Kriminalität
Alle 98 Minuten wird in Münster ein Fahrrad geklaut

Münster -

Ein Fahrraddiebstahl ist nicht nur ärgerlich, weil der Besitzer im Zweifelsfall nur noch schlecht vom Fleck kommt. Viele Drahtesel sind zudem mehrere Tausend Euro wert. Die Aufklärung ist schwierig. Neun Dinge, die man über Fahrraddiebstähle wissen sollte:

Freitag, 05.05.2017, 08:04 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 05.05.2017, 08:04 Uhr
Kriminalität: Alle 98 Minuten wird in Münster ein Fahrrad geklaut
5337 Taten in einem Jahr: Alle 98 Minuten wurde in Münster 2016 ein Fahrrad geklaut. Foto: dpa

Sie knacken die Schlösser, sie brechen in Keller ein oder hebeln Garagentore auf: Fahrraddiebe haben im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen wieder Zehntausende Male zugeschlagen. Sie stahlen zwar weniger Räder als im Jahr zuvor. Allerdings bleibt die Aufklärungsquote dürftig: Nach wie vor wird nur etwa jeder 14. Fall aufgeklärt, in den weitaus meisten Fällen fehlt von einem Dieb jede Spur.

Wie viele Fahrräder wurden im vergangenen Jahr gestohlen?

In Nordrhein-Westfalen wird alle sechseinhalb Minuten ein Fahrrad gestohlen - zumindest offiziell. Nach Angaben des Landeskriminalamtes waren Fahrraddiebe in NRW 2016 insgesamt 80.689 Mal erfolgreich, das sind 3,8 Prozent weniger Taten als im Vorjahr. Aber die Dunkelziffer ist Branchenexperten zufolge sehr hoch, weil viele Radler den Diebstahl gar nicht mehr den Behörden melden.

Wo werden die meisten Fahrräder geklaut?

Unangefochtene Hochburg der Fahrraddiebe bleibt die populäre Universitätsstadt Münster. In der „Fahrradhauptstadt“ mit ihren rund 310.000 Einwohnern wurden im vergangenen Jahr 5337 Räder geklaut, ein erneuter Anstieg, dieses Mal um 2,8 Prozent. Damit wird in Münster alle 98 Minuten ein Fahrrad geklaut. Auch bundesweit dürfte Münster damit in der wenig glorreichen Rangliste weiter führend sein. In Bonn nahm die Zahl um 8,6 Prozent zu auf 2866 Fälle, in Duisburg sogar um 18,9 Prozent auf 3416 und in Paderborn um 14,2 Prozent (146 Räder) auf 1178.

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Die Zahl der Einbrüche und Fahrraddiebstähle ist in Münster im vergangenen Jahr gestiegen. Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Und wo steht mein Fahrrad sicherer als dort?

In anderen nordrhein-westfälischen Großstädten scheinen Fahrradbesitzer sicherer zu sein, zumindest mit Blick auf die Statistik: Während in Düsseldorf fast ein Fünftel (18,2 Prozent) weniger Fahrräder gestohlen wurden, sich aber dennoch 3612 Besitzer ärgern mussten, waren es in Oberhausen 8,6 Prozent (571) weniger und in Wuppertal 18,7 Prozent (391) weniger. Vor allem in Essen waren Fahrraddiebe deutlich seltener auf Beutezug - oder erfolgloser: Dort registrierte die Polizei 2321 Diebstähle, 32 Prozent weniger.

Gibt es auch Ausreißer nach oben?

Ja, natürlich. Einige Städte und vor allem Gemeinden überraschen mit einer überaus starken Zunahme, allerdings auf geringem Niveau: So nahm im sauerländischen Balve die Zahl um enorme 700 Prozent zu - allerdings wurde vor zwei Jahren auch nur ein einziger Fahrraddiebstahl angezeigt. In Blankenheim stieg sie um 600 Prozent bei sieben Diebstählen im vergangenen Jahr.

Sind das Rekordzahlen oder wurde schon mal mehr geklaut?

Natürlich ist die Zahl der Diebstähle in NRW nach wie vor hoch. Sie war allerdings auch schon einmal deutlich höher: Vor knapp 20 Jahren wurden mehr als 107.000 Räder gestohlen, 2003 sogar über 118.000. Seit 2014 ist die Zahl dagegen stetig gesunken.

Gibt es eine Art Täterprofil?

Nicht wirklich, zumindest nicht offiziell. Der „typische Fahrraddieb“ ist laut LKA zwar über 21 Jahre alt. Bei 293 angezeigten Fällen hatte die Polizei aber auch Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren in Verdacht.

Schlag gegen die Fahrrad-Mafia

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  • Erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität:

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  • Die Hamburger Polizei hat rund 1500 möglicherweise gestohlene Fahrräder sichergestellt.

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  • 180 Beamte waren bei der Aktion im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort im Einsatz.

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  • In einem Gewerbegebiet wurden vier Lagerhallen durchsucht.

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  • Nun sollen die Fahrräder katalogisiert werden, um sie möglichst bald ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben.

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  • Das könne angesichts der ungeheuren Menge an Rädern allerdings mehrere Wochen dauern, meint die Polizei.

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  • Mit 15 Lastwagen wurde das mutmaßliche Diebesgut abtransportiert.

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Sind das immer Einzeltäter?

Nein. „Es sind auch zum Teil Banden unterwegs, die organisiert zuschlagen“, sagte Daniel Wegerich vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Das zeigt auch ein Beispiel aus Hamburg. Dort stellten die Polizei vor kurzem rund 1500 Fahrräder in Lagerhallen sicher. Zum Abtransport des Diebesguts kam das Technische Hilfswerk mit 15 Lastwagen und einem Gabelstapler. Die Lagerhallen inmitten eines Gewerbegebietes waren laut Polizei offensichtlich der Sammelpunkt für Hamburg und Norddeutschland. Von dort seien die Räder mit Kleintransportern nach Osteuropa gebracht worden.

Wie sichert man sein Rad am besten?

Hundertprozentige Sicherheit bietet kein Schloss. Doch man kann es den Langfingern sehr schwer machen. Eine Grundregel: Schnell zu knackende Schlösser ziehen sie eher an. „Viele sind Gelegenheitstäter“, sagt Oliver Wiesmann vom Hersteller Trelock in Münster. Ein günstiges Spiralkabelschloss zum Beispiel leistet Dieben nur wenig Widerstand und ist schnell durchgetrennt. „Je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug.“

Was kostet ein gutes Schloss?

„Ein gutes Schloss wiegt viel und kostet auch einiges“, sagt Daniel Wegerich vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Nordrhein-Westfalen. Die Faustregel lautet: Rund zehn Prozent des Radpreises sollten für das Schloss investiert werden. Und kein Schloss der Welt hilft, wenn das Rad einfach weggetragen werden kann. Deshalb sollte es immer angeschlossen werden.

Fünf Tipps gegen Fahrraddiebstahl

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  • Im Jahr 2015 hat die Polizei deutschlandweit mehr als 335.000 Fälle gezählt. Spitzenreiter - bei der Pro-Kopf-Quote - ist Münster mit 1719 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner.

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  • Die Aufklärungsquote ist gering - der Ärger bei den Betroffenen sowie der Aufwand für den Kauf eines neuen Rades und den Schriftwechsel mit der Versicherung hingegen sind oft groß. Mit den richtigen Maßnahmen können Fahrradbesitzer Dieben die Straftat erschweren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Schlosshersteller Abus und Trelock geben diese Tipps zur Vorbeugung:

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  • Abschreckung: Schon der Anblick massiver, schwerer Schlösser kann Diebe abschrecken. Denn diese wollen schnell zum Erfolg kommen, leicht knackbare Modelle ziehen sie an. Ein dünnes Spiralkabelschloss dagegen leistet nur wenig Widerstand: Es ist schnell durchgetrennt, je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug.

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  • Qualität: Rund zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man für das Schloss ausgeben. In Städten mit vielen Fahrraddiebstählen kann es sinnvoll sein, auch günstige Räder mit eher teuren Schlössern zu sichern.

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  • Flexibilität: Panzerkabel-, Ketten- und Faltschlösser sind nicht nur massiv, sondern auch flexibel. Beim Anschließen des Rades lassen sie sich auch um etwas voluminösere Gegenstände wickeln. Das geht bei Bügelschlössern oft nur bedingt. Diese starren Schlösser in U-Form gelten dafür im Allgemeinen als widerstandsfähigster Schutz.

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  • Transport: Ein Schloss hilft Radlern nur dann, wenn man es stets dabei hat. Beim Kauf von Bügelschlössern sollte man das Rad mitnehmen, um zu sehen, welche Halterung passt. Denn sehr schwere Schlösser immer im Rucksack zu transportieren, kann mühsam sein.

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  • Technik: Diebe dürfen das Rad nicht wegtragen können - denn an sicheren Orten knacken sie auch sehr robuste Schlösser. Idealerweise wird das Schloss um das Oberrohr des Fahrrads und zugleich um einen verankerten Gegenstand wie einen Fahrradständer oder Laternenpfahl gewickelt. Liegt das Schloss dagegen auf dem Boden, bietet das Dieben manchmal einen besseren Hebel: Sie können zum Beispiel einen Bolzenschneider auf der einen Seite ablegen und mit beiden Händen den anderen Griff umfassen. In geschlossenen Räumen wie Kellern und Garagen sind Räder besonders sicher. Auch dort schließt man sie aber besser an, falls es Dieben gelingt, sich Zugang zu verschaffen.

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