Münsters Stadtrat
Schwarz-Grün: Das Premierenjahr ist geschafft

Münster -

Seit einem Jahr arbeiten CDU und Grüne in Münsters Stadtrat zusammen. Jetzt haben sie eine Bilanz des Premierenjahres gezogen - und Großes vor.

Donnerstag, 27.04.2017, 09:04 Uhr

Ziehen eine Bilanz des schwarz-grünen Bündnisses nach einem Jahr (v.l.): Otto Reiners (Grüne), Stefan Weber (CDU) sowie Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU)
Ziehen eine Bilanz des schwarz-grünen Bündnisses nach einem Jahr (v.l.): Otto Reiners (Grüne), Stefan Weber (CDU) sowie Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) Foto: Matthias Ahlke

Als die Fraktionschefs von CDU und Grünen am Mittwochnachmittag Bilanz des ersten Jahres ihrer Zusammenarbeit im Rat ziehen, liegen auf dem Schälchen vor ihnen zufälligerweise die Tütchen mit schwarzem und grünem Tee ganz oben. Das sorgt für ein Schmunzeln; erst recht, als sich Grünen-Vormann Otto Reiners für roten Früchtetee entscheidet, um kurz danach jüngsten Avancen für ein rot-rot-grünes Bündnis eine deutliche Absage zu erteilen.

Schwarz-Grün in Münster hat das Premieren-Jahr geschafft. Viel Arbeit sei es gewesen, stimmen Reiners und CDU-Fraktionschef Stefan Weber überein. Aber aus ihrer Sicht tragen die Mühen Früchte. „Verlässlichkeit ist in Münsters Rathaus eingezogen“, streicht Christdemokrat Weber heraus. Von einer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen beiden Fraktionen ist die Rede. Auch wenn Reiners feststellt: „Es gibt kulturelle Unterschiede.“

Urbanes Quartier

Denen zum Trotz wollen sich CDU und Grüne aber gemeinsam den Herausforderungen der wachsenden Stadt stellen, wie die Fraktionschefs im Beisein von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) versichern. Schließlich haben die beiden Parteien vor zwölf Monaten einen Bündnisvertrag geschlossen, der bestenfalls bis zur Kommunalwahl im Jahr 2020 halten soll.

„Es geht beim Thema Wohnen voran“, stellt Weber „das entscheidende Thema“ für die CDU an den Beginn seiner Ausführungen. Quasi als Beleg sekundiert Otto Reiners mit der Vorstellung eines gemeinsamen Ratsantrags: Dieser hat zum Ziel, einen Standort für ein großes neues Wohngebiet herauszudestillieren, um ab 2025 gewappnet zu sein – mit Nähe zu Innenstadt und Arbeitsplätzen, gutem Verkehrsanschluss und angemessener Infrastruktur.

Für das „urbane Quartier“ kommen demnach Flächen entlang der großen Einfallstraßen in Betracht – wobei die Frischluftschneisen nicht beeinträchtigt werden sollen. Konkret benannt werden die Gebiete Steinfurter Straße/Austermannstraße/Wasserweg sowie der Bereich August-Schepers-Straße/Wolbecker Straße/Umgehungsstraße/Lütkenbecker Weg in Betracht. Auch das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs zwischen Hafenstraße und Roddestraße soll geprüft werden.

Gräben trotz Harmonie

Weil Münster auf Platz fünf der stauträchtigsten Städte liegt, macht sich Weber für mehr Haltepunkte im Schienenverkehr, die WLE-Reaktivierung, die er „Südost-Bahn“ nennt, und gute Radwegverbindungen in die Nachbargemeinden stark. Schließlich sei der Ausbau von Straßen in Münster nur sehr begrenzt möglich. Bündnispartner Reiners hört derlei gerne: „Uns ist wichtig, dass wir Münster nachhaltig ausrichten.“ Dazu gehört für den Grünen eben auch die Stärkung des Radverkehrs. Und es verwundert nicht, dass die Schwerpunkte Verkehr, bezahlbarer Wohnraum und Bildung Zustimmung bei Oberbürgermeister Markus Lewe finden.

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Ungeachtet thematischer Übereinstimmung oder Kompromisslinien, es gibt Gräben zwischen Schwarz-Grün, die bei aller Harmonie tief bleiben. „Wir hoffen, dass die Klage beim E-Center erfolgreich sein kann“, sagt Reiners. Schließlich haben die Grünen das von der CDU unterstützte Projekt im Hafen lange energisch bekämpft. Das ist auch in der neuen politischen Konstellation nicht vergessen.

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