Interview mit Tom Schilling
„Oh Boy“-Schauspieler singt im Gleis 22

Münster -

Mit dem Film „Oh Boy“ gelang Tom Schilling der ganz große Durchbruch. Am 3. Mai stellt der Berliner sein erstes Album im Gleis 22 vor – zusammen mit seiner Band „The Jazz Kids“. 

Donnerstag, 27.04.2017, 07:04 Uhr

Tom Schilling, Schauspieler aus Berlin (Mitte), kommt am 3. Mai mit seiner Band „The Jazz Kids“ ins Gleis 22.
Tom Schilling, Schauspieler aus Berlin (Mitte), kommt am 3. Mai mit seiner Band „The Jazz Kids“ ins Gleis 22. Foto: Alexandra Kinga Fekete

Mit einem Schwarz-Weiß-Film gelang dem Berliner Schauspieler Tom Schilling vor fünf Jahren der große Durchbruch : Die Tragikomödie „Oh Boy“ wurde mit Auszeichnungen nur so überhäuft. Heute ist der 35-Jährige einer der meistbeschäftigten deutschen Schauspieler – und neuerdings auch Sänger. „ Vilnius “ heißt das außergewöhnliche Album, das er mit den „Jazz Kids“ aufgenommen hat. Am kommenden Mittwoch (3. Mai) ist Schilling mit seiner Band im Gleis 22 zu Gast. Mit dem Schauspieler telefonierte unser Redakteur Martin Kalitschke.

Tom, ich habe in Ihr Album reingehört. Mein erster Eindruck: Das ist viel zu gut, um es in die Charts zu schaffen.

Schilling: Meine Musik müssen viele Radiosender erst noch finden, doch in Berlin gibt es ein paar wirklich gute Sender, die bereits Titel aus meinem Album gespielt haben.

Sie haben also nicht in erster Linie auf den kommerziellen Erfolg gezielt?

Schilling: Meine Songs und die Band haben sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal und eine Einzigartigkeit, die die Musik, die gerade populär ist, sicherlich nicht hat. Natürlich habe ich mit meinem Album nicht das Rad neu erfunden. Aber ich habe mich von Musikern und Bands inspirieren lassen, die heute nicht mehr so angesagt sind. Kurt Weill, Bert Brecht , Hildegard Knef, Leonard Cohen, Nick Cave.

Das sind immerhin einige der größten Namen der Musikgeschichte. Sich auf die zu berufen, ist nicht ohne Risiko, oder?

Schilling: Es gibt natürlich Leute, die sagen, dass mein Album an solche Vorbilder nicht heranreicht. Aber es geht bei einem solchen Projekt ja auch gar nicht darum, die Vorbilder eins zu eins zu kopieren – sondern darum, seine eigene Suppe zu kochen. Es gibt eine Reihe von Kritiken, die sehr positiv sind, und das hat mich total gefreut. Das zeigt mir, dass es richtig gewesen ist, ein solches Album zu machen.

Sie sind ein vielbeschäftigter Schauspieler, haben außerdem drei Kinder, und jetzt singen Sie auch noch. Bekommen Sie das alles gut unter einen Hut?

Schilling: Nee, nee, das ist schon eine ganze Menge auf einmal. Erst vor Kurzem habe ich einen Film beendet, dann kam das Album und jetzt die Tour, drei Kinder zu Hause – und bald das nächste Filmprojekt. Ich muss mich mal wieder dringend entschleunigen.

Warum heißt das Album eigentlich „Vilnius“?

Schilling: Ein Song hat mit der Stadt Vilnius zu tun. Die Antwort auf diese Frage findet sich also auf dem Album.

Auf dem Cover ist ein Gemälde von Gerhard Richter. Wie ist es dazu gekommen?

Schilling: Für mich stand schon relativ früh fest, dass ein See-Stück auf das Cover muss. Ein entsprechendes Gemälde von Gerhard Richter hatte ich bereits seit Jahren ständig bei mir – als Fotografie auf meinem Smartphone. Ich habe dann mit ihm Kontakt aufgenommen und erklärt, warum ich sein Gemälde als Cover haben möchte – und er hat dann tatsächlich zugestimmt.

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Nach welchen Kriterien wählen Sie eigentlich Ihre Filme aus? Sie bekommen ja sicherlich viele Angebote.

Schilling: Wenn man ein Drehbuch bekommt, spürt man relativ schnell, ob das was für einen ist. Manchmal kann es auch Widerstand sein, der einen reizt. Aus einem Drehbuch, wo ich im ersten Moment dachte, nee, das ist nichts für mich, sind schon sehr interessante Film geworden.

Was planen Sie denn als nächstes?

Schilling: Fünf Jahre nach „Oh Boy“ drehe ich endlich den zweiten Film mit Regisseur Jan Ole Gerster, ein tolles Drehbuch. Und dann werde ich beim neuen Doku-Drama von Heinrich Breloer dabei sein. So etwas kann man einfach nicht liegen lassen, das ist ein Stück Zeitgeschichte, Breloer ist ja schon fast eine Art Chronist Deutschlands.

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Worum geht es?

Schilling: Um Bert Brecht. Ich dachte: Ey, mit zwölf habe ich angefangen, am Berliner Ensemble zu spielen, zur gleichen Zeit habe ich auch die ersten Bücher von Brecht gelesen, als die anderen Kinder noch Backstreet-Boys-Fans waren. Natürlich habe ich damals nicht alles verstanden. Und jetzt, mit 35, kommt wieder Brecht.

„Oh Boy“ war Ihr ganz guter Durchbruch. Wie stehen Sie heute, fünf Jahre danach, zu diesem Film?

Schilling: Er hat mir viel Gutes gebracht – zusammen mit „Unsere Mütter, unsere Väter“. Das war schon klasse, dass zeitgleich Filme von mir im Arthouse und im Fernsehen liefen. Von so was träumt jeder Schauspieler. Das war ein absolutes Geschenk, das viele andere Schauspieler in ihrem Leben so nicht bekommen – obwohl sie ebenfalls gut sind.

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Das Konzert am kommenden Mittwoch (3. Mai) im Gleis 22 beginnt um 20 Uhr.

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Sind Sie schon mal in Münster gewesen?

Schilling: Als der Film „Schwarze Schafe“ anlief, haben wir in Münster einen Tour-Stopp gemacht. Mit dem Bluesrocker King Khan haben wir damals eine Fake-Show gespielt – das war richtig gut.

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