Serie Wendepunkte
Gerhard Hörpel: „Die Raserei würde aufhören, wenn alle ein E-Auto hätten"

Münster -

Vor etwa einem halben Jahr hat Gerhard Hörpel am Batterieforschungszentrum Meet als einer der Direktoren aufgehört. Sein Akku ist aber lange noch nicht leer.

Mittwoch, 04.01.2017, 12:01 Uhr

Gerhard Hörpel mit seinem Elektroauto. Die Reichweite ist noch ausbaufähig, findet er; für seine Zwecke fährt der Wagen aber weit genug.
Gerhard Hörpel mit seinem Elektroauto. Die Reichweite ist noch ausbaufähig, findet er; für seine Zwecke fährt der Wagen aber weit genug. Foto: Oliver Werner

Seine Batterie fühlte sich noch ziemlich voll an als im vergangenen Sommer der Abschied aus dem Berufsleben nahte. Auch jetzt, ein knappes halbes Jahr später, ist Dr. Gerhard Hörpel nach wie vor elektrisiert, wenn er von seiner früheren Arbeit am „Meet“ erzählt. Meet, ist die Abkürzung für „Münster Electrochemical Energy Technology“ und der Name des Batterieforschungszentrums der Universität Münster – und Hörpel hat das Prestigeprojekt der Uni an der Seite des wissenschaftlichen Leiters Prof. Martin Winter mitgegründet, war kaufmännischer und technischer Direktor des Meet.

Spannende Phase

2009 begann im langen Berufsleben des Chemikers Gerhard Hörpel noch einmal eine richtig spannende Phase. Batterien waren bereits seit etwa 20 Jahren Hörpels Spezialthema, die meiste Zeit davon bei Evonik Industries in Marl, wo Hörpel einen keramischen Separator für Lithium-Ionen-Batterien entwickelte, dessen Herstellung und Vermarktung organisierte. In dieser Zeit entwickelten sich die Kontakte zu Martin Winter, der ab 2008 als Stiftungsprofessor an der Uni Münster die Batterieforschung nach vorn bringen sollte. Eine Aufgabe, die schnell wuchs – und bei der auch Hörpel gefragt war. Acht Jahre vor dem Ruhestand ging er noch einmal an die Universität. Dazu noch in Münster – nah am geliebten Heimatort Nottuln. Hörpel, gebürtiger Pfälzer, lebt mit seiner Frau seit über 30 Jahren im Münsterland – „weil es so schön hier ist“, sagt er.

Einmal, so fand sein Chef bei Evonik in früheren Jahren, musste er eine Weile beruflich ins Ausland. Zu seiner großen Erleichterung landete Hörpel statt in Japan oder China bei einem Tochterunternehmen in Enschede – und konnte im Münsterland bleiben.

Beratungsgesellschaft für Batterie-Know-how

Von zu Hause aus widmet sich Hörpel nun weiter seinem Lieblingsthema. Er hat eine Beratungsgesellschaft für Batterie-Know-how gegründet, berät Geräte- und Autohersteller.

Auch wenn das Thema Elektromobilität in Deutschland weniger schnell Fahrt aufgenommen hat als Hörpel und andere Experten hofften, das Interesse ist groß – und Hörpel sicher, „dass die Batterie sehr bald ihren Siegeszug auch auf der Straße fortsetzen wird“, nicht nur mit den jetzt schon am Markt sehr erfolgreichen Pedelecs.

Er selbst macht es vor: Sein privates Elektroauto ist ein Kleinwagen, mittlerweile gut zwei Jahre alt, und, Hörpel ist ehrlich, im Winter mit Heizung schafft er gerade mal 100 Kilometer pro Ladung. „Aber ich fahre ja auch keine großen Strecken“, sagt er und freut sich über den geräuschlosen Motor. Wer ein E-Auto fährt, der strebe nicht danach, möglichst schnell anzukommen, sondern möglichst weit, also energiesparend zu fahren.

„Die Raserei würde aufhören, wenn alle ein E-Auto hätten“

Hörpel ist sicher: „Die Raserei würde aufhören, wenn alle ein E-Auto hätten.“ Dann erklärt er die Fortschritte bei der Batterieentwicklung – und sprüht schon wieder vor Energie. Den formalen Ruhestand, dem er eigentlich skeptisch gegenüberstand, schätzt er aber auch. Jeden Tag tun zu können, was er will – „das ist schon großartig“. Was er dann macht? Holzhacken, Gartenarbeit, Klavierspielen – alles Dinge ohne Batteriebetrieb. Auch das macht Gerhard Hörpel Spaß.

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