Kältehilfe
Obdachlose leiden unter niedrigen Temperaturen

Münster -

In den eigenen vier Wänden ist das frostige Wetter auszuhalten: Kältegeplagte drehen die Heizung auf, steigen in die heiße Badewanne oder wärmen sich mit ihrem Lieblingstee. Draußen in der Kälte sieht das Leben anders aus. Es ist härter. Obdachlose sind deshalb vor allem in der kalten Jahreszeit auf Hilfe angewiesen.

Mittwoch, 05.12.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 10:24 Uhr
Kältehilfe : Obdachlose leiden unter niedrigen Temperaturen
Der Winter: Für obdachlose Menschen eine harte und gefährliche Zeit. Foto: Oliver Werner

Die Stadt Münster bietet seit mehreren Jahren eine Winternothilfe an - in Zusammenarbeit mit der Bischof-Hermann Stiftung und dem Sozialdienst katholischer Frauen. In Arbeit ist seit 2018 ein ergänzendes Angebot der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB): Mit einer mobilen Kältehilfe soll die stationäre Wohnungslosenhilfe der Stadt ergänzt werden. Geplant sind Wärmezelte sowie die Versorgung mit heißen Mahlzeiten und warmen Getränken.

Ein erstes Konzeptionstreffen fand Ende November 2018 statt. Laut Angaben der Stadt Münster, steht die Verwaltung diesem Angebot aufgeschlossen gegenüber. "Derzeit finden Abstimmungsgespräche statt", so  Marco Ruppel von der Fachstelle Wohnraumsicherung im Sozialamt der Stadt Münster.

Zum Thema

Für Fragen zum Projekt "Mobile Kältehilfe" oder Fördermöglichkeiten stehen die Organisationen per E-Mail unter kaelteengel.muenster@johanniter.de oder kaeltehilfe@asb-muenster.de zur Verfügung.

...

Es gibt eine Dunkelziffer an Obdachlosen. Wie viele von ihnen in Münster unterwegs sind, kann die Stadt nur schätzen: Die Verwaltung geht von 30-50 Personen aus. "Eine bundesweite Zunahme ist durch veränderte Gruppen erkennbar, unter anderem aus den EU-Ländern Südosteuropas", erklärt Marco Ruppel auf Anfrage unserer Zeitung. 

Wie Obdachlosen in der Kälte geholfen werden kann

Wer einen Obdachlosen bei frostigen Temperaturen im Freien schlafen sieht, sollte ihn ansprechen und die Wohnungslosenhilfe kontaktieren. Besteht bei dem Wohnungslosen allerdings akute Lebensgefahr, sollten Helfer die 112 wählen.

Wichtige Telefonnummern

Telefonische Hinweise nimmt das Haus der Wohnungslosenhilfe entgegen (Tel. 02 51/48 45 20). Wohnungslosen Frauen bieten das Gertrudenhaus und die Übernachtungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen Unterstützung und eine Schlafmöglichkeit (Tel. 02 51/89 93 60).

...
COLOURBOX568616

Symbolbild Foto: colourbox.de

Die Stadt Münster hält rund 160 Schlafplätze für alleinstehende Wohnungslose bereit:

  • davon 80 im Haus der Wohnungslosen an der "kleinen" Bahnhofstraße
  • 48 im ehemaligen HUK-Gebäude an der Ecke Hafenstraße
  • 28 in Containern, die am Albersloher Weg hinter dem Jovel aufgestellt wurden
  • 12 Plätze stehen für Frauen im Gertrudenhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) bereit
  • wohnungslos werdende Familien werden weiterhin in einer der städtischen Übergangseinrichtungen für wohnungslose Familien untergebracht

Wo Obdachlose auch tagsüber Schutz vor der Kälte bekommen

"Die meisten Angebote ermöglichen Aufenthalte rund um die Uhr", so Ruppel. Lediglich das HuK (Hilfen- und Kurzzeitangebote) und die Container der Winternothilfe sind ausschließlich Übernachtungsangebote. "Ergänzend gibt es verschiedene Formen der Tagesaufenthalte: zum Beispiel die Diakonie Windthorststraße, der Treffpunkt Clemenskirche oder die Bahnhofsmission." Angebote, die in Münster zu helfen scheinen: "Kältetote sind uns in der Stadt Münster in den vergangenen Jahren nicht bekannt."

111016container1

Die Container, die am Albersloher Weg hinter dem Jovel aufgestellt wurden, wurden am 5. November 2018 bezogen und bieten Platz für 28 alleinstehende Männer. Ende März 2019 werden sie wieder abgebaut. Foto: Oliver Werner (Archiv-Bild)

Wieso Obdachlose sich gegen Hilfsangebote entscheiden

Dennoch gibt es Obdachlose, die sich bewusst gegen Hilfsangebote entscheiden. Das kann verschiedene Gründe haben. Ruppel nennt drei: "Konflikte in den Einrichtungen, psychische Beeinträchtigungen oder eine allgemeine Ablehnung des Hilfesystems und deren Akteure." Ein vierter Grund lässt sich von der Frage ableiten, ob Obdachlose ihre Hunde in die Unterkünfte mitnehmen dürfen. Die Antwort lautet: Nein.

Entspannterer Wohnungsmarkt könnte helfen

Die Unterbringung unfreiwillig wohnungsloser Menschen sei eine gesetzliche Pflichtaufgabe, die von den Ordnungsbehörden zu erfüllen ist, so Ruppel. "Grundsätzlich würde ein entspannterer Wohnungsmarkt einige Angebote entlasten, gleichzeitig ist für viele Menschen das Vorhalten einer Wohnung nicht die Lösung ihrer Problemlagen."

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4424990?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
„Feine Sahne Fischfilet“ spielen auf dem Vainstream 2019
Die umstrittene Band „Feine Sahne Fischfilet“ wird im kommenden Jahr beim Vainstream Festival auftreten.
Nachrichten-Ticker