Psychiater Manfred Lütz spricht bei den Alexianern
Glück zum Selbermachen

Münster -

Wenn am kommenden Freitag und Samstag (17./18. März) im Kunsthaus Kannen der Alexianer im Münster das dritte Symposium der Don Bosco-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie für alle Interessierten aus dem Bereich Jugendhilfe stattfindet, geht es um die große Frage: „Worauf kommt es an?“ – kurz um Werte. Einer, der sich mit diesem Thema erstens als Psychiater und Theologe bestens auskennt und nebenbei als Bestseller-Autor und Kabarettist Popularität genießt, ist Dr. Manfred Lütz, Leiter der Alexianer-Klinik in Köln. Lütz wird das Symposium mit einem Vortrag eröffnen und dabei ein Thema aufwerfen, das viele Menschen sehr bewegt: „Wie sie unvermeidlich glücklich werden.“ Unsere Redakteurin Karin Völker hat vorab mit ihm darüber gesprochen.

Donnerstag, 16.03.2017, 09:03 Uhr

Um Glück geht es unter anderem auch dem Psychiater, Buchautor und Kabarettisten Manfred Lütz , Leiter der Alexianer-Klinik in Köln, der am Freitag den Eröffnungsvortrag beim Symposium der Don Bosco-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hält.
Um Glück geht es unter anderem auch dem Psychiater, Buchautor und Kabarettisten Manfred Lütz , Leiter der Alexianer-Klinik in Köln, der am Freitag den Eröffnungsvortrag beim Symposium der Don Bosco-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hält. Foto: Alexianer

Werden Ihre Zuhörer in Münster nach ihrem Vortrag alle glücklicher nach Hause gehen?

Lütz : Das weiß ich nicht. Sie werden vielleicht weniger Glücksdefinitionen und Glücksratgeber lesen, sondern sich mehr auf ihren persönlichen Weg zum Glück konzentrieren.

Ihr Vortrag trägt denselben Titel wie eines Ihrer neuesten Bücher. Dürfen die Leser eine Anleitung zum Glücklichsein erwarten?

Lütz: Eben nicht. Der Titel „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“ ist natürlich ein bisschen ironisch gemeint gegen all diese Glücksratgeber wo irgendein Autor verrät, wie er persönlich glücklich wurde und den Leser dann traurig zurücklässt, weil der leider nicht der Autor ist. Die Glücksindustrie funktioniert ja nur, weil sie nicht funktioniert.

Und dann kommen Sie mit ganz anderen Vorschlägen.

Lütz: Nein, ich erzähle, welche ganz unterschiedlichen Ideen die gescheitesten Menschen der Welt zum Glück gehabt haben und dann kann der Zuhörer selbst entscheiden, was für ihn passt. Jeder muss seinen eigenen Weg suchen...

. . . und eher nicht darüber nachdenken, warum anderen wahrscheinlich glücklicher sind als man selbst?

Lütz: Diese ganze Casting-Mentalität macht vor allem junge Leute unglücklich, wenn sie sich dauernd mit anderen Menschen vergleichen, die andere Fähigkeiten haben als sie selbst, deswegen heißen sie ja die anderen.

Sind Sie selbst ein glücklicher Mensch?

Lütz: Ich denke selten darüber nach. Mit dem Glücklichsein ist es ein bisschen wie mit der Gesundheit. Wer ständig darüber spricht, ist meistens krank. Und in Momenten, in denen man glücklich ist, denkt man ja eher nicht, warum das jetzt so ist, sondern man ist einfach glücklich.

Ist Glück eigentlich ein Gefühl, dass nur in Momenten erfahrbar ist?

Lütz: Auch da kann man nichts Generelles sagen, aber es gibt sicher unwiederholbare Momente, in denen man sich ganz tief glücklich fühlt und die können ein ganzes Leben tragen.

Was ist mit einem dauerhafteren Glücksempfinden, gibt es das nicht?

Lütz: Das können Sie höchstens mit einer Elektrode im Glückszentrum im Gehirn produzieren, aber ich habe noch niemanden gefunden, der das wollte. Jedenfalls ist unser Dorf im Rheinland nachhaltig glücklicher seit wir Flüchtlinge haben. Denn manch einer der vorher nur alleine seine Rente verzehrt hat, gibt jetzt Deutschkurse, begleitet Flüchtlinge zum Arzt und zu Behörden. Menschen in Not zu helfen, erlebt man als in sich sinnvoll. Und wenn man etwas in sich Sinnvolles tut, macht das glücklich, auch wenn das Wort einem in dem Moment gar nicht in den Sinn kommt.

Wenn sie am Freitag in Münster über Glück sprechen, treten sie ja auch in ihrer Rolle als Kabarettist auf. Ist Lachen auch glücksstiftend?

Lütz: Lachen ist einfach schön, damit soll man gar keine anderen Absichten verbinden.

Zum Thema

Das Symposium „Worauf kommt es an? Werte im Leben und in der Therapie“ richtet sich an alle in der Jugendhilfe Tätigen, neben Therapeuten auch Sozialpädagogen, Erzieher oder Lehrer. Informationen zur Teilnahme unter www.alexianer-muenster.de

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