Serie: 200 Jahre Fahrrad – Leezengeschichte(n) aus Münster
Die Mobilitätspioniere

Münster -

Als Carl Benz das Patent für sein erstes Automobil mit Verbrennungsmotor anmeldete, schrieb man das Jahr 1886. Das Dreiradfahrzeug gilt als Prototyp des modernen Automobils. Zu dieser Zeit nahm in Münster das Zweirad an Fahrt auf: Anton Knubel eröffnete nämlich das wohl erste Fahrradgeschäft in der Stadt.

Samstag, 25.03.2017, 15:03 Uhr

Die Brüder Knubel (v.r.): Die Brüder Bernard, Anton und Johannes mit modernen Niederrädern. Bernard und Anton Knubel gehörten zu den ersten Radrennfahrern in Münster.
Die Brüder Knubel (v.r.): Die Brüder Bernard, Anton und Johannes mit modernen Niederrädern. Bernard und Anton Knubel gehörten zu den ersten Radrennfahrern in Münster. Foto: Stadt Münster

Möglicherweise sei es sogar das erste in ganz Westfalen gewesen, wie der münsterische Historiker Dr. Bernd Haunfelder vermutet, der sich intensiv mit dieser Geschichte befasst hat. Damit dürfte es sich bei Knubel um Münsters Mobilitätspionier handeln.

„Velocipede aller Systeme zu billigsten Preisen“ – mit einer briefmarkengroßen Anzeige im damaligen „Münsterischen Anzeiger“ warb Knubel am 10. April 1886 für sein neues Geschäft in der Schützenstraße 5. Auch einen Reparaturdienst gab es dort. Einen Monat später lockte Knubel seine Kunden mit Teilzahlung – und einem ganz besonderen Angebot: fünfstündiger Fahrradunterricht und zwar kostenlos. „In beiden Anzeigen waren die für die damalige Zeit typischen Hochräder abgebildet“, berichtet Haunfelder.

Die Anzeigenserie aus dem Frühjahr 1886 steht unzweifelhaft zusammen mit der Geschäftsaufnahme. Ein amtlicher Eintrag findet sich dazu im Übrigen nicht, weil es nach Haunfelders Worten keiner besonderen Konzession bedurfte.

Bereits 1887 zog Knubel zum Ludgeriplatz 6 in das Haus der Marmorwarenfabrik und Marmorschleiferei von Christoph Bernard Mosecker um. Dort verkaufte Knubel als alleiniger Vertreter der Firma Giraffe aus dem englischen Sheffield Zwei- und Dreiräder.

Zwischenzeitlich gab es weitere Fahrrad-Geschäfte in Münster , wie Haunfelder anhand verschiedener Anzeigen festgestellt hat. Pionier Knubel arbeitete unterdessen einige Jahre mit einem Partner zusammen: Anton Schellen, Enkel des bekannten münsterischen Fotografen Friedrich Hundt.

1896 war Knubel – inzwischen wieder unter alleiniger Regie – mit seinem Geschäft an der Industriestraße vertreten, die heute Südstraße heißt. „Fahrrad-Ausverkauf weit unter Einkaufspreisen, heißt es noch in einer Anzeige von Anton Knubel. Er tat sich auch als Erfinder hervor, hatte etwa die „Fahrrad-Holzfelge mit Pressluftreifen, mit einer Rinne zur Befestigung des Laufmantels“ als Patent angemeldet. In späteren Jahren aber sattelte Knubel von zwei auf vier Räder um: Der erste Besitzer eines Führerscheins in Münster betrieb um die Jahrhundertwende einen Handel mit Motorwagen der Firmen Adler und Opel . Er war der erste und einige Jahre auch einzige Autohändler in der Provinzialhauptstadt Münster und der weiteren Region.

Knubels Bruder Bernard, der 1896 an den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen teilgenommen hatte, stieg kurz danach ebenfalls in den Handel mit Fahrrädern ein. Mit einer Anzeigenserie stellte er 1897 die neuesten Modelle vor: Adler-, Opel-, Allright, Möve- und Victoria-Räder standen im Geschäft am Ludgeriplatz 3a; dort,­ wo sich heute das Stadthaus 2 findet.

Die beiden Brüder haben sich nach Recherchen Haunfelders in Münster auch einen Namen als Radfahrlehrer gemacht und offenbar auf der heutigen Weseler Straße Unterricht erteilt. Beide waren erfolgreiche Radsportler in der damaligen Zeit und organisierten auch die ersten Radrennen in der Stadt.

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