Interview mit Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf
Erde erwärmt sich immer schneller

Münster -

Das „Bürgerforum Münster Klimaschutz 2050“ startet am Freitag um 17 Uhr im Rathaus. Prominenter Gastredner ist Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Freitag, 31.03.2017, 12:03 Uhr

Eisbären auf Nahrungssuche: Wegen des Klimawandels könnte diese Tierart bis 2050 aussterben, warnen Wissenschaftler.
Eisbären auf Nahrungssuche: Wegen des Klimawandels könnte diese Tierart bis 2050 aussterben, warnen Wissenschaftler. Foto: dpa

Rahmstorf wird über die globalen Herausforderungen und Chancen beim Klimaschutz sprechen. Unser Redakteur Martin Kalitschke sprach im Vorfeld der Veranstaltung mit dem Klimaforscher.

Herr Rahmstorf, als unsere Zeitung vor Kurzem über ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Klimaanpassungskonzept berichtete, meldeten sich sofort Kritiker zu Wort, die behaupteten, es gebe keinen Klimawandel. Sie kennen solche Reaktionen, oder?

Rahmstorf: Das Thema begleitet mich, seit ich in der Klimaforschung tätig bin. Mit ernsthafter Wissenschaft hat das jedoch nichts zu tun – solchen Leuten geht es um Politik. Unter mehr als 97 Prozent der Klimaforscher ist es Konsens, dass eine globale, durch den Menschen verursachte Erwärmung stattfindet, die ein ernsthaftes Problem darstellt.

US-Präsident Trump und sein Team – um ein Beispiel zu nennen – sehen das anders. Erschwert das Ihre Arbeit?

Rahmstorf: Zum Glück verstehen immer mehr Menschen, welche Interessen jene verfolgen, die den Klimawandel leugnen. Sie halten es daher für umso wichtiger, dass der Rest der Welt beim Kampf gegen die globale Erwärmung voranschreitet.

STEFAN RAHMSTORF

Prof. Stefan Rahmstorf Foto: pd

Viele mögliche Folgen des Klimawandels sind hinlänglich bekannt. Welche Entwicklungen haben Sie zuletzt beunruhigt?

Rahmstorf: Dass in den letzten drei Jahren hintereinander der weltweite Wärmerekord gebrochen wurde. So etwas hat es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie gegeben. Und dass Entwicklungen, die vor Jahrzehnten vorhergesagt wurden, schneller ablaufen, als wir dachten – zum Beispiel die Erwärmung der Arktis und der Anstieg des Meeresspiegels. Im jüngsten IPCC-Weltklimabericht mussten die entsprechenden Prognosen nach oben korrigiert werden, da die Messwerte die alten Prognosen inzwischen überholt hatten.

Dabei zeigt der Klimawandel bereits jetzt seine Wirkung.

Rahmstorf: Ja, Hitze und Dürre nehmen zu. Der sogenannte Jahrhundertsommer 2003 hat in Europa 70.000 Menschenleben gekostet. Der Mittelmeerraum trocknet aus. Syrien erlebte zum Beispiel in den Jahren vor 2011 die schlimmste Dürre seiner Geschichte, mit Ernteausfällen und Viehsterben.

Unwetter in Münster - Das große Aufräumen

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Welche Entwicklungen beschäftigen Sie zurzeit besonders?

Rahmstorf: Aktuell erforschen wir den Jetstream in der Atmosphäre. Wenn er besonders große Wellen von Nord nach Süd schlägt, kommt es zu Wetterextremen wie der Elbeflut 2002, dem Jahrhundert-Sommer 2003 oder dem Donauhochwasser 2013. Die Auswertung von Datensätzen zeigt, dass der Jetstream schwächer und welliger geworden ist Die Ursache dafür ist offenbar die überproportionale Erwärmung der Arktis.

Ein Hollywood-Katastrophenfilm thematisierte das Ende des Golfstroms – mit katastrophalen Folgen. Kürzlich haben Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass sich der Golfstrom tatsächlich verändert.

Rahmstorf: Der nördliche Atlantik hat sich gegen den globalen Trend in den letzten 100 Jahren abgekühlt. Das ist ein Hinweis auf einen nachlassende Wärmezufuhr. Eine neue Studie aus den USA weist erneut auf das Risiko hin, dass die Atlantikströmung ganz versiegen könnte, wenn wir die CO

Sie erforschen seit 25 Jahren das Klima, was hat sich seitdem in der Forschung getan?

Rahmstorf: Die alten Prognosen waren korrekt, aber manches geht schneller als erwartet. Um die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, wie im Pariser Vertrag beschlossen, müssen die Emissionen bis 2050 auf Null sinken. Das ist machbar, aber es erfordert große Entschlusskraft und großen Willen bei Politikern und der Bevölkerung.

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Trump hat in dieser Woche entschieden, genau das Gegenteil zu tun. Steht da nicht zu befürchten, dass sich andere am US-Präsidenten ein schlechtes Beispiel nehmen?

Rahmstorf: Ich hoffe, dass der Rest der Welt sagt: Jetzt erst recht! Wem etwas an der Zukunft seiner Kinder und Enkelkinder liegt, der muss jetzt handeln.

Und wenn das nicht passiert?

Rahmstorf: Dann kommen wir in eine Welt, in der es wesentlich mehr Extremwetter geben wird, Dürren und Überschwemmungen. Und der Anstieg des Meeresspiegels wird solche Ausmaße annehmen, dass Küstenstädte und ganze Inselstaaten untergehen.

Was Kritiker nach wie vor anzweifeln.

Rahmstorf: Diese Prognosen sind eine einfache physikalische Folge der Erderwärmung. Die Temperatur steigt an, Eismassen schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Wir haben übrigens auf der Erde genug Landeis für bis zu 65 Meter Meeresspiegelanstieg – schon wenn wir einige Prozent davon verlieren, haben wir ein großes Problem.

Bürgerforum „Klimaschutz 2050“

Das „Bürgerforum Münster Klimaschutz 2050“ möchte alle Bürger einladen, in einer Themenwoche vom 31. März bis 8. April gemeinsam Münsters klimaneutrale Zukunft zu formen. Die Bandbreite der Themen reicht von erneuerbaren Energien über klimafreundliches Bauen, Wohnen und Sanieren bis zu klimaschonender Mobilität und Konsum. Es geht dabei um die Zukunftsvision für 2050, aber auch um bereits machbare Schritte für heute. Die Auftaktveranstaltung beginnt am heutigen Freitag um 17 Uhr im Rathaus. Weitere Informationen unter www.klima-muenster.de.

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