Richard Stallman in Münster
Internet-Aktivist: Windows, Apple und Co. „sind Spione“

Münster -

Der amerikanische Internet-Aktivist Richard Stallman hielt einen Vortrag an der Universität. Er warnte dabei eindringlich vor der Daten-Gier vieler Unternehmen.

Dienstag, 14.02.2017, 16:02 Uhr

Der amerikanische Internet-Aktivist Richard Stallman sprach am Montagabend im Festsaal der Universität im Schloss. Er setzt sich für mehr Freiheiten für Software-Nutzer und Programmierer ein.
Der amerikanische Internet-Aktivist Richard Stallman sprach am Montagabend im Festsaal der Universität im Schloss. Er setzt sich für mehr Freiheiten für Software-Nutzer und Programmierer ein. Foto: kal

Sie zeichnen auf, wo man sich befindet, bekommen mit, was in ihrer Umgebung gesprochen wird, helfen ihren Nutzern, der ganzen Welt mitzuteilen, was sie gerade machen oder denken. „Smartphones“, sagt Richard Stallman , „wären Stalins Traum gewesen.“

Der US-amerikanische Internet-Aktivist und Programmierer, ein Star der Szene, verzichtet daher gerne auf ein eigenes Smartphone. „Diese Dinger machen schreckliche Sachen“, sagt Stallman am Montagabend im Festsaal des Schlosses – und erhält dafür von den mehr als 500 fast ausschließlich männlichen Zuhörern kräftigen Applaus.

Facebook, Instagram: "Feinde unserer Freiheit"

Beifall erhält er auch, als er das Publikum bittet, Fotos der Veranstaltung weder auf Facebook noch auf Instagram zu posten. „Das sind die Feinde unserer Freiheit“, sagt der 63-Jährige. Sollte jemand dennoch den Drang verspüren, seinen Auftritt mit der Smartphone-Kamera festzuhalten, dann doch bitte ohne GPS-Lokalisierung.

Stallman trägt lange Haare, wirkt wie ein echter Computer-Nerd. Während seines Vortrages ist es im Festsaal totenstill, die Zuhörer hängen an seinen Lippen. Immer wieder wird er von Applaus unterbrochen, irgendwie fühlt man sich an Produkt-Präsentationen von Apple-Gründer Steve Jobs erinnert.

Doch dieser Vergleich würde Stallman vermutlich gar nicht gefallen. Facebook, Instagram, Windows, Apple und all die anderen erfolgreichen Firmen aus dem Silicon Valley bezeichnet er wiederholt als „Spione“. Weil die Software, die sie in Umlauf bringen, ihre Nutzer geradezu zu Leibeigenen mache und so deren persönliche Freiheit zerstöre.

Permanente Informationen über die User 

Als Beispiel nennt er den Amazon-Reader Kindle, den Stallman als „Swindle“ bezeichnet. „Er überwacht den Leser total“, sagt er. „Das Gerät weiß, was der User liest und auf welcher Seite er ist.“ Oder Streamingdienste wie Netflix oder Spotify. „Die wissen genau, was Sie gerade hören oder sehen. Das ist Spionage!“ Oder Geräte, die permanent Informationen über die User senden – „selbst, wenn sie heruntergefahren wurden.“

Inzwischen seien die User „Tausenden Programmen“ ausgeliefert. Als einzigen Ausweg sieht er Software, die „frei“ ist, also von Programmierern ergänzt, umgeschrieben, weitergegeben werden darf. Alles andere sei nicht Freiheit, sagt Stallman – sondern Beherrschung.

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