Münsters höchste Energieanlage
Windrad in Gelmer spaltet die CDU

Münster-Gelmer -

In Münster soll eine Anlage mit einer Gesamthöhe von 229,5 Metern gebaut werden – so hoch wie der Fernsehturm. Simone Wendland, CDU-Ratsfrau und Landtagskandidatin, hat im vergangenen Jahr im Rat für das Konzept gestimmt, ist nun aber nicht glücklich darüber. Der Bündnispartner habe gedrängt. Der wiederum stellt den Sachverhalt anders dar.

Dienstag, 11.04.2017, 07:04 Uhr

Das Windrad im Vergleich zum Fernsehturm. 
Das Windrad im Vergleich zum Fernsehturm.  Foto: Enercon GmbH/ohw

„Natürlich habe ich dem Beschluss zugestimmt. Aber ich kann nicht sagen, dass ich glücklich damit bin.“ Simone Wendland, CDU-Ratsfrau und Landtagskandidatin, hat derzeit einen schweren Stand in ihrem Heimatort Gelmer. Der Protest gegen das genehmigte, 230 Meter hohe Windrad in der nahe gelegenen Haskenau zieht massiv Kreise im Dorf.

Zugleich aber muss Wendland einräumen, dass sie im September 2016 im Rat für das Konzept der sogenannten Windvorrangzonen gestimmt habe. Dort ist die Haskenau als Standort festgeschrieben. Wendland führt diese Festlegung nicht zuletzt auf das Drängen des Bündnispartners Grüne zurück. „Wir hatten keine Möglichkeit, die Haskenau rauszunehmen.“

Über Standorte in Häger kontroverser diskutiert

GAL-Ratsherr Gerhard Joksch, ein klarer Befürworter der Windenergie, will sich nicht in die CDU-Debatte einmischen. Wohl aber hält er fest: „Die Haskenau war nicht strittig zwischen CDU und Grünen.“ Über Standorte in Häger habe man innerhalb des Ratsbündnisses kontroverser diskutiert als über Gelmer.

Die Haskenau.

Die Haskenau. Foto: reg

Frank Baumann, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, drückt es so aus: „Die Haskenau ist nicht unser Wunschstandort, aber wir haben uns mit den Grünen darauf geeinigt und tragen ihn mit.“

Die Kritik der CDU in Gelmer kommt für Baumann überraschend: „Zu dem Zeitpunkt, als wir intern darüber diskutiert haben, hat sich niemand gerührt.“

Keine Höhenbeschränkung im Beschluss

Dessen ungeachtet meint Robert Neuhaus, Vorsitzender der CDU-Ortsunion Gelmer/Dyckburg: „Mir wird angst und bange, wenn ich daran denke, dass dieses Windrad gebaut wird.“ Vermutlich hätten die Ratsmitglieder seinerzeit bei der Beschlussfassung „an Windräder mit einer Höhe von 150 Metern gedacht, aber eben nicht an 230 Meter“.

Dem widerspricht Joksch. CDU und Grüne hätten keine Höhenbeschränkung in ihrem Beschluss festgeschrieben, obwohl dies möglich gewesen wäre. Ganz abgesehen davon ist die Ausweisung der Windvorrangzone auf der Basis eines schwarz-grünen Änderungsantrages in das Konzept gekommen und gegen alle Widerstände verteidigt worden. Der SPD-Ratsherr Ludger Steinmann etwa kritisierte seinerzeit die Nähe zur Wallburg Haskenau, einem Bodendenkmal, konnte sich aber nicht durchsetzen.

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Die CDU-Ortsunion Gelmer/Dyckburg will jetzt von der Stadtverwaltung prüfen lassen, ob Fragen des Denkmalschutzes dem Windrad buchstäblich im Wege stehen. Auch diese Frage wurde im Herbst 2016 in den Ratsausschüssen intensiv diskutiert, ohne dass sich an der schwarz-grünen Beschlussfassung etwas änderte.

Aus CDU-Führungskreisen ist zu hören, dass man trotz der Kritik aus Gelmer an dem Konzept festhält. Den örtlichen Vorsitzenden Neuhaus ficht das wenig: „Ich muss das nicht gutheißen.“

 

Das sind die zehn höchsten Bauwerke Münsters

1/10
  • Platz 10 in der Rangliste belegt mit 51 Metern die WL-Bank am Sentmaringer Weg.

    Foto: Oliver Werner
  • Der St-Paulus-Dom liegt mit 58 Metern auf Platz 9.

    Foto: Lukas Wiedau
  • 62 Meter hoch sind die Bettentürme des UKM.

    Foto: UKM
  • Das Bürohochhaus der LVM am Koldering

    Foto: Bernhard Kils
  • Das Wohnhaus „Weißer Riese“.

    Foto: münster wiki
  • Neues Gebäude, alte Größe. Das LVM-Gebäude misst 70 Meter.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 87 Meter misst die Heilig-Kreuz-Kirche und belegt den vierten Rang.

    Foto: Oliver Werner
  • Einen Platz aufs Treppchen schaffte die St. Lamberti-Kirche mit ihren insgesamt 90,5 Metern.

    Foto: Uwe Wahlbrink
  • Die Herz-Jesu-Kirche schafft es mit 94,6 Metern nur auf Platz zwei.

    Foto: Segeton
  • Der Fernsehturm ist, mit ca. 230 Metern, das höchste Gebäude in Münster.

    Foto: Oliver Werner

 

Kommentar

Laues Lüftchen

Der CDU-Kanzlerin Angela Merkel wird die Fähigkeit nachgesagt, politische Prozesse vom Ende her zu denken. Das ist mühsam, bietet nur wenig Raum zur Profilierung, hilft aber ungemein, Konflikte zu vermeiden. Bei der Planung der sogenannten Windvorrangzone in der Haskenau im Nordosten Münsters hat das Merkel-Prinzip nicht funktioniert. An der Seite der Grünen, in Sachen Windkraft allemal Überzeugungstäter, wäre es die Aufgabe der örtlichen CDU gewesen, die Details zu studieren und das Protestpotenzial bei den Anwohnern auszuloten. Das aber blieb aus, weil sich die CDU im Glanz des neuen schwarz-grünen Bündnisses sonnte. Jetzt ist der Protest da, und plötzlich bekommen die Christdemokraten in Gelmer kalte Füße, weil sie für etwas kritisiert werden, was sie selbst beschlossen haben. Der vermeintliche CDU-Gegenwind in Sachen Windrad ist da nur ein laues Lüftchen.

Klaus Baumeister

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