Trost für Kinder auf der Isolier-Station
Neues Projekt hilft Kindern bei der Knochenmarktransplantation

Münster -

Mit deutschlandweit gespendeten Trostspendern namens Trudi werden Kinder auf der Knochenmarktransplantations-Station des Uniklinikums bedacht. Jetzt macht eine Bordkarten-Idee Schule.

Samstag, 17.12.2016, 15:12 Uhr

Die Bordkarte und Trostspender Trudi haben Marie (hier mit einer Pflegerin) Kraft bei der Knochenmarktransplantation gegeben. Inzwischen ist sie wieder zu Hause
Die Bordkarte und Trostspender Trudi haben Marie (hier mit einer Pflegerin) Kraft bei der Knochenmarktransplantation gegeben. Inzwischen ist sie wieder zu Hause Foto: Uniklinikum

Wie schafft es ein siebenjähriges Mädchen, sechs Wochen lang auf einem Isolierzimmer den Mut nicht zu verlieren und die schwere Zeit der Knochenmarktransplantation durchzustehen? Die kleine Marie drückt ihren lila-gemusterten Trostspender Trudi fest an ihren Körper und winkt tapfer mit einer ganz besonderen Bordkarte, die künftig auch vielen anderen Kindern in stürmischen Zeiten auf dem Stationsschiff namens Knochenmarktransplantation (KMT) Zuversicht und Lebensfreude vermitteln sollen.

Am Anfang der dramatischen Reise, die Marie bewältigt hat, stand „eine Diagnose, die uns den Boden weggerissen hat“, erinnert sich Maries Mutter: MDS , eine Funktionsstörung des Knochenmarks, bei der nicht mehr ausreichend eigene Blutkörperchen und Thrombozyten produziert werden. Erkannt wurde dies anhand der blauen Flecken, mit denen Maries Körper plötzlich übersät war.

Marie musste sehr tapfer sein. Denn in Vorbereitung auf die Transplantation wurde ihr Immunsystem komplett heruntergefahren. In diesem Zustand sind Patienten für Krankheitserreger derart empfindlich, dass eine Isolation der einzige Weg ist, lebensbedrohlichen Infektionen vorzubeugen. „Doch wie erklärt man einem siebenjährigen Kind, dass es demnächst sechs Wochen in einem einzigen Raum verbringen muss?“ Maries Mutter überlegte fieberhaft, wie sie ihrer kleinen Tochter helfen konnte. Die zündende Idee kam ihr, als sie gemeinsam mit Marie den kindgerechten Klinik-Animationsfilm zur Vorbereitung auf die Behandlung auf der UKM-Station anschaute, die dort mit einer abenteuerlichen Schiffsreise verglichen wird. Was lag da näher, als eine Bordkarte für Marie zu kreieren. Die Kleine war begeistert und zeigte am Eintrittstag stolz dem gesamten Pflegepersonal ihren Ausweis.

Die Bordkarten-Idee kam auch bei den Ärzten, dem Pflegeteam und beim Projektteam „Nähen für morgen“ an. Sie lassen deutschlandweit von Freiwilligen Trostspender namens Trudi nähen, die den Kindern in stürmischer Zeit zur Seite stehen. „Auf der Station sprachen alle nur noch von der Bordkarten-Familie“, erzählt Sabrina Raap , die gemeinsam mit einer weiteren Design-Studentin das Trudi-Projekt auf den Weg gebracht hat. Jedes Kind darf sich auf der Station einen lustig-bunten Trudi aussuchen. Deshalb ist sie begeistert, dass seit dem erneuten Aufruf im Spätsommer rund 250 selbst genährte Trudi-Spenden eingegangen sind. Dank der Idee von Maries Familie bekommen die Kinder, die aufs „Knochenmarktransplantations-Schiff“ kommen, von nun an zudem eine Bordkarte. Björn Hartl von der münsterischen Druckerei Letterwish hat kurzerhand 100 Karten in verschiedenfarbigen Designs gedruckt und gespendet.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4505157?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F4847812%2F4847813%2F
Eltern zwischen Angst und Hysterie
Noch ist keinem Kind wirklich etwas passiert – dennoch sind die Eltern in den Schul- und Kita-Bezirken, in denen Jungen und Mädchen von Fremden angesprochen wurden, in großer Sorge.
Nachrichten-Ticker