Ex-Piratin
Marina Weisbands erster Termin mit Baby Amalia

Münster -

Sie war bundesweit das Gesicht der Piraten. Dann stieg sie aus der Politik aus. Marina Weisband aus Münster hat gerade eine neue Aufgabe: Amalia, sieben Wochen alt.

Mittwoch, 18.01.2017, 08:40 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 18.01.2017, 07:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 18.01.2017, 08:40 Uhr
Marina Weisband wohnt weiter in Münster – und trägt hier ihre sieben Wochen alte Tochter Amalia zum Termin.
Marina Weisband wohnt weiter in Münster – und trägt hier ihre sieben Wochen alte Tochter Amalia zum Termin. Foto: bn

Amalia ist so ganz anders als ihre Mutter. Sie schlummert ungerührt unter der bestickten Kapuze, ein Ärmchen ragt aus dem Brusttuch heraus. Der Lärm im Café lässt sie unberührt. Sieben Wochen ist die Tochter der Ex-Piratin Marina Weisband alt. „Und so ruhig ist sie sonst nie“, sagt die Münsteranerin mit ukrainischen Wurzeln, „sie hat gerade Koliken“.

Marina Weisband hat mit ihren 29 Jahren so einiges hinter sich gelassen: Politische Geschäftsführerin der Bundes-Piraten, Austritt aus der Partei, unzählige Auftritte im Fernsehen und bei Veranstaltungen. Ihr Thema sind die offene Demokratie und die Ukraine . Aber eines hätte sie gerne früher geschafft: „Wie meine – typisch sowjetische – Mutter und meine Großmutter schon mit 20 ein Kind zu bekommen. Aber das klappt in Deutschland nicht.“

Rückkehr in die Parteipolitik

Jetzt hat sie Amalie, zusammen mit dem „Herrn Rosenfeld“. Und die geborene Politikern erlebt am eigenen Leib, „wie Sexismus funktioniert“. Wenn sie sich ums Kind kümmert, ist das normal. Wenn ihr Mann das macht, wird er bewundert: „Bei Männern heißt das Babysitten.“

Weisband ist Diplom-Psychologin und hat nach dem formellen Ausstieg aus der Politik ein Demokratie-Projekt für Schulen aus der Taufe gehoben. „Aula“ heißt es, getragen wird es von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Berliner Verein Politik Digital. „Schüler ab der fünften Klasse sollen lernen, sich an Schulentscheidungen demokratisch zu beteiligen“, sagt sie. Natürlich wird das Ganze digital unterstützt, mit der Software „Liquid democracy“. Auch das erinnert an ihre Zeit bei den Piraten.

An vier Schulen bundesweit wird das Aula-Projekt derzeit getestet, unter anderem am Gymnasium Nottuln. „Für mich ist das Projekt extrem wichtig“, sagt Marina Weisband, „ich habe eine Idee, wie Demokratie funktionieren kann – ich kann es nur noch nicht beweisen“. Ihre Rückkehr in die Welt der Parteipolitik hat sie innerlich schon fest eingeplant.

Hobby Rollenspiele

Auch wenn sie keine Piratin mehr ist und kein Amt trägt, ist Marina Weisband gut beschäftigt. Ihre ehemalige Partei hat sie zur Bundesversammlung delegiert. Am 12. Februar wird sie den Bundespräsidenten mitwählen können.

Das Stillkind Amalia kommt mit: „Mein Mann muss sie mir dann eben alle zwei Stunden bringen.“

Auch sonst ist sie eine gefragte Expertin. So moderierte sie 2016 ein Gespräch mit der russischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch vor vollem Haus in Heidelberg. „Ich bin in Russland aufgewachsen, als ich Kind war, ist der Unfall in Tschernobyl passiert.“ Weisband war ein Flüchtling in einem fremden Land, als sie nach Deutschland kam. Die Erfahrung bleibt.

Um sich zu entspannen, wechselt Weisband schon mal komplett die Zeiten. Mit Amalia und ihrem Mann nahm sie neulich wieder an einem Rollenspiel-Event teil. 9000 Menschen versetzten sich in die Zeit der Wikinger zurück. Das Hobby hat sie schon lange. „In Rollenspielen“, sagt sie, „habe ich meinen russischen Akzent verloren – und praktische Demokratie geübt.“

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Marina Weisband wird demnächst wieder ihren Job in Berlin machen: „Da muss Amalia wohl mitkommen“, sagt sie. Nach dem Gespräch mit dieser Zeitung twittert sie: „Habe erstmals seit der Geburt wieder ein Interview gegeben. Kind umgebunden, ins Café, alles super unkompliziert.“ Dann kann es also im gewohnten Tempo weitergehen. . .

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