Große Münster-Serie: Jahr 2015
Der erste Spatenstich für Umgehungsstraße in St. Mauritz: Ende einer endlosen Debatte

Münster -

Am Ende geht es ganz schnell: Das Bundesverkehrsministerium in Berlin gibt das Geld frei, die Bezirksregierung Münster ordnet den sofortigen Vollzug der Baumaßnahme an. Die juristische Aufarbeitung des Falls steht damit unter Zugzwang. Das Oberverwaltungsgericht Münster setzt einen Termin für das Hauptverfahren fest, spricht ein Urteil und weist darin vier Klagen zurück. 

Montag, 03.12.2018, 16:10 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 16:41 Uhr
Die politische Prominenz drückt sich praktisch den Spaten in die Hand, als 2015 der Startschuss für die Arbeiten am dritten Bauabschnitt der Umgehungsstraße erfolgt.
Die politische Prominenz drückt sich praktisch den Spaten in die Hand, als 2015 der Startschuss für die Arbeiten am dritten Bauabschnitt der Umgehungsstraße erfolgt. Foto: Matthias Ahlke

2015 passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Es erfolgt der erste Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße, dritter Bauabschnitt.

Der jahrzehntelange Vorlauf für diesen umstrittenen Straßenbau beschert Münster einen außergewöhnlichen Superlativ: 32 Jahre lang, von 1986 ist 2018, ist die Bürgerinitiative St. Mauritz aktiv, um eben diesen Ausbau zu verhindern. Genauer gesagt will sie die Straße nicht grundsätzlich verhindern. Aus Lärmschutzgründen fordern die Anwohner aber einen Tunnel in St. Mauritz. Aus Kostengründen beschränkt sich Straßen NRW, die für das Projekt zuständige Behörde, aber darauf, die Straße abzusenken und an beiden Seiten mit hohen Lärmschutzmauern zu versehen. 

Erst 2018, als die konkrete Planung für den Straßenausbau auch im Revisionsverfahren Bestand hat und die Kläger keine weiteren Rechtsmittel einlegen, steht die Bürgerinitiative endgültig auf der Verliererseite. Das Thema hat sich erledigt. 

Schwierige Verhandlungen 

Eine leistungsfähige Straßenverbindung in Münsters Osten beschäftigt die Verkehrsplaner schon in den 1960er Jahren. Im Westen der Stadt verläuft die A1 und verbindet Münster mit den benachbarten Großstädten Dortmund und Osnabrück. Nur die Verbindung nach Bielefeld ist ein Torso. 

Anfang der 1970er Jahren gibt es die Idee, die im Bau befindliche A 43 über das Autobahnkreuz Münster-Süd hinaus weiter durch die Landkreise Warendorf und Gütersloh in Richtung Osten zu führen. Dieser Plan scheitert. Unter anderem deshalb, weil die Trasse genau zwischen Münster und Hiltrup verlaufen würde.

Das Verhältnis der Münsteraner zur damals noch selbstständigen Gemeinde Hiltrup ist angespannt, weil die Kommune im Rahmen der kommunalen Neugliederung 1975 der Stadt Münster zugeschlagen werden soll. Die Verhandlungen sind schwierig und lassen keinen Platz für die Planung einer Autobahn. 

Was Münster im vergangenen Vierteljahrhundert bewegte

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  • 1993: 1200-Jahr-Feier. Ob sich diese Schüler des Hittorf-Gymnasiums wieder erkennen? Auf diesem Foto aus dem Jahr 1993 werben sie für den Schülerfotowettbewerb. In der Hand halten sie das offizielle Logo des Stadtjubiläums, der zugleich auch das Thema des Wettbewerbs darstellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1994: Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin. Der frühere Oberbürgermeister Jörg Twenhöven (vorne, v.r.) und Oberstadtdirektor Tilman Pünder blicken nicht gerade begeistert, als Marion Tüns erstmals die Oberbürgermeister-Kette trägt. Jubeln indes kann die grüne Bürgermeisterin Barbara Schlemann (vorne, l.), neben ihr die CDU-Politikerin Hildegard Graf.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1995: Streit um Madonna im Südpark. Die Künstlerin Emmy Feldmann hat jene Schutzmantelmadonna, deren Aufstellung in Münster zum Politikum wir, geschaffen

    Foto: Ahlke
  • 1996: Bürgerentscheid stoppt Gesamtschule. Ausgiebig feiern der CDU-Fraktionschef Werner Stolz (vorne, v.l.) sowie die Elternvertreter Eleonore Heyne, Thomas Gruschka und Renate Spitzner ihren Sieg beim Bürgerentscheid. Die Haupt- und die Realschule im Ostviertel bleiben bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1997: Skulptur-Projekte erleben Durchbruch. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt bei den Skulptur-Projekten 1997 die Devise. Die gut besuchte Eröffnungsveranstaltung vermittelt  einen ersten Vorgeschmack auf die gewachsene Bedeutung der Ausstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 1998: 350 Jahre Westfälischer Friede. Die Jubiläumsfeier in Osnabrück und Münster beschert den beiden Städten eine sicherlich einmalige Dichte an politischer Prominenz. Nie zuvor und nie danach gab es in der jüngeren Geschichte der Stadt Münster einen solchen Auflauf von europäischen Staatsoberhäuptern wie bei der Eröffnung der Europaratsausstellung zum Westfälischen Frieden im Landesmuseum am Domplatz.

    Foto: Presseamt Stadt Münster
  • 1999: Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister. Berthold Tillmanns Erfolg am Wahlabend 1999 ist so überwältigend, dass ihm seine Frau Cornelia Bergmann überschwänglich in die Arme fällt. Deutlich lässt der Herausforderer die Amtsinhaberin Marion Tüns hinter sich.

    Foto: Ahlke
  • 2000: Gericht kippt Preußen-Park. Im Modell gab es das ECE-Einkaufszentrum und das neue Stadion bereits. Doch daraus wurde nichts. Zur Orientierung: Im Vordergrund verläuft die Hammer Straße, im Hintergrund sind die Hochhäuser von Berg Fidel zu sehen

    Foto: Ahlke
  • 2001: Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung. 2008, also sieben Jahre nach dem Beginn des Konzepts, zeichnet der damalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (v.l.) das münsterische Flüchtlingskonzept aus. Projektleiter Jochen Köhnke und Sypros Marinos, Vorsitzender des Ausländerbeirates, nehmen die Urkunde entgegen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2002: Nein zur Stadtwerke-Teilprivatisierung. Otto Meyer und Marion Tüns (vorne, v.l.) werden nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid bejubelt. 2002 werden die Münsteraner an die Urnen gerufen, um die Frage zu beantworten, ob die Stadt Münster die alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Münster bleiben soll. Die Antwort beim Bürgerentscheid ist eindeutig: 65,4 Prozent der Wähler stimmen dem zu, nur 34,6 Prozent sind für die von der CDU-Alleinregierung geplante Teilprivatisierung des Versorgungsunternehmens. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2003: Müllaufbereitungsanlage am Start. In Coerde wird die MBRA eröffnet. Die vier Buchstaben stehen für Mechanisch-Biologische Restmüll-Aufbereitungsanlage. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der Landesregierung in Düsseldorf setzt die Stadt Münster ein Abfallkonzept um, das ohne eine Müllverbrennungsanlage auskommt. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2004: Tiefgarage Ludgeriplatz scheitert. Der Ludgeriplatz, hier ein Foto aus dem Jahr 2001, ist ein kompliziertes Gebilde. Wo soll man hier eine Tiefgarage bauen, fragen sich 2004 viele Münsteraner. Am Ende scheitert das Projekt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2005: Pläne für Kanalausbau werden vorgestellt. Als 2017 die Behelfsbrücke, die während des Baus der neuen Schillerstraßen-Brücke erforderlich, wieder abtransportiert wird, liegt die erste öffentliche Präsentation der Ausbaupläne bereits zwölf Jahre zurück.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2006: Münster-Arkaden eröffnet. Von der Rothenburg bis zur Ludgeristraße führt ein Verbindungsweg lang durch die Münster-Arkaden. Seit der Eröffnung 2006 ist das Einkaufszentrum aus der Innenstadt nicht mehr wegzudenken.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 2007: Südbad schließt. Die Adresse Inselbogen 36 ist derzeit eine Brachfläche. Bis 2007 hat hier das Südbad gestanden. Zwischenzeitlich ist geplant, das Grundstück mit Wohnungen zu bebauen, wozu sich die Kommunalpolitiker aber nicht durchringen können. Zugleich aber werden die verschiedenen, bislang ins Auge gefassten Pläne zum Bau eines neuen Südbades nicht umgesetzt, so dass der Inselbogen 36 seit gut einem Jahrzehnt irgendwo zwischen Baum und Borke vor sich hin dümpelt.

    Foto: Ahlke
  • 2008: Münsteraner erteilen dem Bau einer Musikhalle per Bürgerentscheid eine Absage. Mit einer Aufführung der Carmina Burana vor dem Schloss hatten die Musikhallenfreunde noch für ein „Nein“ geworben – vergeblich. 

    Foto: pia
  • 2009: Markus Lewe wird Oberbürgermeister. Der SPD-Kandidat Wolfgang Heuer (2.v.r.) gratuliert Markus Lewe nach der Oberbürgermeisterwahl zum Sieg. Später macht Heuer als Ordnungs- und Personaldezernent Karriere unter Lewe.

    Foto: Ahlke
  • 2010: Städtebaupreis für die Stubengasse. Unter den vielen Preisen, die Münster schon gewonnen hat, fällt der Deutsche Städtebaupreis im Jahr 2010 kaum auf. Auch wenn der Preis allenfalls in Fachkreisen bekannt ist, so wird mit ihm ein städtebaulicher Wandel dokumentiert, der in Münster sehr wohl eine breite Wirkung erzielt hat. 

    Foto: Oliver Werner
  • 2011: Forensische Klinik geht in Betrieb. Nur selten ist das Tor der forensischen Klinik in Amelsbüren so seit offen wie am Tag der Offenen Tür 2011. Kurze Zeit später kommen die ersten Patienten.

    Foto: Oliver Werner
  • 2012: Abschied vom Namen Hindenburg. Beim Bürgerentscheid 2012, dem vierten überhaupt, setzen sich nicht die Ja-Stimmen durch, sondern die Nein-Stimmen. Und das auch ziemlich deutlich: 59,4 Prozent der Münsteraner entscheiden sich dafür, dass der frühere Hindenburgplatz seinen neuen Namen Schlossplatz behalten und nicht zum alten Namen zurückkehren soll.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2013: Abzug der letzten britischen Soldaten. Über Jahrzehnte hinweg sind britische Soldaten in Münster, hier eine Parade auf dem Domplatz, ein vertrauter Anblick. 2013 aber verlassen die letzten Truppenteile die Stadt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2014: Münster wäscht auf 300.000 Einwohner. Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300 000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • 2015: Hängepartie an der Umgehungsstraße endet. 2015 passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Es erfolgt der erste Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße, dritter Bauabschnitt. Der jahrzehntelange Vorlauf für diesen umstrittenen Straßenbau beschert Münster einen außergewöhnlichen Superlativ: 31 Jahre lang, von 1986 ist 2017, ist die Bürgerinitiative St. Mauritz aktiv, um eben diesen Ausbau zu verhindern.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2016: Das Aus für verkaufsoffene Sonntage. Auf diesen Moment haben sie hingearbeitet (vorne, v.l.): Die Pfarrer Martin Mustroph und Jens Dechow, Bernd Bajohr von der Gewerkschaft Verdi und Jochen Lüken, Personalratsvorsitzende der Stadt Münster, feiern den erfolgreichen Bürgerentscheid.

    Foto: Oliver Werner
  • 2017: Hauptbahnhof wird neu eröffnet. Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an. 

    Foto: Oliver Werner

Umstrittene Baumaßnahmen, schlampige Planung

Was bleibt, ist der Ausbau der Umgehungsstraße, damit der Autoverkehr zügig vom Autobahnkreuz Münster-Süd über die B51 nach Telgte fließen kann und umgekehrt. Ab dem Knotenpunkt Warendorfer Straße soll es überdies eine Verbindung nach Norden zum Schifffahrter Damm (B 481) geben. 

Soweit der Plan. Im ersten Abschnitt führt die vierspurige Umgehungsstraße unter der Hammer Straße hindurch, im zweiten Bauabschnitt unter dem Albersloher Weg. Diese Baumaßnahmen sind seinerzeit bereits umstritten und langwierig, aber eben kein Vergleich zum dritten Bauabschnitt, zu dem die Knotenpunkte Wolbecker Straße und Warendorfer Straße gehören. Der Widerstand ist unerwartet lang und heftig. Politische Unterstützung bekommt die Bürgerinitiative von den Grünen. Das Projekt ist ihrer Meinung nach überdimensioniert, die Belastung der Anwohner zu groß. 

Das öffentliche Störfeuer sorgt dafür, dass die Umgehungsstraße auf der Prioritätenliste des Bundes nie so richtig nach oben kommt. Nicht zuletzt wegen der Deutschen Einheit konkurrieren extrem viele Städte und Regionen um das begrenzte Geld. Umstrittene Verkehrsprojekte werden bevorzugt in die Warteschleife geschickt. Erst im Gefolge der Lkw-Maut, die 2005 eingeführt wird, entspannt sich die Situation etwas. Dem Staat stehen zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe zur Verfügung. 

So soll es in St. Mauritz nach der Fertigstellung der Umgehungsstraße aussehen. Die Anwohner fordern vergeblich einen Tunnel.

So soll es in St. Mauritz nach der Fertigstellung der Umgehungsstraße aussehen. Die Anwohner fordern vergeblich einen Tunnel. Foto: Straßen NRW

Aber auch Straßen NRW trägt mit einer teilweise schlampigen Planung zur Verzögerung bei. Als beispielsweise der erste Entwurf zur Gestaltung der Kreuzung mit der Wolbecker Straße vorgestellt wird, schlagen die Verkehrsexperten im münsterischen Rathaus die Hände über den Kopf zusammen. Quasi per Änderungsantrag drängt die Stadt darauf, an dieser Stelle mit den sogenannten holländischen Rampen zu arbeiten, die sich an der Hammer Straße und am Albersloher Weg schon bewährt haben. 

Es wäre bautechnisch ein Leichtes gewesen, auch die Kreuzung der Umgehungsstraße mit der Warendorfer Straße in Form eines „normalen“ Autobahnkreuzes zu gestalten. Straßen NRW indes bevorzugt an dieser Stelle eine Art abbiegende Vorfahrt für die Trasse der B 51. Um alle gewünschten Wegebeziehungen berücksichtigen zu können, entsteht ein komplizierter Asphaltknoten, der sehr viel Platz und sehr viel Geld verbraucht. 

Münsters wichtigste Themen der letzten 25 Jahre

Alle bereits erschienenen Texte finden Sie in unserem  Themen-Special. Die komplette Serie erscheint Anfang 2019 als Taschenbuch. Wollen Sie selbst in der Stadtgeschichte stöbern? Dann nutzen Sie doch unser (kostenpflichtiges)  Zeitungsarchiv.

►1993 : 1200 Jahre Stadtgeschichte – Münster feiert Jubiläum (erscheint am 3. Juli)
►1994 : Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin (10. Juli)
►1995 : Streit um die Aufstellung der Madonna im Südpark (17. Juli)
►1996 : Bürgerentscheid stoppt geplante Gesamtschule im Ostviertel (24. Juli)
►1997 : Skulptur-Projekte erleben ihren Durchbruch (31. Juli)
►1998 : Münster feiert 350 Jahre Westfälischer Friede (7. August)
►1999 : Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister (14. August)
►2000 : Oberverwaltungsgericht Münster kippt den Preußen-Park (21. August)
►2001 : Stadtverwaltung erarbeitet Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung (28. August)
►2002 : Münsteraner sagen bei Bürgerentscheid „Nein“ zur Stadtwerke-Teilprivatisierung (4. September)
►2003 : Müllaufbereitungsanlage in Coerde nimmt ihren Betrieb auf (11. September)
►2004 : Oberbürgermeister Tillmann lässt Tiefgarage Ludgeriplatz fallen (18. September)
►2005 : Schifffahrtsverwaltung stellt Pläne für Kanalausbau vor (25. September)
►2006 : Münster-Arkaden öffnen ihre Tore (2. Oktober)
►2007 : Stadt schließt das Südbad (9. Oktober)
►2008 : Musikhalle erhält bei Bürgerentscheid eine Abfuhr (16. Oktober)
►2009 : Markus Lewe wird Oberbürgermeister (23. Oktober)
►2010 : Münster wird mit dem Städtebaupreis für die Stubengassen-Bebauung ausgezeichnet (30. Oktober)
►2011 : Forensische Klinik in Amelsbüren geht an den Start (6. November)
►2012 : Abschied vom Namen Hindenburgplatz (13. November)
►2013 : Die letzten britischen Soldaten verlassen Münster (20. November)
►2014 : Münster wächst auf 300 000 Einwohner (27. November)
►2015 : Hängepartie beim Ausbau der Umgehungsstraße endet (4. Dezember)
►2016 : Erfolgreicher Bürgerentscheid gegen verkaufsoffene Sonntage (11. Dezember)
►2017 : Münsters Hauptbahnhof wird neu eröffnet (18. Dezember)

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Verhärtete Fronten

Das eigentliche Dilemma der Straßenplanung indes ist der Faktor Zeit. Als in den 1990er Jahren über die Zumutbarkeit des Straßenausbaus entschieden wird, geschieht dies auf der Basis von Verkehrsprognosen, die bei Baubeginn schon überholt sind.  Selbst vor Gericht geht es nicht mehr um die Frage, ob die Zahlen richtig oder falsch sind, sondern nur um die Frage, ob Straßen NRW aus den seinerzeit vorliegenden Zahlen die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hat.

Die Fronten sind so verhärtet, dass auch die Bürgerinitiative irgendwann Alternativen aufzeigt, die gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Hätten die Anwohner 2015 den Prozess gewonnen, hätten sie nicht den gewünschten Tunnel bekommen, sondern gar nichts. 

Peter-Paul Gosing erlebt das Ende der juristischen Auseinandersetzung um die Umgehungsstraße noch, anders als seine Mitstreiter Alfons Katzer und Wilfried Wortmann.

Peter-Paul Gosing erlebt das Ende der juristischen Auseinandersetzung um die Umgehungsstraße noch, anders als seine Mitstreiter Alfons Katzer und Wilfried Wortmann. Foto: kb

Die Besonderheit dieses Konfliktes zeigt sich auch auf der menschlichen Ebene. Über Jahrzehnte hinweg sind Alfons Katzer und Wilfried Wortmann die Gesichter der Bürgerinitiative. Als Experten in eigener Sache diskutieren sie mitunter auf höchstem Niveau, wenn auch kontrovers mit den Behörden. Den Ausgang des Streits erleben sie aber nicht mehr. Katzer stirbt 2011, Wortmann stirbt 2014.

Seit September stellt unsere Zeitung 25 Fragen aus 25 Jahren. Anlass ist die laufende Serie zur Entwicklung der Stadt seit der 1200-Jahr-Feier 1993. Bislang wurden über 43.000 Antworten abgegeben:

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