Sportplatz-Streit
Misstöne vor geplantem Kahlschlag

Münster -

Mit der Kettensäge will die Stadt Münster eine verfahrene Situation zwischen zwei Sportvereinen am Donnerstag endgültig auflösen. Das sorgt für viel böses Blut.

Donnerstag, 09.02.2017, 07:02 Uhr

Diese Bäume am Mauritz-Lindenweg will die Stadt fällen, um den Karate-Verein umzusiedeln: Bernhard Mennes, Geschäftsführer des Sportvereins SC Münster 08, ist zufällig auf die geplante Fällaktion aufmerksam geworden. Der Club ist erbost, weil ihm diese Fläche laut Vertrag überlassen worden sei.
Diese Bäume am Mauritz-Lindenweg will die Stadt fällen, um den Karate-Verein umzusiedeln: Bernhard Mennes, Geschäftsführer des Sportvereins SC Münster 08, ist zufällig auf die geplante Fällaktion aufmerksam geworden. Der Club ist erbost, weil ihm diese Fläche laut Vertrag überlassen worden sei. Foto: Oliver Werner

„Im Moment sind wir einfach schockiert, wie mit uns umgegangen wird.“ Thorsten Webering , Vorsitzender des Sportvereins Münster 08, fühlt sich überrumpelt. Am Vormittag erreicht ihn der Anruf seines Geschäftsführers vom Kunstrasenplatz am Mauritz-Lindenweg: Die Stadt beabsichtige dort am Donnerstag vier große, als erhaltenswert eingestufte Bäume zu fällen, so die Mitteilung. Webering vermutet: „Man will Fakten schaffen.“

Hintergrund dafür ist ein notwendiger Umzug des Shotokan-Karate-Vereins: Weil die Karateka wegen des Baus der zweiten städtischen Gesamtschule ihre Halle an der Manfred-von-Richthofen-Straße aufgeben müssen, sucht die Stadt händeringend nach einer Ersatzfläche. Und diese scheint aus Sicht des Sportamts auf 1000 Quadratmetern am Mauritz-Lindenweg neben dem 08-Kunstrasenplatz gefunden zu sein. Denn der zwischen Stadt und 08 vor 15 Jahren geschlossene Überlassungsvertrag für das Sportgelände lässt aus Sicht der Verwaltung eine Hintertür offen: nämlich für den Fall, dass die Stadt eine Fläche für eigene Zwecke benötige.

Einsatz der Kettensäge

Der SC Münster 08 kann damit aber nicht gut leben. Man brauche das Areal für Gymnastik, Aufwärmen und außersportliche Vereinsaktivitäten, heißt es. Diese Einschätzung liege dem Sportamt sei einem Jahr vor. Deshalb habe man auch einen Alternativvorschlag für eine Karate-Halle gemacht – und zwar am bisherigen 08-Vereinsheim an der Manfred-von-Richthofen-Straße, betont Webering. Doch der Shotokan Karate Dojo Münster e.V. lehnt diesen Standort seit Langem ab. Das soll er Sportamt und Verein 08 schon früher mitgeteilt haben. Eine Stellungnahme dazu ist vom Karate-Verein am Mittwoch nicht erhältlich.

So ruht jedenfalls in dieser Angelegenheit offenbar über viele Monate still der See. Erst vor gut einer Woche schreibt die Stadt dem 08-Vorstand dann im Rahmen von Verhandlungen über einen Erbbaurechtsvertrag für ein neues Vereinsheim. In dem Schreiben findet sich ein kurzer Hinweis, dass das jetzt umstrittene Areal „in Kürze vermessen und der für das Bauvorhaben hinderliche Aufwuchs entfernt wird“. Von einem konkreten Termin ist aber keine Rede – bis zur zufälligen Beobachtung am Mittwochvormittag.

In seiner Not schickt Vorsitzender Webering Hilfe-Mails an die ­Stadtspitze, um den Einsatz der Kettensäge am Donnerstag vorerst zu stoppen. „Wir können diese Vorgehensweise nicht akzeptieren“, sagt er. Die Stadt verweist auf das Bundesnaturschutzgesetz: Die besagten Bäume dürften nur bis Ende Februar gefällt werden. 

Kommentar

Ärger am Sportplatz: Kettensäge löst kein Problem

Hätten sie alle bloß mehr miteinander gesprochen, möchte man angesichts dieser Lage am Mauritz-Lindenweg rufen: Mit einer kurzfristig angesetzten Baumfällaktion will die Stadt Münster eine verfahrene Situation auflösen. Das kann nur böses Blut geben.

Der Verein Münster 08 soll um einen Teil seines Geländes gebracht werden, damit auf dieser Fläche die Karate-Sportler eine neue Heimat finden. Dieser klassische Interessenkonflikt wird jedenfalls nicht mit der städtischen Kettensäge befriedet. Das steht fest.

Dass das Vorgehen der Verwaltung vielleicht rechtens sein mag, täuscht nicht darüber hinweg, dass beim Sportverein Münster 08 auf diese Art und Weise wohl viel Porzellan zerschlagen wurde. Und der Shotokan-Karate-Verein darf kaum einem ungeteilten Willkommen am neuen Standort entgegensehen.

In diesem Dreiecksspiel gibt es aktuell keine Gewinner.  

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