Religionswissenschaftler über neuen Film „Silence“
Religiös motivierte Gewalt gab es auch im Buddhismus

Münster -

Der neue Film „Silence“ von US-Regisseur Martin Scorsese über die Verfolgung von Christen durch japanische Buddhisten zeigt Forschern zufolge die historische Wirklichkeit „entgegen verbreiteter Vorstellungen vom immer friedlichen Buddhismus“. Das schreibt Religionswissenschaftler Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster in einem Beitrag für www.religion-und-politik.de.

Mittwoch, 08.03.2017, 09:03 Uhr

Prof. Dr. Schmidt-Leukel
Prof. Dr. Schmidt-Leukel Foto: Exzellenzcluster Religion und Politik

Religiös motivierte Gewalt sei in der Geschichte „nicht auf Juden, Muslime und Christen beschränkt“ gewesen. Im Japan des 17. Jahrhunderts seien Tausende Christen getötet, gefoltert und zum Glaubenswechsel zum Buddhismus gezwungen worden. Buddhisten und abtrünnige Christen hätten polemische Werke verbreitet, die das Christentum als „verderbliche Lehre“ darstellten.

Dass der Film dies als „Inquisition“ bezeichne, sei „keine ironische Erfindung Scorseses , wie manche Rezensenten des Films meinten, sondern war brutale Realität und entsprach der Bezeichnung und dem Selbstverständnis des Generalinquisitors der 1640 eingerichteten Inquisitionsbehörde“.

Tausende Christen litten „unter ausgeklügelten Foltermethoden“, durch die die Behörde den „öffentlichen Glaubensabfall“ erzwang, so Schmidt-Leukel . „Denunzianten wurden belohnt. Dörfer teilte man in Gruppen von je fünf Familien ein: Sollte eine Person als Christ enttarnt werden, wurde die Gruppe zur Verantwortung gezogen.“ Dass Missionare wie die Patres im Film noch in der Spätphase der Verfolgung heimlich nach Japan kamen, sei historisch belegt, so der Forscher. „Die Missionare endeten alle im Märtyrertod oder im erzwungenen Abfall vom Glauben.“

In kritischen Fragen der Missionierung bleibt Scorseses Film nach Einschätzung des Religionswissenschaftlers hinter seiner provokanteren Buchvorlage zurück, der „vielschichtigen“ gleichnamigen Novelle des bedeutenden japanischen Schriftstellers Shusaku Endo (1923-1996) von 1966.

Der Beitrag „Glaubensabfall als Glaubenstreue – Missionsverzicht als wahres Zeugnis. Notizen zur Historie und Novelle hinter Scorseses Film Silence“ findet sich auf der Website des Exzellenzclusters in der Rubrik „Ansichtssachen."

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