Dr. Allnoch spekuliert über die Fahrrad-Zukunft der Stadt
Noch eine Promenade für Münster

Münster -

Münster braucht noch eine Promenade. Meint Dr. Norbert Allnoch. Warum, das erklärt er uns hier.

Dienstag, 11.04.2017, 17:04 Uhr

Dr. Norbert Allnoch mit dem Plan des zweiten Promenadenrings. 
Dr. Norbert Allnoch mit dem Plan des zweiten Promenadenrings.  Foto: Günter Benning

Die Karte überrascht. Auf den ersten Blick. Und danach auch. Dr. Norbert Allnoch hat Münsters Promenade grün markiert. Und dann einen zweiten Ring eingezeichnet. Einmal rund um die Stadt, sein zweiter Promenadenring „Das eröffnet Perspektiven für die Wirtschaft – und die Freizeit“, sagt der münsterische Energie-Experte. Er will die Idee demnächst in die politische Debatte einbringen.

Wer steckt hinter der Idee?

Norbert Allnoch ist Direktor des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien. Mit zehn Mitarbeiterin betreut er über 30 Internetseiten, die sich mit Energiefragen befassen. Seit 1982 ist er im Geschäft.

So ist der Verlauf der zweiten Promenade, wie sie sich Norbert Allnoch vorstellt.

So ist der Verlauf der zweiten Promenade, wie sie sich Norbert Allnoch vorstellt. Foto: Günter Benning

Manches, was er in den 80ern für regenerative Energie prophezeit hat, ist heute normal. Und wurde früher belächelt.

Seinen alternativen Radplan für Münster hat er als Mitglied im Klima-Beirat der Stadt Münster ersonnen: „Münster ist eine tolle Stadt“, sagt er, „sie hat international einen Ruf als Fahrradstadt. Weil man das Fahrrad hier lebt.“

Stadtteile miteinander vernetzen

Wenn die Stadt, wie prognostiziert, weiter wächst, dann müssten auch die Verkehrsbeziehungen sich ändern. Und nicht nur in Stoßrichtung auf das Zentrum. Ein zweiter Promenadenring würde Stadtteile miteinander vernetzen. Er würde Arbeits- und Lebensräume verknüpfen. Er hätte einen hohen Freizeitwert. Vor allem, wenn er den Charme der vorhandenen Promenade kopiert: Schattenspendende Linden, Windschutz durch Hecken, klare Linienführung. Und Querverbindungen zwischen den beiden Promenaden, die auf Allnochs Karte wie die Speichen eines Carbonrads aussehen.

Allnoch gibt es zu: „Das ist meine Idee.“ Seine Freunde fänden sie gut. Aber bisher hat er keinen Experten um seine Meinung gefragt.

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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  • Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

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  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

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  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

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  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

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  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

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  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

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  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

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  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

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  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

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  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

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  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

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  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

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  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

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  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

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  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

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  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

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  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

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  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

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  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

Die Meinung eines Experten 

Münsters Verkehrsplaner Michael Milde, der auf Anfrage der Redaktion einen Blick auf die Karte wirft, findet die Idee nicht schlecht: „Tatsächlich haben wir ja bereits einige Wege auf der Trasse“, sagt er. Manche der von Allnoch markierten Strecken gibt es bereits, fast ein Viertel der Route würde entlang einer Güterverkehrsstrecke der Bahn laufen, die heute von Mecklenbeck bis nach Handorf verläuft. Ob man dort allerdings parallel Radwege anlegen könne, fragt der Verkehrsplaner, sei unsicher. Da seien viele Grundstückseigentümer im Spiel.

Allerdings stimmt auch der städtische Planer mit Allnoch überein, dass es im Radverkehr zunehmend auch auf die Verknüpfungen und den Tangentialverkehr ankommt. Also zum Beispiel auf Verbindungen zwischen Mecklenbeck und Gremmendorf.

Milde: „So ein Weg wäre sicher auch touristisch interessant.“

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"Ein neuer Naherholungsraum"

Für Allnoch kommt es auch weniger auf die schnelle Umsetzung als auf die langfristige Entwicklung an. Eine 20 Kilometer lange Promenade um die Stadt wäre nämlich ein neuer Naherholungsraum: „Da könnte man auch Gastronomie ansiedeln.“ Und Parkplätze für Naherholer, die in die Stadt radeln wollen. Und warum nicht den Marathon dahin verlegen: „Zweimal rund um die Promenade.“

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Sagen Sie uns, was Sie von der Idee eines zweiten Promenadenrings halten. Email an: redaktion.ms@zeitungsgruppe.ms

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