben Dr. Stefan Nacke für Düsseldorf kandidiert, flehte geradezu um Unterstützung. „Wir haben in sechs Monaten eine Landtagswahl . Ich möchte Wahlkampf machen.“

Was ich in einem Jahr erlebt habe, reicht für ein ganzes Parteileben.

CDU-Mitglied Klaus-Peter Richter zum Zustand des Kreisverbandes

Gegen Ende der sehr kontroversen Aussprache war es rund um die CDU-internen Kritiker Markus von Diepenbroick-Grüter und Marc Würfel-Elberg ruhig geworden. Gleichwohl verkündete der Versammlungsleiter Rolf Klein forsch, dass man für den Fall einer Mehrheit für Neuwahlen noch eine dreiviertel Stunde lang Stimmzettel drucken müsse – was man bei der Zeitplanung doch bedenken solle . . .

Wir sollten keine feindliche Übernahme dulden.

Klaus Bleckmann, Ex-Schatzmeister der CDU Münster

Genau in diesem Moment hätte wieder die Replik von Diepenbroick-Grüter kommen können, der zuvor gesagt hatte, dass jeder Christdemokrat, der sich in Münster mit dem Partei-Establishment anlege, nur Druck bekomme. Der CDU-Politiker weiter: „Ein Weiter-so kann es nicht geben. Ich hätte nichts gegen Plan B mit Sybille Benning.“ Die mögliche Alternative zu Rickfelder als Parteivorsitzende sagte den ganzen Abend nichts.

Ich erlebe hier einen Machtkampf. Das hat einen bitteren Beigeschmack.

Jessica Bürgers, junges CDU-Mitglied

Selbst der Versammlungsleiter Rolf Klein kam zu diesem Amt wie die Jungfrau zu Kind. Er wurde gewählt, nachdem die beiden Ehrenvorsitzenden Ruprecht Polenz und Günter Schulze Blasum abgelehnt hatten, ebenso der neue Stadtdirektor Thomas Paal und Ratsherr Richard-Michael Halberstadt.

Wir müssen nicht alle Freunde sein. Aber wir sollten das Ziel haben, Wahlen zu gewinnen.

Simone Wendland, CDU-Ratsfrau

Rickfelder selbst wollte wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ebenfalls nicht die Aussprache moderieren.

Wenn es zur Abwahl kommt, brauchen wir über Inhalte nicht mehr sprechen.

Oberbürgermeister Markus Lewe

Der sehr ernst wirkende Kreisvorsitzende räumte ein, Fehler gemacht zu haben, so in der Informationspolitik. Aber: „Ich hatte zu keiner Zeit die Absicht, Dinge unter den Tisch zu kehren.“ Dass sich die Aufarbeitung nach den Pannen bei der Nominierung der Landtagskandidaten hingezogen habe, „dafür kann ich nur um Entschuldigung bitten“.

Ich habe kein Argument gehört, das die Abwahl rechtfertigt.

CDU-Ehrenvorsitzender Ruprecht Polenz am Ende der Aussprache

Doch auch diese Entschuldigung konnte nicht verhindern, dass immer wieder Unmut aufkam. Oder wie es ein CDU-Mitglied ausdrückte: „Ich komme mir vor wie im Kindergarten.“

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