„Auszeit am Meer“
Meeresluft für Dauerkümmerer

Münster -

Pflegende Angehörige, die den Alltag mit einem demenziell Erkrankten meistern, sind häufig ausgebrannt. Die Gerontopsychiatrische Beratung der Alexianer und der Verein Lichtblick bieten den pflegenden Angehörigen eine Auszeit in Boltenhagen an der Ostsee.

Donnerstag, 30.03.2017, 09:03 Uhr

„Auszeit am Meer“ für pflegende Angehörige: Diese besondere Maßnahme wird mit vereinten Kräften gestemmt (v.l.) Wolfgang Peschke (AOK Münster), Peter Buller (Darlehnskasse Münster). Stephan Dransfeld (Alexianer) und Burkhard Hillers (Sparkasse Münsterland Ost). Vorne die Fachfrauen Wilma Dirksen (l.) und Annette Mandelartz.
„Auszeit am Meer“ für pflegende Angehörige: Diese besondere Maßnahme wird mit vereinten Kräften gestemmt (v.l.) Wolfgang Peschke (AOK Münster), Peter Buller (Darlehnskasse Münster). Stephan Dransfeld (Alexianer) und Burkhard Hillers (Sparkasse Münsterland Ost). Vorne die Fachfrauen Wilma Dirksen (l.) und Annette Mandelartz. Foto: mm

Strandkorb, Sand und Sonnenschein – einmal nur Ich sein können. Ohne Dauerkümmern um einen Menschen, der die volle Aufmerksamkeit abverlangt, der auf Hilfe angewiesen ist, weil er sich mehr und mehr verändert und an Profil verliert. Für den der Alltagsablauf immer befremdlicher wird. Wer einen demenziell Erkrankten in der Familie rund um die Uhr betreut, muss darauf achten, sich nicht körperlich und geistig auszulaugen. Da kommt eine „ Auszeit am Meer“ in Boltenhagen an der Ostsee wie gerufen. Und dafür sorgen zum fünften Mal gemeinsam die Gerontopsychiatrische Beratung der Alexianer Münster und der Verein „Lichtblick“, die vom 18. bis 24. Juni pflegende Angehörige von Menschen mit einer Demenz oder Depression zum Auftanken ermuntern möchten. Mit Kooperationspartnern und Sponsoren „an der Angel“ bieten Wilma Dirksen (Gerontopsychiatrische Beratung) und Annette Mandel­artz (Verein Lichtblick) ein rundum Wohlfühlpaket mit Seminar und Erholung an. Stephan Dransfeld, Regionalgeschäftsführer Alexianer Münster GmbH, dankte den „Frontfrauen“ für die Durchführung dieser besonderen Maßnahme mit Meeresluft , die ausschließlich für pflegende Angehörige gedacht ist. „Wir denken an diejenigen, die es nötig haben, innezuhalten und abzuschalten. Und wollen es bezahlbar machen für alle, die von einer kleinen Rente leben“, sagte Dransfeld bei der Vorstellung der „Auszeit am Meer“.

Die pflegenden Angehörigen sind oft selber im Seniorenalter und tragen die Belastung. „Demenz betrifft die gesamte Familie. Alles verändert sich, da werden Rollen aufgebrochen. Gerade ältere pflegende Partner leben zurückgezogen, sind für den Erkrankten auch nachts da und nehmen sich selbst nicht mehr wichtig“, berichtete Wilma Dirksen. Dabei verwies sie auf die demografische Situation, wonach in Münster 41 706 Einwohner über 65 Jahre alt sind (Stand Dezember 2015). Knapp ein Viertel dieser Altersgruppe zeigt psychische Störungen wie Studien belegen. Die Zahl der Menschen mit Demenz wird in Münster auf rund 4000 geschätzt. Und etwa 65 Prozent würden zu Hause von Angehörigen betreut.

„In der Regel sind es Frauen, die pflegen“, informierte Annette Mandelartz. Gemeinsam mit Wilma Dirksen begleitet und gestaltet sie die Auszeit, bei der für die Teilnehmer eines ganz nach vorne rückt: „Zeit für sich und Zeit für ein Miteinander.“

600 Euro kostet der Urlaub im Haus am Meer mit Anreise im Bus, inklusive Vollpension, täglichem Seminar rund um die Pflegesituation zu Hause mit Austausch und Unterstützung in der Gruppe. Strandspaziergänge, sportliche Aktivitäten – es ist alles dabei. Ausflüge führen unter anderem nach Wismar und Schwerin.

„Die Auszeit ist eine Wertschätzung des Pflegenden, ein präventiver Ansatz, ihn vor Überbelastung zu schützen“, unterstrich Wolfgang Peschke von der AOK Münster, die die Seminare maßgeblich fördert. Weitere Sponsoren der Maßnahme für zehn Personen sind die Darlehnskasse Münster, die Sparkasse Münsterland Ost sowie der LVM.

Anmeldungen sind bis zum 15. Mai möglich unter ✆5202 27 671.

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