Sprache der Rechtspopulisten
Vereinfachung und Feindbilder

Münster -

,,Parasiten“, ,,Schmarotzer“, ,,Volksschädlinge“ nebst der steinalten ,,Lügenpresse“. Solche diskreditierenden Metaphern gehören zum Wortschatz rechtspopulistischer Gruppierungen. ,,Der Wortschatz rechtspopulistischer Bewegungen orientiert sich am Wortgut früherer ideologisch geprägter Diskursgemeinschaften“, sagt Dr. Alexa Mathias vom Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover.

Dienstag, 24.01.2017, 12:01 Uhr

Im Schloss findet am 31.01.2017 der linguistische Nachwuchs-Kongress Linkon statt, zu dem Interessierte herzlich eingeladen sind.
Im Schloss findet am 31.01.2017 der linguistische Nachwuchs-Kongress Linkon statt, zu dem Interessierte herzlich eingeladen sind. Foto: dpa

Dr. Alexa Mathias untersucht den sprachlichen Gebrauchsstil aktueller rechtspopulistischer Bewegungen, der sich erst seit kurzem stärker im Fokus der Forschung befindet. In ihrem Buch ,,Metaphern zur Dehumanisierung von Feindbildern“ untersucht sie den Sprachgebrauch in der rechtsextremen Musikszene. Am 31.01.2017 um 18 Uhr (ct) wird die Expertin in Sachen Rechtspopulismus im Schloss Münster einen Vortrag mit dem Titel „Lexik und Legitimationsstrategien rechtspopulistischer Bewegungen“ als Gastdozentin im Rahmen des linguistischen Nachwuch-Kongresses Linkon halten, den Studierende des Fachbereichs 09 des Germanistischen Instituts der Universität Münster ausrichten.

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Foto: Linkon

Demokratie des ,,Establishments"?

Populisten sehen den Staat, ein parlamentarisches und institutionelles System, als ,,verkrustet“ an und fühlen sich in ihrer Möglichkeit politischer Einflussnahme stark eingeschränkt, wie Dr. Alexa Mathias mit Bezug auf Prof. Dr. Karin Priester vom Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhems-Universität, beschreibt. Es gehe um einen Vertrauensverlust der Bürger in die Form der repräsentativen Demokratie, welche von populistischen Gruppierungen als eine Demokratie des „Establishments“ wahrgenommen wird.

Was zeichnet populistische Bewegungen aus? Dr. Alexa Mathias betont, dass sie sich durch ein antielitäres Weltbild hervortun, dessen Abgrenzung eher zwischen „oben“ und „unten“ verläuft, als zwischen politisch „rechten“ bzw. „linken“ Positionierungen. ,,Wobei als „Feind von oben“ ein Konglomerat aus Politikern, Wirtschaftseliten, Intellektuellen und Journalisten ausgemacht wird.“ Die positiv bewerteten Bezugsgruppen der Populisten konstituieren sich aus der sogenannten „gesellschaftlichen Mitte“.

Gefahren rechtspopulistischer Gruppierungen

Ihr hohes Motivationspotential durch starke Vereinfachung , Feindbilder und Stereotype seien die Gefahren, die von rechtspopulistischen Gruppierungen ausgehen. Ein behaupteter Sachverhalt werde kaum auf Richtigkeit überprüft und Argumentationsstrategien werden nicht begründet. Ein großes Problem bestehe darin, „dass sich gesellschaftliches und politisches Handeln immer stärker nach Maßgabe der „ganz großen Gefühle“ vollzieht. Postfaktizität allgemein ist ein starkes und hoch problematisches Element populistischer Kommunikationsstrategien.“
Zum Wort des Jahres 2016 ist „postfaktisch“ gewählt worden .

Das erneute Erstarken antipluralistischer, rechtslastiger und EU-feindlicher Einstellungen wirke beunruhigend, meint Dr. Alexa Mathias. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist der Gegenstand natürlich hochinteressant, ebenso in Bezug auf Medienerziehung, denn soziale Medien bilden eine wichtige Plattform auch in der politischen Kommunikation. ,,Hier befremdet vor allem die niedrige Hemmschwelle in Bezug auf beleidigende Äußerungen, wie auch die Verbreitung absonderlichster Behauptungen bei großer Vernachlässigung jedweder Realitätsprüfung.“ Es werde zu häufig blindlings auf ,,Gefällt mir“ geklickt.

Der Sündenbock 'Migrant'

Hat die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch Verfolgten dazu beigetragen, dass bereits vorhandene fremdenfeindliche Einstellungen und Vorurteile stärker öffentlich artikuliert werden? Vielleicht. Jedenfalls eigneten sich Migranten, Dr. Alexa Mathias zufolge, schon immer gut als Sündenböcke für ungelöste gesellschaftliche Probleme, wie ungleiche Verteilung, die ökonomische Schieflage, Wohnungsnot, Probleme am Arbeitsmarkt…

Über die Tagung:

Der Linguistische Nachwuchs-Kongress [linkon] ist eine von StudentInnen des Masterstudiengangs Angewandte Sprachwissenschaft der WWU Münster ins Leben gerufene und organisierte Tagung. Die StudentInnen bieten in spannenden Kurzvorträgen Einblicke in ihre Studienprojekte.
Ziel der Tagung ist es, den Austausch und die fachliche Diskussion zwischen verschiedenen Studiengängen sowie StudentInnen und FachwissenschaftlerInnen zu fördern. Als Höhepunkt referiert eine Keynote-Speakerin zu einem aktuellen, linguistisch und gesellschaftlich
relevanten Thema. In diesem Jahr wird Frau Dr. Alexa Mathias zum Thema „Lexik und Legitimationsstrategien rechtspopulistischer Bewegungen“ sprechen. Interessierte sind herzlich willkommen.

Wo: Senatssaal (Raum 102), Schloss Münster (Schlossplatz 2, 48149 Münster)
Wann: 31.01.2017
18 –20 Uhr (c.t.): Vortrag Dr. Alexa Mathias: „Lexik und Legitimationsstrategien
rechtspopulistischer Bewegungen“.
10 –18 Uhr (s.t.): Vorträge der StudentInnen
01.02.2017
10 – 12 Uhr (s.t.): Postersession „Wahlkampfsprache“

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