Große Münster-Serie: Jahr 2017
Was lange währt : Der Hauptbahnhof wird neu eröffnet

Münster -

Die große 25-Jahre-Serie unserer Zeitung erreicht das Jahr 2017. Im Juni geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Münster bekommt einen neuen Hauptbahnhof.

Dienstag, 18.12.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 11:09 Uhr
Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an.
Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an. Foto: Oliver Werner

 Wenn der Bund in Münster seine Hände im Spiel hat, dann ist Geduld gefragt. An Belegen für diese These mangelt es nicht. Die Weigerung der Bundeswehr 2014, eine Fläche in Handorf freizugeben, schickt die Neubaupläne für die Justizvollzugsanstalt Münster in eine jahrelange Warteschleife. Der 2012 begonnene Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals, den das Bundesverkehrsministerium zu verantworten hat, dauert eine Ewigkeit. Auf den Verkauf der York- und der Oxford-Kaserne durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben warten die Münsteraner sechs Jahre. 

Ein regelrechtes Symbol dieser Trägheit indes sind die Deutsche Bundesbahn und der Neubau des Hauptbahnhofs. Er verzögert sich so oft, dass die Münsteraner irgendwann gar nicht mehr daran glauben. In den 1990er Jahren, als vor dem Hauptbahnhof die große Radstation errichtet wird, gibt es Überlegungen für ein gemeinsames Baustellenmanagement, weil man ja Radstation und Hauptbahnhof prima zusammen packen könne.

WN-Story

Hintergrundberichte, Bilder und Videos: Die WN-Story zum Hauptbahnhof in Münster.

...

Münster fördert Mega-Projekt mit Millionen

Zur Erinnerung: Die Radstation wird 1999 eröffnet, der neue Hauptbahnhof geschlagene 18 Jahre später, und zwar 2017. Der gläserne Neubau ist auch nur die Hälfte. Das Empfangsgebäude auf der Ostseite muss noch gebaut werden. Aber da der Bremer Platz im Volksmund „hinterm Bahnhof“ liegt, genügt die Westseite, um seufzend zu verkünden: „Wir haben einen neuen Bahnhof.“ 

Abriss und Neubau: Arbeitsphasen am Hauptbahnhof

1/52
  • Die Zeit für das alte Bahnhofsgebäude war abgelaufen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Blick auf die Außenfassade des alten Empfangsgebäudes.

    Foto: Matthias Ahlke
  • In der Eingangshalle standen Verkaufsstände...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...das triste Gebäude hatte ausgedient.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Bereits 2013 wurde mit den ersten Abrissarbeiten auf der Rückseite des Hauptbahnhofes begonnen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Ausgang war somit fortan gesperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2014 waren die Geschäfte im Bahnhofsinneren leer.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Diese Aufnahme aus dem Januar 2015 zeigt das noch stehende alte Empfangsgebäude sowie die Abrissarbeiten auf der Vorderseite des Hauptbahnhofes.

    Foto: Oliver Werner
  • Dieses Bild zeigt den ehemaligen Seiteneingang auf der Bahnhofsvorderseite - kurz vor dem Abriss.

    Foto: Oliver Werner
  • Anfang März erinnerte nur noch die alte Glasfassade in Blickrichtung der Gleise an das alte Empfangsgebäude.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Derweil gingen 2015 die Abrissarbeiten an der Bahnhofsstraße weiter. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Anfang vom Ende des alten Empfangsgebäudes: Abrissbeginn im Januar 2015.

    Foto: Oliver Werner
  • Es folgen Impressionen der Abriss- und Neubauphasen: hier aus dem März 2015.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Mai 2015 konnte man nur erahnen, wie der neue Bahnhof aussehen würde.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Luftbild aus dem September 2015 zeigt die großen Kräne, die für die Bauarbeiten auf dem Gelände standen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein weiteres Luftbild aus dem September 2015.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Während im September 2015 gebaut wurde, mussten die Bahnreisenden durch den Hamburger Tunnel zu den Gleisen gelangen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Arbeiten an der Bodenplatte im Oktober 2015.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im November 2015 schaut sich ein Bauarbeiter die Baustelle aus erhöhter Position an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Fußgängerampel sorgte im November 2015 dafür, dass die Fußgänger geradewegs zum Hamburger Tunnel kommen konnten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Dezember 2015 waren erste Teile des neuen Bahnhofs bereits als solche erkennbar.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das schlechte Wetter im Dezember 2015 hielt die Bauarbeiter nicht davon ab, täglich voranzukommen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Rohbau nahm im Februar 2016 bereits deutlich Gestalt an.

    Foto: Oliver Werner
  • Hunderte Stützen sorgten im März 2016 für die nötige Stabilität.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Während am Bahnhofsgebäude weiter gebaut wurde, nahm das Leben auf der Bahnhofsstraße seinen gewohnten Gang.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine Gesamtübersicht über die Baustelle im März 2016.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch von den Gleisen hinter dem neuen Gebäude hatten Kunden der Deutschen Bahn im März 2016 bereits einen guten Blick auf die Bauarbeiten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Richtfest wurde im Juli 2016 gefeiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein großer Kranz wurde traditionsgemäß auf das Dach des Gebäudes gehievt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der bretterzaun an der Rückeseite verdeckt im September 2016 längst nicht mehr den Blick auf die Baustelle.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im September 2016 ist vor der Baustelle wieder genug Platz für Fußgänger, um den Neubau zu passieren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im September 2016 war bereits die Höhe des künftiges Bahnhofgebäudes ersichtlich.

    Foto: Oliver Werner
  • Wo normalerweise reger Durchgangsverkehr herrscht, ist im Oktober 2016 noch immer der Durchgang versperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auf der Frontseite zeigt ein Plakat im Oktober 2016 bereits, wie der Bahnhof bei seiner Fertigstellung aussieht.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Baustützen dominieren auch im November 2016 den Blick ins Innere des Neubaus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Januar 2017 geht es von den Gleisen nur in eine Richtung - nämlich zum Bremer Platz.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Januar 2017 ist die Fassade zu den Gleisen bereits fertig.

    Foto: Oliver Werner
  • Klare Linien und die Glaselemente sorgen für einen Vorgeschmack auf die Frontseite.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Inneren sind im März 2017 die Baustützen weitesgehend verschwunden. Die Geländer im ersten Stock sind bereits montiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Innenausbau schreitet schnell voran. Der Eröffnungstermin Ende Juni gerät fest in den Blick.

    Foto: Oliver Werner
  • In den oberen Etagen des Bahnhofs sind Büroflächen untergebracht.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Glasfront des neuen Bahnhofs ist im Mai 2017 erstmals in voller Pracht zu bewundern.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Supermarkt und mehrere Fastfood-Restaurants sind in das neue Bahnhofsgebäude eingezogen.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Luftbild aus dem Mai 2017.

    Foto: Oliver Werner
  • Und obwohl der Bau von außen betrachtet bereits fertig erscheint, müssen die Bahn-Kunden noch immer durch den Hamburger Tunnel zu den Gleisen gelangen.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Juni 2017 ist die Vorfreude besonders bei Pendlern groß, endlich wieder den Bahnhof durch den Haupteingang verlassen zu können.

    Foto: Oliver Werner
  • Kurz vor der Eröffnung wird am 22. Juni in der neuen Empfangshalle noch fleißig gearbeitet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Fahrkartenautomaten werden eingerichtet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am 24. Juni 2017 ist es so weit: Das neue Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs Münster öffnet seine Tore.

    Foto: Oliver Werner
  • Fahrgäste kommen jetzt wieder zu Fuß von der Innenstadt zu den Gleisen, ohne den Umweg über den Hamburger Tunnel nehmen zu müssen.

    Foto: Oliver Werner
  • Blick vom Obergeschoss in die neue Ladenzeile im Hauptbahnhof.

    Foto: Oliver Werner
  • Die neue Empfangshalle ist lichtdurchflutet. Links die Anzeigetafel für die Züge, rechts sind Infotafeln zu den Bus-Abfahrten angebracht.

    Foto: Oliver Werner

Die Warterei wird erklärbar, wenn man sich vor Augen hält, dass eine Stadtgesellschaft einen Großstadtbahnhof für gewöhnlich ganz anders bewertet als die Bahn selbst. Der gemeine Münsteraner spricht gern von der „Visitenkarte der Stadt“, die er an der Bahnhofstraße vorfindet. Für die Bahn indes befindet sich hier schlicht der Ort, an dem Zugfahrgäste einen Zug besteigen oder ihn verlassen. Die Bahn verdient ihr Geld mit Zugfahrten, nicht mit Bahnhöfen. In Münster gilt dies um so mehr, als sich die Stadt vom ersten Tag an mit Händen und Füßen gegen die Pläne wehrt, in einem neuen Bahnhofsgebäude ein Einkaufszentrum unterzubringen. Damit fehlt der Bahn über Jahre hinweg eine wichtige Säule der Refinanzierung. 

Erst startet die Bahn einen eigenen Versuch, das Investitionsvorhaben zu stemmen, dann gewinnt man für dieses Vorhaben das Unternehmen Timon Bauregie. Als auch Timon einen Rückzieher macht, liegt der Ball wieder bei der Bahn. Die Not ist zu diesem Zeitpunkt schon so groß, dass sich die Bahn nur zu gern darauf einlässt, dass die Stadt Münster das Mega-Projekt mit fünf Millionen Euro fördert. 

Bahnhofsplaner zeigen sich großzügig

Apropos Förderung:  Das meiste Geld zur Erfüllung der münsterischen Bahnhofsträume kommt ohnehin vom Steuerzahler, näherhin vom Bund. 2007 legt die Bahn ein ganz überwiegend steuerfinanziertes Programm zur Sanierung von vier Ruhrgebietsbahnhöfen auf, damit diese im Kulturhauptstadtjahr 2010 strahlen können. Bekanntlich hat es „Essen für das Ruhrgebiet“, so die offizielle Sprachregelung, im Jahr 2006 geschafft, die Kulturhauptstadtwürde in den Pott zu holen. Für die Bahn ist die Gelegenheit sehr günstig, um die öffentliche Hand für eine Mitfinanzierung zu gewinnen. Das Paket kommt nicht zustande, aber das Label „Kulturhauptstadt 2010“ öffnet zuvor bei Bund und Land verschlossene Kassen. Die beiden münsterischen Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz ( CDU ) und Christoph Strässer (SPD) nutzen beherzt die Chance, um einen Teil des Geldes nach Münster zu lenken, sozusagen in einen Vorort des Ruhrgebietes. 

Was Münster im vergangenen Vierteljahrhundert bewegte

1/25
  • 1993: 1200-Jahr-Feier. Ob sich diese Schüler des Hittorf-Gymnasiums wieder erkennen? Auf diesem Foto aus dem Jahr 1993 werben sie für den Schülerfotowettbewerb. In der Hand halten sie das offizielle Logo des Stadtjubiläums, der zugleich auch das Thema des Wettbewerbs darstellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1994: Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin. Der frühere Oberbürgermeister Jörg Twenhöven (vorne, v.r.) und Oberstadtdirektor Tilman Pünder blicken nicht gerade begeistert, als Marion Tüns erstmals die Oberbürgermeister-Kette trägt. Jubeln indes kann die grüne Bürgermeisterin Barbara Schlemann (vorne, l.), neben ihr die CDU-Politikerin Hildegard Graf.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1995: Streit um Madonna im Südpark. Die Künstlerin Emmy Feldmann hat jene Schutzmantelmadonna, deren Aufstellung in Münster zum Politikum wir, geschaffen

    Foto: Ahlke
  • 1996: Bürgerentscheid stoppt Gesamtschule. Ausgiebig feiern der CDU-Fraktionschef Werner Stolz (vorne, v.l.) sowie die Elternvertreter Eleonore Heyne, Thomas Gruschka und Renate Spitzner ihren Sieg beim Bürgerentscheid. Die Haupt- und die Realschule im Ostviertel bleiben bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1997: Skulptur-Projekte erleben Durchbruch. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt bei den Skulptur-Projekten 1997 die Devise. Die gut besuchte Eröffnungsveranstaltung vermittelt  einen ersten Vorgeschmack auf die gewachsene Bedeutung der Ausstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 1998: 350 Jahre Westfälischer Friede. Die Jubiläumsfeier in Osnabrück und Münster beschert den beiden Städten eine sicherlich einmalige Dichte an politischer Prominenz. Nie zuvor und nie danach gab es in der jüngeren Geschichte der Stadt Münster einen solchen Auflauf von europäischen Staatsoberhäuptern wie bei der Eröffnung der Europaratsausstellung zum Westfälischen Frieden im Landesmuseum am Domplatz.

    Foto: Presseamt Stadt Münster
  • 1999: Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister. Berthold Tillmanns Erfolg am Wahlabend 1999 ist so überwältigend, dass ihm seine Frau Cornelia Bergmann überschwänglich in die Arme fällt. Deutlich lässt der Herausforderer die Amtsinhaberin Marion Tüns hinter sich.

    Foto: Ahlke
  • 2000: Gericht kippt Preußen-Park. Im Modell gab es das ECE-Einkaufszentrum und das neue Stadion bereits. Doch daraus wurde nichts. Zur Orientierung: Im Vordergrund verläuft die Hammer Straße, im Hintergrund sind die Hochhäuser von Berg Fidel zu sehen

    Foto: Ahlke
  • 2001: Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung. 2008, also sieben Jahre nach dem Beginn des Konzepts, zeichnet der damalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (v.l.) das münsterische Flüchtlingskonzept aus. Projektleiter Jochen Köhnke und Sypros Marinos, Vorsitzender des Ausländerbeirates, nehmen die Urkunde entgegen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2002: Nein zur Stadtwerke-Teilprivatisierung. Otto Meyer und Marion Tüns (vorne, v.l.) werden nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid bejubelt. 2002 werden die Münsteraner an die Urnen gerufen, um die Frage zu beantworten, ob die Stadt Münster die alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Münster bleiben soll. Die Antwort beim Bürgerentscheid ist eindeutig: 65,4 Prozent der Wähler stimmen dem zu, nur 34,6 Prozent sind für die von der CDU-Alleinregierung geplante Teilprivatisierung des Versorgungsunternehmens. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2003: Müllaufbereitungsanlage am Start. In Coerde wird die MBRA eröffnet. Die vier Buchstaben stehen für Mechanisch-Biologische Restmüll-Aufbereitungsanlage. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der Landesregierung in Düsseldorf setzt die Stadt Münster ein Abfallkonzept um, das ohne eine Müllverbrennungsanlage auskommt. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2004: Tiefgarage Ludgeriplatz scheitert. Der Ludgeriplatz, hier ein Foto aus dem Jahr 2001, ist ein kompliziertes Gebilde. Wo soll man hier eine Tiefgarage bauen, fragen sich 2004 viele Münsteraner. Am Ende scheitert das Projekt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2005: Pläne für Kanalausbau werden vorgestellt. Als 2017 die Behelfsbrücke, die während des Baus der neuen Schillerstraßen-Brücke erforderlich, wieder abtransportiert wird, liegt die erste öffentliche Präsentation der Ausbaupläne bereits zwölf Jahre zurück.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2006: Münster-Arkaden eröffnet. Von der Rothenburg bis zur Ludgeristraße führt ein Verbindungsweg lang durch die Münster-Arkaden. Seit der Eröffnung 2006 ist das Einkaufszentrum aus der Innenstadt nicht mehr wegzudenken.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 2007: Südbad schließt. Die Adresse Inselbogen 36 ist derzeit eine Brachfläche. Bis 2007 hat hier das Südbad gestanden. Zwischenzeitlich ist geplant, das Grundstück mit Wohnungen zu bebauen, wozu sich die Kommunalpolitiker aber nicht durchringen können. Zugleich aber werden die verschiedenen, bislang ins Auge gefassten Pläne zum Bau eines neuen Südbades nicht umgesetzt, so dass der Inselbogen 36 seit gut einem Jahrzehnt irgendwo zwischen Baum und Borke vor sich hin dümpelt.

    Foto: Ahlke
  • 2008: Münsteraner erteilen dem Bau einer Musikhalle per Bürgerentscheid eine Absage. Mit einer Aufführung der Carmina Burana vor dem Schloss hatten die Musikhallenfreunde noch für ein „Nein“ geworben – vergeblich. 

    Foto: pia
  • 2009: Markus Lewe wird Oberbürgermeister. Der SPD-Kandidat Wolfgang Heuer (2.v.r.) gratuliert Markus Lewe nach der Oberbürgermeisterwahl zum Sieg. Später macht Heuer als Ordnungs- und Personaldezernent Karriere unter Lewe.

    Foto: Ahlke
  • 2010: Städtebaupreis für die Stubengasse. Unter den vielen Preisen, die Münster schon gewonnen hat, fällt der Deutsche Städtebaupreis im Jahr 2010 kaum auf. Auch wenn der Preis allenfalls in Fachkreisen bekannt ist, so wird mit ihm ein städtebaulicher Wandel dokumentiert, der in Münster sehr wohl eine breite Wirkung erzielt hat. 

    Foto: Oliver Werner
  • 2011: Forensische Klinik geht in Betrieb. Nur selten ist das Tor der forensischen Klinik in Amelsbüren so seit offen wie am Tag der Offenen Tür 2011. Kurze Zeit später kommen die ersten Patienten.

    Foto: Oliver Werner
  • 2012: Abschied vom Namen Hindenburg. Beim Bürgerentscheid 2012, dem vierten überhaupt, setzen sich nicht die Ja-Stimmen durch, sondern die Nein-Stimmen. Und das auch ziemlich deutlich: 59,4 Prozent der Münsteraner entscheiden sich dafür, dass der frühere Hindenburgplatz seinen neuen Namen Schlossplatz behalten und nicht zum alten Namen zurückkehren soll.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2013: Abzug der letzten britischen Soldaten. Über Jahrzehnte hinweg sind britische Soldaten in Münster, hier eine Parade auf dem Domplatz, ein vertrauter Anblick. 2013 aber verlassen die letzten Truppenteile die Stadt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2014: Münster wäscht auf 300.000 Einwohner. Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300 000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • 2015: Hängepartie an der Umgehungsstraße endet. 2015 passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Es erfolgt der erste Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße, dritter Bauabschnitt. Der jahrzehntelange Vorlauf für diesen umstrittenen Straßenbau beschert Münster einen außergewöhnlichen Superlativ: 31 Jahre lang, von 1986 ist 2017, ist die Bürgerinitiative St. Mauritz aktiv, um eben diesen Ausbau zu verhindern.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2016: Das Aus für verkaufsoffene Sonntage. Auf diesen Moment haben sie hingearbeitet (vorne, v.l.): Die Pfarrer Martin Mustroph und Jens Dechow, Bernd Bajohr von der Gewerkschaft Verdi und Jochen Lüken, Personalratsvorsitzende der Stadt Münster, feiern den erfolgreichen Bürgerentscheid.

    Foto: Oliver Werner
  • 2017: Hauptbahnhof wird neu eröffnet. Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an. 

    Foto: Oliver Werner

So nimmt das Projekt Verkehrsstation seinen Lauf. Die Bahnsteige werden erneuert, sie bekommen Aufzüge und Rolltreppen. Vor allem aber wird der Haupttunnel verbreitert, damit er die wachsenden Menschenmassen auffangen kann. Warnend weist Planungsdezernent Hartwig Schultheiß immer wieder auf den schmalen und mit Aufzügen zugestellten Bahnhofstunnel in Hamm hin. Seine Kritik zeigt Wirkung, in Münster zeigen sich die Bahnhofsplaner von der großzügigen Seite. 

Eröffnungsfeier gleicht Volksfest

Unbefriedigend bleibt die Pkw- sowie die Taxivorfahrt am Hauptbahnhof. Die Verkehrsplaner bekommen auch die Rädermassen nicht in den Griff. Zwar entsteht an der Ostseite eine neue, zweite Radstation. Aber das wird nicht reichen. 

Ganz offensichtlich hat sich die Bahn an der Westseite so verausgabt, dass sie die Lust am Bremer Platz verliert. Die Fläche verkauft sie an das Aachener Unternehmen Landmarken, welches an der Bahnhofsostseite ein klassisches Investitionsvorhaben mit einem Empfangsgebäude unten und Büros, Wohnungen und einem Hotel darüber realisieren will. An einem so hochpreisigen Standort wie dem Bremer Platz zeigen sich wieder einmal die Schattenseiten privater Investitionen. Nur mit einer maximalen Ausnutzung des Grundstückes rechnet sich das Projekt. Folglich bleiben öffentlich nutzbare Flächen knapp bemessen. 

Sei es drum: Die Eröffnungsfeier im Juni 2017 gleicht einem Volksfest. Damit nicht genug: Durch die allgemeine Euphorie angesteckt, verspricht der eigens angereiste Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium in seiner Rede den lang ersehnten, zweispurigen Ausbau der Bahnstrecke Münster – Lünen. Direkt nach dem Festakt beginnt wieder die Warterei. Der Ausbau soll umgesetzt werden. Aber wann, weiß niemand. Das kommt Münsteranern bekannt vor.

Zum Thema

Alle bereits erschienenen Texte finden Sie in unserem  Themen-Special. Die komplette Serie erscheint Anfang 2019 als Taschenbuch. Wollen Sie selbst in der Stadtgeschichte stöbern? Dann nutzen Sie doch unser (kostenpflichtiges)  Zeitungsarchiv.

►1993 : 1200 Jahre Stadtgeschichte – Münster feiert Jubiläum (erscheint am 3. Juli)
►1994 : Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin (10. Juli)
►1995 : Streit um die Aufstellung der Madonna im Südpark (17. Juli)
►1996 : Bürgerentscheid stoppt geplante Gesamtschule im Ostviertel (24. Juli)
►1997 : Skulptur-Projekte erleben ihren Durchbruch (31. Juli)
►1998 : Münster feiert 350 Jahre Westfälischer Friede (7. August)
►1999 : Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister (14. August)
►2000 : Oberverwaltungsgericht Münster kippt den Preußen-Park (21. August)
►2001 : Stadtverwaltung erarbeitet Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung (28. August)
►2002 : Münsteraner sagen bei Bürgerentscheid „Nein“ zur Stadtwerke-Teilprivatisierung (4. September)
►2003 : Müllaufbereitungsanlage in Coerde nimmt ihren Betrieb auf (11. September)
►2004 : Oberbürgermeister Tillmann lässt Tiefgarage Ludgeriplatz fallen (18. September)
►2005 : Schifffahrtsverwaltung stellt Pläne für Kanalausbau vor (25. September)
►2006 : Münster-Arkaden öffnen ihre Tore (2. Oktober)
►2007 : Stadt schließt das Südbad (9. Oktober)
►2008 : Musikhalle erhält bei Bürgerentscheid eine Abfuhr (16. Oktober)
►2009 : Markus Lewe wird Oberbürgermeister (23. Oktober)
►2010 : Münster wird mit dem Städtebaupreis für die Stubengassen-Bebauung ausgezeichnet (30. Oktober)
►2011 : Forensische Klinik in Amelsbüren geht an den Start (6. November)
►2012 : Abschied vom Namen Hindenburgplatz (13. November)
►2013 : Die letzten britischen Soldaten verlassen Münster (20. November)
►2014 : Münster wächst auf 300 000 Einwohner (27. November)
►2015 : Hängepartie beim Ausbau der Umgehungsstraße endet (4. Dezember)
►2016 : Erfolgreicher Bürgerentscheid gegen verkaufsoffene Sonntage (11. Dezember)
►2017 : Münsters Hauptbahnhof wird neu eröffnet (18. Dezember)

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6265153?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F5853447%2F
Hochsaison für die Königin der Weihnachtsbäume
Ein Tag mit Laura Stegemann: Hochsaison für die Königin der Weihnachtsbäume
Nachrichten-Ticker