Präventionsprojekt
„Dem Salafismus entgegenwirken“

Münster -

Mehr als 80 Salafisten werden im Raum Münster durch den Verfassungsschutz beobachtet. Um den Einstieg in den gewaltbereiten Salafismus zu verhindern, gibt es das Präventionsprojekt „Wegweiser“. Auch in Münster gibt es jetzt eine Beratungsstelle.

Mittwoch, 07.12.2016, 17:59 Uhr aktualisiert: 07.12.2016, 21:17 Uhr
Die Mitglieder des Netzwerks im Projekt „Wegweiser“ ziehen an einem Strang. NRW-Innenminister Ralf Jäger (r.) freut sich, dass sich so viele Institutionen einbringen.
Die Mitglieder des Netzwerks im Projekt „Wegweiser“ ziehen an einem Strang. NRW-Innenminister Ralf Jäger (r.) freut sich, dass sich so viele Institutionen einbringen. Foto: anf

Nicht aussteigen, sondern gar nicht erst in die extremistische Salafisten-Szene reinrutschen: So lautet das Ziel des NRW-Präventionsprogramms „Wegweiser“. In Münster wurde am Mittwoch die neunte Beratungsstelle durch NRW-Innenminister Ralf Jäger eröffnet.

Der Minister betonte: „Das Projekt ist nötiger denn je. Wir müssen dem Salafismus entgegenwirken.“ Er stellte aber auch klar: „Es geht nicht um drei Millionen friedliche Muslime in Deutschland.“ Im Zentrum stünde eine kleine Gruppe von rund 9 000 Extremisten.

Das Projekt „Wegweiser“ trägt den Untertitel „gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“. Es soll den Einstieg in die Szene verhindern und den Betroffenen sowie ihrem Umfeld bei Fragen und Problemen zur Seite stehen.

Beratungsstellen – Erfolg und Kontakt

Seit dem Frühjahr 2014 wurden in den Anlaufstellen bereits 4500 Beratungen durchgeführt. In der gesamten Zeit habe man schon etwa 350 junge Menschen mit dem Angebot erreicht. Viele befinden sich weiterhin in Beratungsgesprächen. Knapp 50 Prozent der Betroffenen sind minderjährig.

Die in Münster eröffnete Beratungsstelle ist die neunte in NRW. Bis Anfang des kommenden Jahres sollen auch in Mönchengladbach, Bielefeld, Essen und Aachen weitere Anlaufstellen eingerichtet werden. Geplant ist außerdem die Einrichtung von zwei mobilen Teams, die überall dort Hilfe leisten, wo keine Beratungsstelle vor Ort ist.

Die Beratungsstelle in Münster ist nun unter der Nummer 149 21 607 erreichbar.

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Träger der Beratungsstelle in Münster ist der Verein sozial-integrativer Projekte (ViP). Geschäftsführer Klaus Fröse weiß um die Bedeutsamkeit des Themas: „Wir haben da mit jungen Menschen zu tun, die keinen Halt haben.“ Religion und Glaube seien wichtig, es gebe jedoch eine Grenze, wenn es um Radikalisierung gehe.

Im Zentrum des Projekts stehe die Beleuchtung der „individuellen Ursachen“, erklärte Ralf Jäger. Ziel sei es für jeden „individuelle Hilfe zu stricken.“

Das Projekt gehe mit einem „Dreiklang“ vor. Erstens komme es zur Strafverfolgung, wenn extreme Fälle von Radikalisierung vorlägen. Zweitens: „Demokratie muss verzeihen können.“ Es sei wichtig, Aussteigerprogramme zu fördern, die denjenigen eine Hand reichen, die dem Salafismus den Rücken kehren, so Jäger. Der dritte Punkt sei die Prävention.

Das Projekt „Wegweiser“ funktioniert über ein Netzwerk. Ämter der Stadt, Polizei, Vereine und Institutionen beteiligen sich.

Mit im Boot ist auch der Verfassungsschutz . Jedoch nicht uneingeschränkt, erläuterte Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes NRW: „Der Schlüssel des Erfolgs ist der Vertrauensraum.“ Die Gespräche in den Beratungsstellen seien absolut vertraulich. Nur dann, wenn eine Straftat vorliege oder eine Ausreise drohe, werde der Verfassungsschutz informiert.

Freier betonte auch die Bedeutung des Projekts für den Standort: „Im Raum Münster gibt es 80 oder 90 Salafisten , die unter engerer Beobachtung stehen.“ Die Tendenz sei steigend.

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