Älteste Münsteranerin
Bestens gelaunt mit 110 Jahren

Münster -

Zu Kaiserzeiten wurde sie geboren: Aenne Stockhorst ist die älteste Münsteranerin. Sie wird 110 Jahre alt. Und sie hat einen guten Vorschlag für alle jüngeren Mitbürger.

Dienstag, 20.12.2016, 08:12 Uhr

Aenne Stockhorst (l.) wird am Dienstag 110 Jahre alt, niemand in Münster ist älter. Die betagte, aber rüstige Rentnerin wird von ihren Töchtern Rita Dierksmeier (M.) und Ursula Stockhausen umsorgt.
Aenne Stockhorst (l.) wird am Dienstag 110 Jahre alt, niemand in Münster ist älter. Die betagte, aber rüstige Rentnerin wird von ihren Töchtern Rita Dierksmeier (M.) und Ursula Stockhausen umsorgt. Foto: Dirk Anger

Aenne Stockhorst lächelt, ihre Augen leuchten: „Mein Arzt hat schon geglaubt, ich wäre ihm untreu geworden“, erzählt die Münsteranerin schmunzelnd. Kein Zipperlein, auch das Treppensteigen klappt: „Alt werden ist sehr schön“, meint Aenne Stockhorst aus Überzeugung.

Sie muss es wohl wissen. Denn kein Mensch in Münster ist älter als sie: Am heutigen Dienstag wird die rüstige Rentnerin sage und schreibe 110 Jahre. Eigentlich eine gute Gelegenheit, am Geburtstag wieder die Pumps anzuziehen. Schließlich kleidet sich Aenne Stockhorst gerne modisch – ohnehin geht sie locker für ein paar Jahrzehnte jünger durch. Einfach beneidenswert!

Sport ist für mich tabu, dafür bin ich zu faul.

Aenne Stockhorst (110 Jahre)

Ob ein Schlüssel zum langen Leben in den entbehrungsreichen Zeiten während des Kriegs liegt, wie die Töchter vermuten – in jedem Fall ist Aenne Stockhorst immer noch fit wie ein Turnschuh. Allerdings verrät das heutige Geburtstagskind: „Sport ist für mich tabu, dafür bin ich zu faul.“ Ihre Hände legt Stockhorst deshalb aber nicht in den Schoß. Jeden Tag greift sie zum Strickzeug, bringt es mit flinken Fingern auf bis zu zwölf Schals pro Jahr, die für den guten Zweck nach Brasilien gehen.

Ihre große Liebe gehört der Musik

Ihre große Liebe gehört bis zum heutigen Tag der Musik: Diese Leidenschaft hat Aenne Stockhorst mit ihrem Mann Heinrich , dem verstorbenen früheren münsterischen Domorganisten, geteilt. Beide sind in Isselburg aufgewachsen, wohnten auf derselben Straße. Der erste Liebesbrief sei in Noten gekommen, erinnert sich Stockhorst: „Wenn ich ein Vöglein wär und auch zwei Flügel hätt, flög ich zu dir.“

Aber bis zur Hochzeit 1938 gingen noch ein paar Jahre ins Land. Kurz nach dem Jawort zog das junge Ehepaar nach Erfurt, wo Heinrich Stockhorst als Domorganist arbeitete; die Familie wohnte mit drei Kindern am Fuß des Doms. „Beim Bombenangriff ging es mit den kleinen Kindern 14 Stufen runter in die Krypta.“ Nach dem Krieg gelang der Familie die Flucht vor der Stasi gen Westen. Weil Heinrich Stockhorst die Domorganisten-Stelle in Münster in Aussicht gestellt wurde, fand die Familie hier um 1950 ihre Heimat.

Kein Rezept fürs Äterwerden

Aenne Stockhorst stammt selbst aus einer musikalischen Familie. „Ich bin mit Musik groß geworden“, so die Opern-Freundin. Aufgewachsen im Kreis von acht Geschwistern, „war bei uns immer was los“. „Allein bin ich nicht gerne“, gesteht die 110-Jährige. Für die Unterhaltung ihrer Mutter sorgen heutzutage die beiden Töchter Rita Dierksmeier und Ursula Stockhausen, die Aenne Stockhorst zusammen mit den Schwiegersöhnen umsorgen.

50 Bürger sind 100 Jahre und älter

50 Münsteraner sind laut Stadtverwaltung 100 Jahre und älter. Aenne Stockhorst als älteste Bürgerin kam am 20. Dezember 1906 in Isselburg (Kreis Borken) zur Welt. In diesem Jahr besetzte Schuhmacher Wilhelm Voigt das Köpenicker Rathaus und lieferte die Vorlage für den späteren „Hauptmann von Köpenick“, Kaiser Wilhelm II. war Staatsoberhaupt in Deutschland, und US-Präsident Theodor Roosevelt erhielt den Friedensnobelpreis.

...

„Daher werde ich wohl so alt“, lobt Stockhorst die Betreuung. Ein Rezept fürs Älterwerden will sie ansonsten nicht kennen: Gerne trinke sie ein Gläschen Rotwein, „auch mal zwei“. Sie zähle das nicht so genau, sagt Stockhorst. Einen gut gemeinten Vorschlag hat die 110-Jährige für ihre jüngeren Mitbürger: „Machen Sie es mir nach, das Leben ist schön!“ 

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