Zuflucht in Münster
13 Gruppen schließen sich zu Initiative zusammen

Münster -

„Wenn nicht Münster, wer sonst?“ fragte Dr. Georgios Tsakalidis am Dienstagabend, als sich die Initiative vorstellte, die Münster zur Stadt der Zuflucht machen möchte. Die Kapazitäten, mehr Flüchtlinge in Not aufzunehmen, seien vorhanden, betonte Dr. Tsakalidis.

Donnerstag, 09.03.2017, 10:03 Uhr

Die Mitglieder der Initiative Münster „Stadt der Zuflucht“ (v.l.): Nora Schomacher, Dr. Doris Hess-Diebäcker, Julia Schulze Buxloh, Amir El-Omari, Jari Schuijlenburg („Cars of Hope“) und René Schuijlenburg („Cars of Hope“) und Dr. Georgios Tsakalidis
Die Mitglieder der Initiative Münster „Stadt der Zuflucht“ (v.l.): Nora Schomacher, Dr. Doris Hess-Diebäcker, Julia Schulze Buxloh, Amir El-Omari, Jari Schuijlenburg („Cars of Hope“) und René Schuijlenburg („Cars of Hope“) und Dr. Georgios Tsakalidis Foto: con

Die Bundesregierung sei ihrer Verpflichtung, 30.000 Flüchtlinge aufzunehmen, bislang nicht nachgekommen. Für Münster gäbe es nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch den moralischen Auftrag, Zufluchtsort zu werden.

Viele Flüchtlinge stecken momentan entlang der Balkanroute fest. Wie erschreckend und unmenschlich dort die Lage ist, erläuterte ausführlich der Wuppertaler René Schuijlenburg von der Initiative „Cars of Hope“. Erst kürzlich half er in Belgrad beim Bau von Brennöfen, der den Flüchtlingen bei Minusgraden das Überleben sicherte. Dies verdeutlichten zwei Videos der Initiative. Während Frauen und Kinder in Lagern leben, sind Männer sich selbst überlassen, suchen in leerstehenden Industriehallen Obdach und sind auf Privatinitiativen angewiesen, um mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt zu werden.

Die Situation sei lebensbedrohlich und vor allem eine enorme psychische Belastung. Schuijlenburg sprach von der Suizidgefährdung vieler, weil es „kein Vor und kein Zurück gäbe“. Außer „ Ärzte ohne Grenzen “ seien keine NGOs vor Ort, um zu helfen, erläuterte der Wuppertaler und lobte den enormen Einsatz der Mediziner in den Lagern. Auch ein Netz von freiwilligen Feuerwehrleuten aus Spanien kümmert sich um die Not, weil es für sie als Katastrophenfall gelte.

Nach dem Vortrag blieb Zeit für Rückfragen der über 50 Interessierten, die in den Lesesaal der Stadtbücherei gekommen waren.

Um diese Not zu lindern, hat sich in Münster die Initiative „Stadt der Zuflucht“ mit Menschen aus 13 verschiedenen Gruppen gegründet, mit dabei zum Beispiel der Integrationsrat, Pax Christi, DGB, Amnesty und Evangelischer Kirchenkreis. Das nächste Treffen, offen für neue Interessenten, findet am Mittwoch (15. März) um 17 Uhr im Stadthaus 2 in den Räumen des Integrationsrats statt.

Am 18. März (Samstag) ist eine Mahnwache zum Jahrestag des EU-Türkei-Deals geplant, voraussichtlich vor dem Friedenssaal. Die Initiative bat um Unterschriften für ihre Petition an den Rat.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4690300?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F4847808%2F4847809%2F
Polizei sucht auffälligen VW Polo
Das Foto zeigt das mutmaßliche Fluchtfahrzeug.    
Nachrichten-Ticker