So hoch wie der Fernsehturm
Stadt genehmigt Windrad an der Haskenau

Münster-Ost -

Das Umweltamt hat die Prüfung abgeschlossen: Das geplante Windrad Haskenau ist genehmigungsfähig – und wird deshalb auch genehmigt. In Gelmer steht die Bürgerinitiative „Gegenwind“ in der Startlöchern.

Samstag, 08.04.2017, 10:00 Uhr

In Coppanz (Thüringen) steht bereits eine E 141. In Münster soll eine Anlage mit einer Gesamthöhe von 229,5 Metern gebaut werden – so hoch wie der Fernsehturm.
In Coppanz (Thüringen) steht bereits eine E 141. In Münster soll eine Anlage mit einer Gesamthöhe von 229,5 Metern gebaut werden – so hoch wie der Fernsehturm. Foto: Enercon GmbH/ohw

Am nordöstlichen Stadtrand dürfte in den kommenden Monaten das bis dahin größte Windrad Münsters entstehen. Wie Projektleiter Thomas Siepelmeyer von der Hiltruper „Davertwind GmbH“ bestätigte, hat das städtische Umweltamt am Freitag den im Oktober gestellten Bauantrag der „Gerdemann Energie GbR“ genehmigt, die einige Hundert Meter von der Wallburg Haskenau an der Werse entfernt eine Windenergieanlage vom Typ Enercon E-141 errichten will.

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Das Projekt bleibt umstritten

Das Projekt hat nun von Politik und Verwaltung grünes Licht erhalten – umstritten ist es nach wie vor. In Gelmer haben sich vor einigen Wochen Windkraftgegner zu einer Initiative zusammengeschlossen, die am morgigen Sonntag (9. April) um 17 Uhr im „Reiterstübchen“ an der Rossheide zur Gründungsversammlung des Vereins „Gegenwind Gelmer“ zusammentreten will. Die Windkraftgegner befürchten massive Auswirkungen des Windrads auf ihren Ort und vor allem auf die Landschaft am Zusammenfluss von Ems und Werse.

Die höchsten Gebäude in Münster

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  • Welches ist das höchste Gebäude in Münster?

    Foto: Oliver Werner
  • Der St.-Paulus-Dom ist es nicht. Er misst lediglich 58 Meter.

    Foto: Stadt Münster
  • Schon höher: Der Turm der Kreuzkirche.

    Foto: gh
  • Die Kreuzkirche hat eine Höhe von 87 Metern

    Foto: gh
  • Der ZEB-01-Büroturm an der Hammer Straße...

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bettentürme der Uni-Klinik Münster sind schon höher.

    Foto: gap
  • Das LVM-Gebäude hat da schon mehr zu bieten.

    Foto: stadt
  • Der LVM-Turm ist laut Architekt 70 Meter hoch.

    Foto: KAL
  • Die St. Lamberti Kirche überragt die Gebäude der Innenstadt.

    Foto: Uwe Wahlbrink
  • Das Wahrzeichen misst ca. 90 Meter.

    Foto: Oliver Werner

Stadt bezeichnete Haskenau als ungeeignet 

Tatsächlich ist der Standort ein Kompromiss: Als sich die Stadt vor rund zwei Jahren auf Windenergiekonzentrationszonen in Münster festlegen sollte, war der ökologisch noch sensiblere Standort Handorf-Ost ausgeklammert worden – und auch die Haskenau wurde von der Stadtverwaltung ihres intakten Landschaftsbildes damals als ungeeignet bezeichnet. Die schwarzgrüne Rathauskoalition verständigte sich schließlich doch auf die Haskenau; auch im Hinblick auf den Proporz der Stadtbezirke, denn der Nordosten Münsters ist noch weitgehend frei von Windrädern.

Einwände bei Genehmigungsverfahren geprüft

Dass die intakte Landschaft schützenswert ist, bestätigt auch Jochen Brinkheetker vom Umweltamt, der das „Immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren“ leitete und dabei die zahlreichen bei einem Erörterungstermin im Dezember von Anliegern vorgebrachten Einwendungen zu prüfen hatte. Letztlich gelte, dass die Behörde ein öffentlich-rechtlich genehmigungsfähiges Projekt auch genehmigen müsse, so Brinkheetker.

Wozu die Höhe?

Nach Auskunft des Enercon-Unternehmenssprechers Felix Rehwald werden derzeit im Münsterland über 20 Windenergieanlagen vom Typ E-141 errichtet. Die Anlage sei erst vor Kurzem in Serie gegangen – das Bild zeigt den Prototyp im thüringischen Coppanz. Das Haskenau-Windrad gehört zur größeren Modellvariante mit einer Nabenhöhe von 159 Metern, der Rotor hat einen Durchmesser von 141 Metern. Dadurch ergibt sich eine Gesamthöhe von 229,5 Metern, was dem münsterischen Fernsehturm entspricht.

Warum diese enorme Höhe? „Der Trend geht zu höheren Naben“, sagt Felix Rehwald. „Dann haben Sie im Binnenland Windverhältnisse wie an der Küste.“ Es gelte als Faustformel, dass mit jedem Meter Nabenhöhe der Energieertrag um bis zu einem Prozent steige – so sei es möglich, auch in Schwachwindzonen mit einer einzigen Anlage eine Leistung zu erzeugen, wie sie früher nur in einem Windpark erzeugt worden wäre. An der Haskenau sei mit Windgeschwindigkeiten von 6,5 Metern in der Sekunde zu rechnen – das ergebe bereits eine Jahresenergieleistung von 13 Millionen Kilowattstunden.

Bau für 2018 geplant

Der Bau der Anlage ist nach Angaben von Enercon für 2018 geplant. Man rechne mit einer Betriebsdauer von etwa 30 Jahren – wobei nach 20 Jahren regelmäßig Standsicherheitsnachweise erbracht werden müssten, die wieder mit hohen Kosten verbunden wären. Thomas Siepelmeyer hofft auf eine Fertigstellung im zweiten Quartal 2018, verweist aber ausdrücklich auf zahlreiche Unwägbarkeiten. Er sei grundsätzlich bereit, bei einer Informationsveranstaltung Auskunft über das Projekt zu geben.

Die Gegner der Anlage haben bereits angekündigt, eine Klage zu prüfen.

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