Verkehrschaos in Münster
Nach schwerem Lkw-Unfall: A1 wieder komplett frei

Münster -

Update (Dienstag, 15.50 Uhr) - Der schwere Lastwagenunfall am Montagmittag auf der Autobahn 1 in Höhe der Raststätte Münsterland-West sorgte am Dienstag weiter für Verkehrschaos in Münster. In der Zwischenzeit wurden nach der Komplettsperrung die Fahrbahnen der A1 schrittweise wieder freigegeben.

Dienstag, 04.04.2017, 17:27 Uhr

Verkehrschaos in Münster : Nach schwerem Lkw-Unfall: A1 wieder komplett frei
Blick auf die Unfallstelle aus der Vogelperspektive Foto: Gunnar A. Pier (Archivbild)

Der Rückstau wuchs am Montagnachmittag bereits bis zur Ausfahrt Greven auf über zehn Kilometer an. Die Umleitungen ab Greven oder Münster-Nord über den Schiffahrter Damm, die Steinfurter Straße und die Weseler Straße waren überlastet, im Feierabendverkehr kam es deshalb in der Stadt zu einem Verkehrschaos. Besonders voll war es außerdem auf der Bösenseller Straße von Roxel aus in Richtung Albachten.

Zwei Stunden für fünf Kilometer

Auch auf der Umgehungsstraße B 51 kam es am Montagabend noch zu längeren Wartezeiten, als sonst schon üblich. Busse und Pkw brauchten im Feierabendverkehr fast zwei Stunden für eine Strecke von fünf Kilometern. Der Stau war in Spitzenzeiten bis zu 19 Kilometer lang, auch auf der Umleitungsstrecke durch Münster herrschte bis in die Nacht Ausnahmezustand, Lastwagenkolonnen schoben sich im Schneckentempo über die Ausweichroute zum Kreuz Münster-Süd.

Sperrung wieder aufgehoben

Die Vollsperrung auf der A 1 wurde am Dienstag um 5.45 Uhr aufgehoben, der linke Fahrstreifen konnte seitdem wieder freigegeben werden. Die Polizei konnte um 11.33 Uhr auch einen zweiten Fahrstreifen freigeben. Doch wegen anhaltender Reinigungsarbeiten bleibt die Stelle nach Schätzungen der Polizei mindestens bis 14 Uhr ein Nadelöhr.

Zwischen Greven und Kreuz-Münster-Süd staute es sich am Morgen auf einer Länge von bis zu zehn Kilometern. Viele Lkw-Fahrer haben deshalb die Abfahrt Münster-Nord genommen. Die Folge: Stau im Stadtgebiet Münster. Autofahrer müssen auch weiterhin mit Stau zwischen Münster-Nord und Münster-Süd rechnen.

Kurz nach 15 Uhr teilte die Polizei via Twitter mit: „Ab sofort ist die #A1 wieder komplett freigegeben! Wir wünschen eine gute Fahrt!“.

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Foto: Helmut Etzkorn

Bauarbeiten auf Ausweichstrecken

Verschärfend kommt hinzu, dass auf den Ausweichstrecken aus Richtung Greven am Dienstag Bauarbeiten beginnen. Die Grevener Straße soll bis Freitag in einem etwa 500 Meter langen Bereich stadteinwärts nur einspurig befahrbar sein; ein Ausweichen über die Kanalstraße ist nicht möglich, weil dort der Verkehr baustellenbedingt nur stadtauswärts fließen kann. Pendler, die nach Münster hereinfahren wollen, stehen auf der Grevener Straße am Morgen in einem sechs Kilometer langen Stau.

Unfall auf B 54 am Morgen sorgt für noch mehr Stau

Zusätzlichen Stau gab es zudem nach einem Unfall am Dienstagmorgen auf der Bundesstraße 54 bei Nienberge, bei dem 24-jähriger Autofahrer aus Neuenkirchen leicht verletzt wurde. Wie die Polizei berichtet, fuhr ein 77-jähriger Daimler-Fahrer aus Münster an der Anschlussstelle Nienberge zwischen zwei Lkw auf die Bundestraße in Richtung Münster auf. Von dort wechselte er direkt weiter auf den linken Fahrstreifen und kollidierte mit dem Opel Astra des 24-Jährigen aus Neuenkirchen.

Durch die Wucht des Aufpralls kippte der Astra mit dem Dach nach links gegen die Betonwand, anschließend wieder zurück auf die Fahrbahn und prallte im weiteren Verlauf gegen einen auf dem rechten Fahrstreifen fahrenden Lkw aus Rentsdorf am Niederrhein. Für die Bergungsarbeiten und die Unfallaufnahme war die Fahrbahn in Richtung Münster zeitweise voll gesperrt.

Unfallhergang

Ursache des Verkehrschaos: Ein Silozug aus Greven war gegen 14 Uhr mit voller Wucht in ein stehendes und mit gelben Warnlampen ausgestattetes Baustellen-Absicherungsfahrzeug der Autobahnmeisterei geprallt. Dabei wurde der Schilderwagen vom Zugfahrzeug abgerissen und vom auffahrenden Silozug förmlich begraben. Beide Lastwagen blieben quer auf allen drei Spuren der Autobahn in Fahrtrichtung Dortmund völlig deformiert liegen.

Zwei Lkw in Unfall auf der A1 verwickelt

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  • Schwerer Unfall auf der A1: Ein Lkw fuhr auf ein Fahrzeug des Landesbetriebs NRW auf.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Titandioxid strömte aus dem umgestürzten Silozug.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Beide Lastwagen blieben quer auf allen drei Spuren der Autobahn in Fahrtrichtung Dortmund liegen.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Die Fahrer wurden von der Feuerwehr aus den zerstörten Fahrzeugkabinen gerettet.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Die A1 wurde zwischen Münster-Nord und Münster-Süd komplett gesperrt.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Die Räumung der Unfallstelle gestaltete sich schwierig. Das Titandioxid musste zunächst in einen anderen Lkw umgepumpt werden, bevor weitere Aufräumarbeiten beginnen konnten.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Bagger kofferten das ölverseuchte Erdreich an der Böschung aus. 

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Aufgrund der Sperrung entwickelte sich ein langer Rückstau auf der Autobahn und ein Verkehrschaos auf den Ausweichstrecken in Münster.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Gegen 21 Uhr bugsierte die Feuerwehr einen Viehtransporter aus Vechta an der Einsatzstelle vorbei, die Tiere hätten sonst auf ein anderes Fahrzeug umgeladen werden müssen. Dafür wäre es erforderlich gewesen, die Autobahn auch in Richtung Norden zu sperren.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Aufgrund der langen Dauer der Sperrung waren mehrere Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz, um die stundenlang im Stau stehenden Menschen zu versorgen und zu betreuen. 

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Nach Angaben der Polizei wurden etwa 600 Personen mit Getränken versorgt.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Um 4 Uhr am Dienstagmorgen waren die Lastwagen schließlich geborgen.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Die Polizei konnte am Vormittag einen zweiten Fahrstreifen wieder freigeben.

    Foto: Helmut Etzkorn

Die Fahrer wurden von der Feuerwehr aus den zerstörten Fahrzeugkabinen geborgen und schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht. Die Feuerwehr war mit elf Fahrzeugen und 33 Einsatzkräften (Berufsfeuerwehr und Löschzug Roxel) vor Ort und sperrte den Bereich um die Unglücksstelle ab.

Die Unfallursache wird nun ermittelt. Vermutlich hatte der Silozug-Fahrer das Baustellen-Absicherungsfahrzeug auf der rechten Spur nicht rechtzeitig bemerkt.

Auf der Gegenspur der Autobahn 1 in Richtung Bremen kam es durch Gaffer zu Beinahe-Unfällen. Die Autobahnmeisterei stellte für die Zeit der Bergungsarbeiten spezielle Sichtschutzzäune  auf.

Titandioxid klebt auf der Fahrbahn

Aus dem zerborstenen Siloauflieger strömte Titandioxid aus. Das Weißpigment zur Beschichtung von Farben musste aufgekehrt werden. Es war nicht hochgiftig, deshalb musste nicht großräumig abgesperrt werden. Auch Öl und Diesel, das bei dem Unfall aus den geborstenen Tanks auf die Autobahn gelaufen war, wurde von den Gefahrgut-Spezialisten der Feuerwehr beseitigt.

Dennoch gestaltete sich die Räumung der Unfallstelle schwierig. Das Titandioxid musste zunächst in einen anderen Lkw umgepumpt werden, bevor weitere Aufräumarbeiten beginnen konnten. Bagger kofferten das ölverseuchte Erdreich an der Böschung aus. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Bergung mit mobilen Lichtmasten.

Gegen 21 Uhr bugsierte die Feuerwehr einen Viehtransporter aus Vechta an der Einsatzstelle vorbei, die Tiere hätten sonst auf ein anderes Fahrzeug umgeladen werden müssen. Dafür wäre es erforderlich gewesen, die Autobahn auch in Richtung Norden zu sperren.

Um 4 Uhr am Dienstagmorgen waren die Lastwagen schließlich geborgen und die letzte Reinigung der Fahrbahn konnte beginnen. Doch die gestaltet sich schwierig. Denn das Titandioxid hat sich mit Wasser und Diesel vermischt und klebt auf der Fahrbahn. Die rechte und die mittlere Spur der A 1 werden deshalb voraussichtlich bis mindestens Dienstagnachmittag gesperrt bleiben. Der Verkehr zwängt sich durch die einzig verbliebene freie Spur.

Der entstandene Sachschaden beträgt nach einer Mitteilung der Polizei von Dienstagmittag mindestens 300.000 Euro.

Hilfsorganisationen im Einsatz

Aufgrund der langen Dauer der Sperrung waren mehrere Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz, um die stundenlang im Stau stehenden Menschen mit Wasser, Schokoriegeln und Keksen zu versorgen und zu betreuen. Nach Angaben der Polizei vom Dienstagmorgen wurden etwa 600 Personen mit Getränken versorgt.






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