Prof. Dr. Norbert Roeder nimmt heute Abschied vom UKM
Blick zurück mit Stolz

Münster -

Von Wehmut keine Spur. Eher Aufbruchsstimmung, Vorfreude auf etwas Neues. Der Schreibtisch ist (ziemlich) aufgeräumt, letzte Termine stehen noch im Kalender – aber dann ist auch wirklich Schluss. Heute packt Prof. Dr. Norbert Roeder seine letzten, persönlichen Sachen – nach über zehn Jahren als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Münster (UKM) übergibt er diese Ämter ganz offiziell in einer Feierstunde am Nachmittag an seinen Nachfolger, Prof. Dr. Robert Nitsch. 

Mittwoch, 22.03.2017, 12:00 Uhr aktualisiert: 22.03.2017, 12:47 Uhr
Die Ära Roeder endet im UKM: Am heutigen Mittwoch übergibt Prof. Dr. Norbert Roeder seine Ämter als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender an seinen Nachfolger.
Die Ära Roeder endet im UKM: Am heutigen Mittwoch übergibt Prof. Dr. Norbert Roeder seine Ämter als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender an seinen Nachfolger. Foto: Matthias Ahlke

Grund genug, noch einmal das vergangene Jahrzehnt Revue passieren zu lassen. Unsere Redakteurin Martina Döbbe sprach mit Prof. Roeder (59) über die Entwicklung, die das Universitätsklinikum Münster in dieser Zeit gemacht hat, über prägende Einschnitte und seine eigenen Pläne für die Zukunft.

Letzter Arbeitstag im UKM, ist ein bisschen trübe Abschiedsstimmung dabei?

Prof. Roeder: Nein, überhaupt nicht. Diese Position jetzt abzugeben und nicht noch einmal fünf Jahre weiterzumachen, das war eine sehr bewusste Entscheidung. Und nur zur Erinnerung: Ich war ja eigentlich schon zweimal auf dem Absprung . . .

Was war der Grund?

Roeder: Das erste Mal war 2006, da hatte ich schon gekündigt, weil ich hier keine Zukunft mehr für mich sah. Dann musste der damalige Ärztliche Direktor gehen, und man hat mich gefragt, ob ich diese Position übernehmen möchte. Das habe ich getan, gerne sogar, denn ich sah durchaus die Möglichkeit, mit einem guten Konzept das Ruder herumzureißen und das UKM in ein besseres Fahrwasser zu steuern. Dann gab es nach einigen Jahren wiederum die Überlegung, aus dem UKM heraus in die Selbstständigkeit zu gehen, das war immer schon mein Plan. Damals gab es aber hier noch zu vieles, was ich begleiten und selbst mitentwickeln wollte. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt da.

Was hat Sie damals an der Aufgabe gereizt?

Roeder: Vor zehn Jahren gab es ja unter anderem die Diskussion über mögliche Privatisierung von Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen. Die Klinik schrieb rote Zahlen, hatte große finanzielle Probleme. Wir wollten in unserem Konzept unbedingt zeigen, dass öffentlich-rechtliche Häuser sehr wohl wirtschaftlich erfolgreich zu führen sind. Es gab damals nur zwei Möglichkeiten, entweder radikaler Sparkurs oder auf Wachstum setzen. Unsere Planung zielte darauf ab, durch Leistungsausbau offensiv nach vorn zu kommen. Durch die Tatsache, dass es noch fünf weitere Krankenhäuser in der Stadt gibt, die vieles abdecken, konnte unser Ziel nur sein, hier im Haus High-End-Maximalversorgungsleistung anzubieten, die es woanders so nicht gibt. Das haben wir geschafft, seit 2009 schreibt das UKM schwarze Zahlen. Man kann sagen, die Saat ist aufgegangen. Und daran haben alle hier im Haus mitgewirkt und ihren Teil dazu beigetragen. Und nun möchte ich anderen Krankenhäusern helfen, denen es noch nicht so gut geht wie dem UKM.

Hat sich die Zahl der Patienten und Betten verändert?

Roeder: Die Bettenzahl liegt kontinuierlich bei 1460. Aber wir haben heute deutlich mehr Patienten als vor zehn Jahren, etwa 45 Prozent mehr. In Zahlen ausgedrückt: Pro Jahr gibt es über 67 000 stationäre Patienten und fast 500 000 ambulante Kontakte.

Sie schreiben schwarze Zahlen, der Patientenzulauf ist enorm, was bleibt für Ihren Nachfolger zu tun?

Roeder: Vieles. Es darf kein Stillstand eintreten, man darf sich nicht entspannt zurücklehnen, das wäre fatal. Herausforderungen werden sein, universitätsmedizinische Exzellenz weiterzuentwickeln, aber auch Fachkräfte dafür zu sichern. Verschiedene Arbeitszeitmodelle sind unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Qualität leidet. Viele Ärzte wollen nur noch 80 Prozent oder weniger arbeiten, Teilzeitstellen werden immer mehr. Und auch die Rahmenbedingungen, die ein attraktiver Arbeitgeber bieten sollte, müssen gepflegt werden. Bezahlbarer Wohnraum und Kinderbetreuung sind nur zwei Stichpunkte. Aber natürlich müssen auch die baulichen Weiterentwicklungen begleitet und vorangebracht werden.

Gibt es etwas, was Sie in Ihrer Zeit nicht zu Ende gebracht haben?

Roeder: Die Unterbringung der Patienten, sprich die Zimmer, da ist noch einiges zu tun.

Waren Sie denn selbst auch schon mal als Patient im UKM?

Roeder: Einmal kurz, in der Notaufnahme. Ich habe mich dann aber selbst wieder entlassen . . . Aber im Ernst: Wenn ich krank wäre und medizinische Versorgung brauche, dann selbstverständlich nur hier.

Was werden Sie vermissen?

Roeder: Die vielen Menschen, die mit mir etwas bewegt haben, die kreativ und voller Ideen die Entwicklung des UKM begleitet haben.

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