Bahnhofsviertel
Ein Quartier im Aufwind

Münster -

Neuer Bahnhof, neue Hotels, neue Wohnungen: Das Bahnhofsviertel ist im Aufwind. Zu den aktuellen Entwicklungen äußert sich Gebhard von und zur Mühlen von der Immobilien- und Standortgemeinschaft ISG.

Freitag, 27.01.2017, 20:01 Uhr

Bahnhofsviertel. Foto: Werner
Bahnhofsviertel Foto: Oliver Werner

Das Bahnhofsviertel ist immer wieder Stadtgespräch – mal geht es um neue Projekte wie den geplanten Abriss der Bahnhofspost, mal um Straftaten und Drogenkriminalität. In der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Bahnhofsviertel haben sich rund 80 Immobilienbesitzer, Einzelhändler und Fördermitglieder zusammengeschlossen, damit sich das Quartier positiv entwickelt. Mit Gebhard von und zur Mühlen, seit zwei Jahren ISG-Vorsitzender, sprach unser Redakteur Martin Kalitschke .

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Gebhard von und zur Mühlen ist Vorsitzender der ISG Münster. Foto: Günter Benning

Herr von und zur Mühlen, soeben hat ein Investor bekanntgegeben, dass er die Bahnhof-Post abreißen und durch einen Neubau ersetzen will. In nächster Zeit werden zudem mehrere Hotels ins Bahnhofsviertel ziehen. Sie müssten doch mit der Entwicklung des Quartiers hochzufrieden sein.

von und zur Mühlen: Ja, und das bin ich auch. Das Bahnhofsviertel wird sich in den kommenden Jahren zu einem zentralen Punkt zwischen Innenstadt und Hafen entwickeln. Und die ISG war und ist in viele Projekte der vergangenen Jahre involviert – von der „Direktion“ über das Bahnhof-Hochhaus bis hin zur Gestaltung der Bahnhof-Ostseite. Gerade erst haben wir uns mit Vertretern der Landmarken AG getroffen, die das Empfangsgebäude auf der Ostseite errichten wird, das Unternehmen ist mittlerweile Mitglied in der ISG.

Bald werden sich rund um den Bahnhof mindestens vier Hotels ansiedeln. Eine gute Entwicklung?

von und zur Mühlen: Wir wissen, dass vor allem bei großen Veranstaltungen die Nachfrage nach Übernachtungen groß sein wird. Aber die Hotels können natürlich nur existieren, wenn sie auch dauerhaft eine vernünftige Auslastung haben werden. Die Betreiber werden sich sicherlich kritisch anschauen, ob diese Auslastung gelingen wird. Bei der ISG gibt es daneben die Befürchtung, dass sich als Konsequenz im Viertel der Parkdruck erhöhen könnte.

Wird der Bahnhof zum Hotelviertel?

von und zur Mühlen: Es wird ja auch gemischte Nutzungen geben. So ist bei den Bauprojekten an der Kleinen Bahnhofstraße geplant, neben Hotels auch Einzelhandel, Büros und Wohnungen unterzubringen. Das wäre ein toller Mix.

Das Bahnhofsviertel sorgt auch für Negativschlagzeilen. Es gibt Straftaten und Drogenkriminalität. Sind Sie in Sorge?

von und zur Mühlen: Nun, inzwischen sind ja auch große Erfolge erzielt worden. Die Drogenkriminalität hat deutlich abgenommen. Klar gibt es Stellen mit Problemen, doch insgesamt haben Polizei und Verwaltung die Situation gut im Griff.

An welchen konkreten Stellen gibt es Probleme?

von und zur Mühlen: Uns wird berichtet, dass sich in den Hinterhöfen von Achtermannstraße und Windthorststraße verstärkt Drogenkriminelle aufhalten. Zusammen mit der Polizei wollen wir uns dieses Problems in Kürze annehmen. Auf der anderen Seite kommt es immer wieder auch zu positiven Veränderungen. Nachdem ein Asia-Shop an der Urbanstraße, der ein Treffpunkt für Nordafrikaner war, seine Pforten geschlossen hatte, gab es dort plötzlich keine Probleme mehr. Auch am Berliner Platz, wo Drogen vor einem halben Jahr noch ein Riesenproblem waren, hat sich die Situation, auch dank der Polizei, verbessert.

Viele Süchtige halten sich am Bremer Platz auf. Befürchten Sie, dass diese sich andere Orte im Viertel suchen, wenn dort die Bauarbeiten beginnen?

von und zur Mühlen: Ja, diese Sorge ist im Viertel groß. Wir werden die Situation genau beobachten, um gegebenenfalls darauf reagieren zu können.

Planen Sie, sich für weitere Veränderungen im Viertel stark zu machen?

von und zur Mühlen: Ja. So wünschen wir uns eine bessere Beleuchtung an der Engelstraße, dort ist es abends einfach zu dunkel. Und wir hoffen, dass der Planungsprozess zur Umgestaltung der Windthorststraße wieder Fahrt aufnimmt. Wir wünschen uns schon, 2017 ein Stück voranzukommen – nur bei der Testphase wollen wir es sicherlich nicht bewenden lassen.

Das Bahnhof-Hochhaus sorgte in den vergangenen Monaten immer wieder für negative Schlagzeilen. Was sagt die ISG?

von und zur Mühlen: Es gibt Mitglieder, die die Befürchtung hatten, dass dort das Rotlichtmilieu Überhand nehmen könnte. Wir hoffen, dass es nicht dazu kommt.

Der Hamburger Tunnel soll dauerhaft für Pkw gesperrt bleiben. Was halten Sie davon?

von und zur Mühlen: Das ist auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, um den Platz vor der Post deutlich aufzuwerten. Wir wünschen uns eine solche Aufwertung – und auch eine Aufwertung des Tunnels.

Wie bewerten Sie die Rolle der ISG bei all den Entwicklungen der letzten Jahre?

von und zur Mühlen: Wir haben sie intensiv begleitet und werden heute gezielt um unsere Meinung gefragt, wenn es neue Entwicklungen gibt. Dabei können wir uns für die Wünsche unserer Mitglieder einsetzen – und versuchen, gegebenenfalls Wogen zu glätten.

Freuen Sie sich auf das neue Bahnhof-Empfangsgebäude?

von und zur Mühlen: Natürlich, das war schließlich jahrelang eine unserer wichtigsten Forderungen. Wir alle haben darauf gewartet. Es gibt enge Kontakte zum Bahnhofsmanager und hoffentlich demnächst auch zur Werbegemeinschaft der Händler im Bahnhof. Gemeinsam haben wir eine große Chance, das Bahnhofsviertel attraktiv zu gestalten und zu einem beliebten Quartier mit hoher Qualität zu machen.

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