Ohne Hochschulen geht es bergab
Studenten machen Münster groß

Münster -

Eine neue Statistik belegt eindrucksvoll, dass der starke Zuzug von Studenten und Auszubildenden Münsters Bevölkerungszahl steigen lässt.

Dienstag, 24.01.2017, 19:01 Uhr

Münsters positive Bevölkerungsentwicklung ist begründet in der studienbedingten Zuwanderung. Viele Studenten bleiben in der Stadt.
Münsters positive Bevölkerungsentwicklung ist begründet in der studienbedingten Zuwanderung. Viele Studenten bleiben in der Stadt. Foto: Oliver Werner

Münsters Bevölkerungszahl wächst. Dafür werden sehr viele Gründe angeführt, die von der wachsenden Gebärfreudigkeit bis hin zur hohen Lebensqualität der Stadt reichen.

Der Stadtforscher Prof. Dr. Thomas Hauff möchte dem nicht widersprechen. Das alles entscheidende Argument ist für ihn aber ein anderes: Münsters Hochschulen haben das Angebot an Studienplätzen deutlich erhöht. Waren 2008 an münsterischen Hochschulen 47.932 Studenten eingeschrieben, so waren es 2015 bereits 61.441, also 13.509 Studenten mehr.

Studenten-Protest gegen Wohnungsmangel in Münster

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  • Foto: Matthias Ahlke
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Auf der Basis dieser deutlich gestiegenen Zahlen macht sich auch der für Münster typische „Klebeeffekt“ noch stärker bemerkbar. Viele junge Menschen bleiben nach Studium oder Ausbildung in Münster, weil sie einen Arbeitsplatz finden. Diesen Zusammenhang, den viele Münsteraner ohnehin bereits vermuten, hat Hauff jetzt mit Zahlen belegt, indem er die Wanderungsstatistik einmal auf die verschiedenen Lebensphasen heruntergebrochen hat. Seine Angaben beziehen sich auf die rechnerischen Durchschnittswerte der Jahre 2013 bis 2015:

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Foto: Jürgen Christ (Grafik)

► Studien- und Ausbildungsphase, Alter 18 bis 24 Jahre: 9807 junge Menschen aus dieser Altersgruppe ziehen pro Jahr nach Münster, nur 5389 ziehen weg, das macht einen „Gewinn“ von 4418 Menschen.

► Berufseinstieg, Alter 25 bis 29 Jahre: In dieser Altersgruppe registriert die Stadt Münster im Jahr 4260 Zuzüge und 5097 Fortzüge. Das macht einen „Verlust“ von 837 Menschen. Eines fällt aber bereits auf: Würden alle Studenten und Auszubildende, die nach Münster kommen, mit dem Berufseinstieg auch wieder gehen, so müsste der „Verlust“ viel größer sein.

► Familienphase, Alter 30 bis 44 Jahre: Für diese Altersklasse sind 3935 Zuzüge und 4945 Fortzüge vermerkt. Daraus ergibt sich ein „Verlust“ von 1010 Menschen. Münster hat Probleme, junge Familien zu halten.

► Mittelalter, Alter 45 bis 64 Jahre: Mit der sinkenden Mobilität im Alter geht auch die Zahl der Zuzüge und Fortzüge deutlich zurück, 1725 zu 1632. Es ergibt sich für Münster ein „Gewinn“ von 93 Menschen.

Rentenalter, Alter ab 65 Jahre: Die Mobilität nimmt noch einmal ab. Den 509 Zuzügen stehen 524 Fortzüge gegenüber. Das macht einen „Verlust“ von 15 Personen.

► Insgesamt: Pro Jahr ziehen 20 236 Erwachsene nach Münster, 17 587 ziehen weg. Der „Überschuss“ beträgt rechnerisch 2649 Menschen.

Kommentar: Hochschulen als Magnet

Im Jahr 2015 lag die Zahl der neugeborenen Münsteraner um 447 über der Zahl der gestorbenen Münsteraner. Wer sich das vor Augen hält, erkennt sofort, dass der sicherlich erfreuliche Geburtenüberschuss als Erklärung für das anhaltende Bevölkerungswachstum nicht reicht. Die Steigerung liegt immerhin klar im vierstelligen Bereich.

Entscheidend ist ein Grund, den nicht die politisch Verantwortlichen in der Stadt, sondern die Hochschulen als Erfolg verbuchen können. Die Zahl der Studienplätze steigt. Mit inzwischen über 61 000 Studierenden an den Hochschulen kann man die Stadtteile Mecklenbeck, Albachten, Roxel, Nienberge, Gremmendorf, Angelmodde und Wolbeck komplett füllen.

Man stelle sich einmal vor, diese Stadtteile wären leer. Genau das wäre der Fall, sollten Münsters Hochschulen den Lehrbetrieb einstellen. Derlei ist nicht zu befürchten, aber es ist wichtig, die Bedeutung der Hochschulen stets im Auge zu behalten.

Klaus Baumeister 

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Die Verteilung der Wanderungsgewinne und Verluste auf die verschiedenen Altersgruppen lässt den Schluss zu, dass die Hochschulen der mit Abstand wichtigste Faktor für eine steigende oder zumindest stabile Bevölkerungszahl sind. Jahr für Jahr kommen im rechnerischen Schnitt 9800 Menschen zu Studien- und Ausbildungszwecken nach Münster. Auch wenn die meisten später wieder gehen, so reicht das „Depot“ locker, um sämtliche sonstigen Wanderungsverluste zu kompensieren.

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Der Stadtforscher Prof. Hauff benennt aber auch die Kehrseite: „Sollte der Hochschul-Motor irgendwann einmal stottern, wären die Folgen für die Stadt dramatisch.“ 

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