Kuriose Ausstellung im Amtsgericht
Butterflymesser und Klobrillen

Münster -

Butterflymesser, Pfeffersprays. Im Amtsgericht fällt so manches beim Scannen auf. Jetzt macht die Kunststudentin Lisa Tschorn eine besondere Ausstellung dazu.

Freitag, 13.01.2017, 10:01 Uhr

Fast schon ästhetisch wirken die Bildschirmbilder von gescannten Taschen und Koffern. Lisa Tschorn hat für ihre Ausstellung besonders originelles Gepäck durchleuchten lassen. Amtsgerichtspräsident Norbert Schöppner fand das spannend.
Fast schon ästhetisch wirken die Bildschirmbilder von gescannten Taschen und Koffern. Lisa Tschorn hat für ihre Ausstellung besonders originelles Gepäck durchleuchten lassen. Amtsgerichtspräsident Norbert Schöppner fand das spannend. Foto: Günter Benning

Zwei Packungen Chinaböller. Für Burkhard Voß , Justizbeamter im Amtsgericht , ist da ganz klar: „Die können hier nicht rein.“

Voß und seine Kollegen wachen gegenüber dem Schlossplatz über die Sicherheit im Gericht. Jeder Besucher muss – wie auf Flughäfen – durch eine Sicherheitsschleuse hindurch. Gepäck und Tascheninhalt wird in einem Gerät gescannt, vor dem deutlich „detection“ steht. Die Bilder, die der Scanner auf einem Bildschirm anzeigt, sehen aus wie kunstfertig gemalte Aquarelle.

Besondere Kunstaktion

Genau das Richtige für Lisa Tschorn . Die Studentin an Münsters Kunstakademie suchte nämlich schon lange nach einer Chance, die Kunst vom Scanner in eine besondere Kunstaktion zu verwandeln.

Sie reist viel, sie fliegt viel und dabei waren ihr immer wieder die Scannerbilder ins Auge gefallen. Also schrieb sie Flughäfen an, ob sie nicht damit etwas machen könne. „Die sagten, für die Security seien sie nicht zuständig“, erzählt sie. Am Ende erhielt sie eine Absage vom Regierungspräsidium. Bei der Sicherheit wird nicht gern herumexperimentiert.

Gericht plädiert für mehr Transparenz

Durch einen Zufall geriet Tschorn dann ans Amtsgericht. Dessen Präsident Norbert Schöppner fand die Idee „interessant“. Zumal das Gericht, sagt er, „gerne transparent machen will, was hier passiert.“

In der Realität finden die Justizbeamten täglich irgendetwas, das verboten ist. „ Butterflymesser zum Beispiel“, sagt Burkhard Voß, „oder Pfefferspray , Schlagringe oder einseitig aufklappbare Messer.“ Nach dem Anschlag von Winnenden 2009 wurde das Waffengesetz verschärft, und manches darf zwar noch verkauft, aber nicht mitgeführt werden.

In kleinen Kästchen bewahrt Voß die Fundstücke des Tages auf. Ein Schweizer Messer liegt gerade da. Das wird nur eingezogen – aber später zurückgegeben. Verbotene Waffen werden gleich an die KTU, die kriminaltechnische Untersuchung weitergegeben. Dann gibt es ein Verfahren.

Eigener Krimskams wird zum Hingucker

Lisa Tschorn befasst sich aber weniger mit der kriminologischen Seite des Scanners. Und Bilder von fremden Leute kann sie schon aus Datenschutzgründen nicht einfach so verwenden.

Sie hat ihre eigenen Koffer gepackt, sich von Freunden Taschen geliehen, mit Krimskrams gefüllt und durch den Apparat gezogen.

Die Bilder wurden abfotografiert und werden bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag (19. Januar) um 15 Uhr im Amtsgericht per Projektor gezeigt. „Etwas Ironie“, sagt Tschorn, „ist auch dabei, in einen Koffer habe ich eine Klobrille gesteckt.“ So etwas ist von Burkhard Voss ganz bestimmt noch nicht konfisziert worden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4555509?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F4847808%2F4847811%2F
Fuß- und Radweg entlang des Kanals bei Regen nicht benutzbar
Die Westseite des Kanalufers ist als Radweg zwischen Münster und Hiltrup ideal
Nachrichten-Ticker