Große Münster-Serie: Jahr 2014
Gesicht der wachsenden Stadt

Münster -

Die große Serie zur Entwicklung Münsters erreicht das Jahr 2014. Im November dieses Jahres springt die Einwohnerzahl auf über 300.000.

Dienstag, 27.11.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 15:18 Uhr
Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300.000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster.
Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300.000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster. Foto: Oliver Werner

Ende 2014 ist es soweit – und die Glückliche heißt Stefanie Luik. Die 23-jährige Studentin der Erziehungswissenschaften ist von Reutlingen nach Münster umgezogen. Ihre Ummeldung sorgt dafür, dass in der münsterischen Einwohnerstatistik eine neue Marke geknackt wird. Stefanie Luik ist die 300.000. Münsteranerin. Seit Jahren wächst die Bevölkerungszahl kontinuierlich. Zum Stichtag 31. Dezember 2013 liegt sie bei exakt 298.518. Insidern ist zu diesem Zeitpunkt klar, dass im Folgejahr der Sprung über 300.000 erfolgt. 

Rechnerische Gewinnsprünge

Exakt 40 Jahre benötigt die Stadt, um von 200.000 auf 300.000 Einwohner anzuwachsen. Dabei ist die Entwicklung alles andere als einheitlich. Von 1984 bis 1988 fällt die Zahl der Münsteraner sogar. Mit der Wende und der deutschen Einheit geht es dann wieder bergauf. Den quantitativ größten Sprung macht die Stadt mit der Eingemeindung ehemals selbstständiger Nachbargemeinden wie Hiltrup, Wolbeck und Roxel im Jahr 1975. Sie beschert der Stadt 65.000 neue Einwohner. 

Tausende zusätzliche Einwohner bekommt die Stadt 2012. Die neue Zweitwohnsitzsteuer führt dazu, dass Studierende ihren Zweitwohnsitz in Münster in einen Erstwohnsitz umwandeln, um die Steuerpflicht zu vermeiden. Diese Menschen werden jetzt offiziell als Einwohner erfasst, sie sind aber faktisch nicht neu in der Stadt. 

Ein Jahr später trägt der sogenannte Micro-Zensus als neue Basis zur Berechnung der Einwohnerzahl dazu bei, dass noch einmal bis zu 5000 Einwohner mehr gezählt werden.

 

Was Münster im vergangenen Vierteljahrhundert bewegte

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  • 1993: 1200-Jahr-Feier. Ob sich diese Schüler des Hittorf-Gymnasiums wieder erkennen? Auf diesem Foto aus dem Jahr 1993 werben sie für den Schülerfotowettbewerb. In der Hand halten sie das offizielle Logo des Stadtjubiläums, der zugleich auch das Thema des Wettbewerbs darstellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1994: Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin. Der frühere Oberbürgermeister Jörg Twenhöven (vorne, v.r.) und Oberstadtdirektor Tilman Pünder blicken nicht gerade begeistert, als Marion Tüns erstmals die Oberbürgermeister-Kette trägt. Jubeln indes kann die grüne Bürgermeisterin Barbara Schlemann (vorne, l.), neben ihr die CDU-Politikerin Hildegard Graf.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1995: Streit um Madonna im Südpark. Die Künstlerin Emmy Feldmann hat jene Schutzmantelmadonna, deren Aufstellung in Münster zum Politikum wir, geschaffen

    Foto: Ahlke
  • 1996: Bürgerentscheid stoppt Gesamtschule. Ausgiebig feiern der CDU-Fraktionschef Werner Stolz (vorne, v.l.) sowie die Elternvertreter Eleonore Heyne, Thomas Gruschka und Renate Spitzner ihren Sieg beim Bürgerentscheid. Die Haupt- und die Realschule im Ostviertel bleiben bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1997: Skulptur-Projekte erleben Durchbruch. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt bei den Skulptur-Projekten 1997 die Devise. Die gut besuchte Eröffnungsveranstaltung vermittelt  einen ersten Vorgeschmack auf die gewachsene Bedeutung der Ausstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 1998: 350 Jahre Westfälischer Friede. Die Jubiläumsfeier in Osnabrück und Münster beschert den beiden Städten eine sicherlich einmalige Dichte an politischer Prominenz. Nie zuvor und nie danach gab es in der jüngeren Geschichte der Stadt Münster einen solchen Auflauf von europäischen Staatsoberhäuptern wie bei der Eröffnung der Europaratsausstellung zum Westfälischen Frieden im Landesmuseum am Domplatz.

    Foto: Presseamt Stadt Münster
  • 1999: Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister. Berthold Tillmanns Erfolg am Wahlabend 1999 ist so überwältigend, dass ihm seine Frau Cornelia Bergmann überschwänglich in die Arme fällt. Deutlich lässt der Herausforderer die Amtsinhaberin Marion Tüns hinter sich.

    Foto: Ahlke
  • 2000: Gericht kippt Preußen-Park. Im Modell gab es das ECE-Einkaufszentrum und das neue Stadion bereits. Doch daraus wurde nichts. Zur Orientierung: Im Vordergrund verläuft die Hammer Straße, im Hintergrund sind die Hochhäuser von Berg Fidel zu sehen

    Foto: Ahlke
  • 2001: Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung. 2008, also sieben Jahre nach dem Beginn des Konzepts, zeichnet der damalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (v.l.) das münsterische Flüchtlingskonzept aus. Projektleiter Jochen Köhnke und Sypros Marinos, Vorsitzender des Ausländerbeirates, nehmen die Urkunde entgegen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2002: Nein zur Stadtwerke-Teilprivatisierung. Otto Meyer und Marion Tüns (vorne, v.l.) werden nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid bejubelt. 2002 werden die Münsteraner an die Urnen gerufen, um die Frage zu beantworten, ob die Stadt Münster die alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Münster bleiben soll. Die Antwort beim Bürgerentscheid ist eindeutig: 65,4 Prozent der Wähler stimmen dem zu, nur 34,6 Prozent sind für die von der CDU-Alleinregierung geplante Teilprivatisierung des Versorgungsunternehmens. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2003: Müllaufbereitungsanlage am Start. In Coerde wird die MBRA eröffnet. Die vier Buchstaben stehen für Mechanisch-Biologische Restmüll-Aufbereitungsanlage. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der Landesregierung in Düsseldorf setzt die Stadt Münster ein Abfallkonzept um, das ohne eine Müllverbrennungsanlage auskommt. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2004: Tiefgarage Ludgeriplatz scheitert. Der Ludgeriplatz, hier ein Foto aus dem Jahr 2001, ist ein kompliziertes Gebilde. Wo soll man hier eine Tiefgarage bauen, fragen sich 2004 viele Münsteraner. Am Ende scheitert das Projekt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2005: Pläne für Kanalausbau werden vorgestellt. Als 2017 die Behelfsbrücke, die während des Baus der neuen Schillerstraßen-Brücke erforderlich, wieder abtransportiert wird, liegt die erste öffentliche Präsentation der Ausbaupläne bereits zwölf Jahre zurück.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2006: Münster-Arkaden eröffnet. Von der Rothenburg bis zur Ludgeristraße führt ein Verbindungsweg lang durch die Münster-Arkaden. Seit der Eröffnung 2006 ist das Einkaufszentrum aus der Innenstadt nicht mehr wegzudenken.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 2007: Südbad schließt. Die Adresse Inselbogen 36 ist derzeit eine Brachfläche. Bis 2007 hat hier das Südbad gestanden. Zwischenzeitlich ist geplant, das Grundstück mit Wohnungen zu bebauen, wozu sich die Kommunalpolitiker aber nicht durchringen können. Zugleich aber werden die verschiedenen, bislang ins Auge gefassten Pläne zum Bau eines neuen Südbades nicht umgesetzt, so dass der Inselbogen 36 seit gut einem Jahrzehnt irgendwo zwischen Baum und Borke vor sich hin dümpelt.

    Foto: Ahlke
  • 2008: Münsteraner erteilen dem Bau einer Musikhalle per Bürgerentscheid eine Absage. Mit einer Aufführung der Carmina Burana vor dem Schloss hatten die Musikhallenfreunde noch für ein „Nein“ geworben – vergeblich. 

    Foto: pia
  • 2009: Markus Lewe wird Oberbürgermeister. Der SPD-Kandidat Wolfgang Heuer (2.v.r.) gratuliert Markus Lewe nach der Oberbürgermeisterwahl zum Sieg. Später macht Heuer als Ordnungs- und Personaldezernent Karriere unter Lewe.

    Foto: Ahlke
  • 2010: Städtebaupreis für die Stubengasse. Unter den vielen Preisen, die Münster schon gewonnen hat, fällt der Deutsche Städtebaupreis im Jahr 2010 kaum auf. Auch wenn der Preis allenfalls in Fachkreisen bekannt ist, so wird mit ihm ein städtebaulicher Wandel dokumentiert, der in Münster sehr wohl eine breite Wirkung erzielt hat. 

    Foto: Oliver Werner
  • 2011: Forensische Klinik geht in Betrieb. Nur selten ist das Tor der forensischen Klinik in Amelsbüren so seit offen wie am Tag der Offenen Tür 2011. Kurze Zeit später kommen die ersten Patienten.

    Foto: Oliver Werner
  • 2012: Abschied vom Namen Hindenburg. Beim Bürgerentscheid 2012, dem vierten überhaupt, setzen sich nicht die Ja-Stimmen durch, sondern die Nein-Stimmen. Und das auch ziemlich deutlich: 59,4 Prozent der Münsteraner entscheiden sich dafür, dass der frühere Hindenburgplatz seinen neuen Namen Schlossplatz behalten und nicht zum alten Namen zurückkehren soll.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2013: Abzug der letzten britischen Soldaten. Über Jahrzehnte hinweg sind britische Soldaten in Münster, hier eine Parade auf dem Domplatz, ein vertrauter Anblick. 2013 aber verlassen die letzten Truppenteile die Stadt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2014: Münster wäscht auf 300.000 Einwohner. Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300 000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • 2015: Hängepartie an der Umgehungsstraße endet. 2015 passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Es erfolgt der erste Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße, dritter Bauabschnitt. Der jahrzehntelange Vorlauf für diesen umstrittenen Straßenbau beschert Münster einen außergewöhnlichen Superlativ: 31 Jahre lang, von 1986 ist 2017, ist die Bürgerinitiative St. Mauritz aktiv, um eben diesen Ausbau zu verhindern.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2016: Das Aus für verkaufsoffene Sonntage. Auf diesen Moment haben sie hingearbeitet (vorne, v.l.): Die Pfarrer Martin Mustroph und Jens Dechow, Bernd Bajohr von der Gewerkschaft Verdi und Jochen Lüken, Personalratsvorsitzende der Stadt Münster, feiern den erfolgreichen Bürgerentscheid.

    Foto: Oliver Werner
  • 2017: Hauptbahnhof wird neu eröffnet. Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an. 

    Foto: Oliver Werner

 

Münsters wichtigste Themen der letzten 25 Jahre

Alle bereits erschienenen Texte finden Sie in unserem Themen-Special. Die komplette Serie erscheint Anfang 2019 als Taschenbuch. Wollen Sie selbst in der Stadtgeschichte stöbern? Dann nutzen Sie doch unser (kostenpflichtiges) Zeitungsarchiv.

►1993 : 1200 Jahre Stadtgeschichte – Münster feiert Jubiläum (erscheint am 3. Juli)
►1994 : Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin (10. Juli)
►1995 : Streit um die Aufstellung der Madonna im Südpark (17. Juli)
►1996 : Bürgerentscheid stoppt geplante Gesamtschule im Ostviertel (24. Juli)
►1997 : Skulptur-Projekte erleben ihren Durchbruch (31. Juli)
►1998 : Münster feiert 350 Jahre Westfälischer Friede (7. August)
►1999 : Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister (14. August)
►2000 : Oberverwaltungsgericht Münster kippt den Preußen-Park (21. August)
►2001 : Stadtverwaltung erarbeitet Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung (28. August)
►2002 : Münsteraner sagen bei Bürgerentscheid „Nein“ zur Stadtwerke-Teilprivatisierung (4. September)
►2003 : Müllaufbereitungsanlage in Coerde nimmt ihren Betrieb auf (11. September)
►2004 : Oberbürgermeister Tillmann lässt Tiefgarage Ludgeriplatz fallen (18. September)
►2005 : Schifffahrtsverwaltung stellt Pläne für Kanalausbau vor (25. September)
►2006 : Münster-Arkaden öffnen ihre Tore (2. Oktober)
►2007 : Stadt schließt das Südbad (9. Oktober)
►2008 : Musikhalle erhält bei Bürgerentscheid eine Abfuhr (16. Oktober)
►2009 : Markus Lewe wird Oberbürgermeister (23. Oktober)
►2010 : Münster wird mit dem Städtebaupreis für die Stubengassen-Bebauung ausgezeichnet (30. Oktober)
►2011 : Forensische Klinik in Amelsbüren geht an den Start (6. November)
►2012 : Abschied vom Namen Hindenburgplatz (13. November)
►2013 : Die letzten britischen Soldaten verlassen Münster (20. November)
►2014 : Münster wächst auf 300 000 Einwohner (27. November)
►2015 : Hängepartie beim Ausbau der Umgehungsstraße endet (4. Dezember)
►2016 : Erfolgreicher Bürgerentscheid gegen verkaufsoffene Sonntage (11. Dezember)
►2017 : Münsters Hauptbahnhof wird neu eröffnet (18. Dezember)

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Echtes Wachstum, echte Probleme:

Jenseits dieser rein rechnerischen Gewinne gibt es auch echtes Wachstum. So bauen die Hochschulen im Vorgriff auf den doppelten Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen 2013 ihr Studienplatzangebot aus. Mehr Studienplätze gleich mehr Studenten gleich mehr Einwohner. Auch die Wirtschaft trägt ganz erheblich zu den Wanderungsgewinnen bei. Allein in den fünf Jahren von 2009 bis 2014 steigt die Zahl der Arbeitsplätze in Münster um über 16.000. Auch dieser Umstand macht sich zweifelsfrei in der Meldestatistik bemerkbar, auch wenn viele Arbeitnehmer in die Stadt pendeln. 

Die „wachsende Stadt“  ist inzwischen zum Politikum geworden. Gehen die Kommunalpolitiker bis Ende des vergangenen Jahrzehnts noch davon aus, dass sich die Stadt bei Kitas und Schulen auf einen – freilich sehr gemäßigten – Schrumpfkurs einstellen müsse, so spricht heute niemand mehr davon. Der Kampf um Kita-Plätze, die Erweiterung von Schulgebäuden, Staus auf den Straßen, volle Busse und die grassierende Wohnungsnot zeugen vom Gegenteil. 

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Die aus allen Nähten platzende Fahrradfundstation ist inzwischen zu einem Symbol für die kontinuierlich wachsende Stadt geworden. Foto: Matthias Ahlke

Neue Verteilungskämpfe

Ganz neue Formen der Verteilungskämpfe sind entstanden: Ackerland oder Bauland? Neue Straßen oder neue Radwege? Freiflächen erhalten oder Kitas errichten? Die Bauindustrie fordert, das Bauen im Bestand zu erleichtern, die Wirtschaftsförderung drängt auf neue Gewerbegebiete – und die Flächenknappheit forciert eine in Münster besonders heikle Frage: Soll mehr in die Höhe gebaut werden? 

Bei vielen Menschen löst das anhaltende Bevölkerungswachstum sehr zwiespältige Reaktionen aus. Auf der einen Seite herrscht Erleichterung darüber, dass Münster quasi zu den Gewinnerstädten gehört und dank seiner Attraktivität von demografischen Problemen verschont bleibt, die andernorts schon Realität sind. Gemeint sind Probleme in Form geschlossener Arztpraxen, zugehängter Schaufenster, fehlender Supermärkte und Bankfilialen und irgendwann dann auch in Form leer stehender Häuser.

Auf der anderen Seite spüren die Münsteraner aber auch sehr genau die dramatischen Veränderungen in den Wohnquartieren und auf den Straßen. Nachverdichtung heißt das Reizwort. Dort, wo früher ein Einfamilienhaus mit einem großen Garten drum herum stand, füllt heute ein Appartementgebäude mit fünf Stellplätzen die Fläche. Anwohner beklagen sich darüber, dass Baulücken systematisch geschlossen und Hinterhöfe bebaut werden.

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Hoch verdichtete Quartiere wie der Erpho-Bogen am Bohlweg, hier ein Foto während der Bauphase 2015, bestimmen heute die Wohnsituation in Münster. Foto: Oliver Werner

Immobilienpreise schießen in die Höhe

Bleibt noch irgendwo eine Brache, muss sie für die neue Erschließungsstraße herhalten. Auch außerhalb der verdichteten Innenstadt schreitet die Urbanisierung voran. Nicht wenige Münsteraner haben es über Jahrzehnte hinweg genossen, in einer Großstadt zu leben, gleichwohl im direkten Wohnumfeld eine Situation vorzufinden, die eher einer überschaubaren Kleinstadt gleicht. Diese Inseln der Beschaulichkeit werden immer kleiner. Das löst Ängste aus. 

Der enge Wohnungsmarkt treibt unterdessen die Immobilienpreise in die Höhe. Wirtschaftsmagazine werden nicht müde, Kapitalanleger auf Münster als einen wertstabilen Standort aufmerksam zu machen. Sie lassen dem sprichwörtlichen „kleinen Mann auf der Straße“ keine Chance. Nicht nur an Münsters Stammtischen wird die Meinung vertreten, dass Münsters Sozialstruktur kippt. 

Ein Investitionsprogramm nach dem anderen

Bei der Stadt jagt unterdessen ein Investitionsprogramm das nächste. Kitas werden quasi am Fließband gebaut, die Liste der Schulen, die erweitert werden müssen, wird immer länger, der wachsende Verkehr macht aufwendige Programme erforderlich, unter anderem im ÖPNV. Es ist ein Glücksfall für Münster, dass aktuell die Steuereinnahmen so hoch und die Kreditzinsen so niedrig sind. Ansonsten würde die viel zitierte „wachsende Stadt“ geradewegs in die Schuldenfalle tappen. 

Glaubt man den diversen Prognosen, so wächst Münster in absehbarer Zeit auf 330.000 Einwohner. Jede Prognose ist aber nur so gut wie die Voraussetzungen, die ihr zu Grunde liegen. Eine Voraussetzung dürfte bezahlbarer Wohnraum sein. Gemessen daran schafft Münster derzeit die Voraussetzungen dafür, das Wachstum zu bremsen.


Seit September stellt unsere Zeitung 25 Fragen aus 25 Jahren. Anlass ist die laufende Serie zur Entwicklung der Stadt seit der 1200-Jahr-Feier 1993. Bislang wurden über 43.000 Antworten abgegeben:

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