Flüchtlingsarbeit
„Sprache ist fast alles“

Münster -

Ein fremdes Land mit einer fremden Sprache: Für Migranten hat eine neue Heimat auch viele Hürden. Damit die Integration klappt, engagieren sich Deler Saber und viele Ehrenamtliche beim Verein „Afaq“.

Dienstag, 23.05.2017, 07:05 Uhr

Deler Saber hat den Verein „Afaq“ nicht nur gegründet, sondern ist auch der Vorsitzende und setzt sich mit Herzblut für Flüchtlinge und Migranten ein.
Deler Saber hat den Verein „Afaq“ nicht nur gegründet, sondern ist auch der Vorsitzende und setzt sich mit Herzblut für Flüchtlinge und Migranten ein. Foto: anf

„Der Verein ist für viele ein zweites Zuhause“, sagt Sarah Kukemüller . Die Studentin arbeitet seit Oktober bei „Afaq“, die Büroräume liegen mitten in der Stadt an der Moltkestraße.

Deler Saber hat den Verein 2012 gegründet. „Afaq“ ist ein arabisches Wort und heißt „Horizonte“. Der Verein hat Mitglieder aller Altersgruppen und verschiedenster Herkunft. Deler Saber betont: „Wir arbeiten für die Stadt Münster und wollen gleichsam unsere Kultur bekannt machen.“

Die Aufgaben und Ziele des Vereins haben sich seit der Gründung enorm gewandelt. „Zu Beginn wollten wir eine Plattform für kulturelle Veranstaltungen sein“, sagt der erste Vorsitzende. Die große Zahl an Flüchtlingen, die nach Deutschland und auch nach Münster kam, hat die Ausrichtung des Vereins geprägt. Saber erklärt: „Heute sind wir vor allem Vermittler. Wir stehen zwischen der Stadtverwaltung und den Menschen.“

Der Verein ist vor allem Ansprechpartner für Flüchtlinge. Sie bekommen Hilfe bei Dokumenten oder Ämtern. Es gibt Sprachkurse – aber nicht nur für Migranten. „Sprache als Handschlag“ ist ein Projekt des Vereins. Es vermittelt Sozialarbeitern und auch Mitarbeitern der Verwaltung die arabische Sprache.

„Wir haben als Verein innerhalb kurzer Zeit so großen Erfolg gehabt, weil wir die gleiche Sprache sprechen“, macht Saber deutlich. Integration könne nur gelingen, wenn beide Seiten, Münsteraner wie Migranten, aufeinander zugehen. Deler Saber sagt: „Sprache ist fast alles.“

Der Verein koordiniert sich vor allem durch Ehrenamtliche, finanziert wird er über Fördermittel und Spendengelder. Vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stehen im Mittelpunkt der Hilfsangebote. „Es gibt viele, die große Träume haben“, sagt Saber. Damit diese in Erfüllung gehen, helfen die Ehrenamtlichen bei Hausaufgaben – oder auch der Frage, wie Religion in den Alltag einbezogen werden kann.

„In den Kursen lernen die Menschen nicht nur die Sprache kennen, sondern auch die Kultur“, erklärt Sarah Kukemüller. Das betreffe aber nicht nur Flüchtlinge, auch Sozialarbeiter sollen die arabische Kultur kennenlernen. Deler Saber ist wichtig: „Unsere Kultur bietet mehr als Religion.“

Deshalb werden neben den integrativen Maßnahmen auch Lesungen oder Musik geboten. „Hier sollen sich die Menschen begegnen“, sagt der Vorsitzende.

Der Verein hilft den Migranten aber nicht auf lange Dauer. „Wir werden nicht für immer für die Flüchtlinge den ersten Schritt machen“, betont Deler Saber. „Irgendwann müssen sie auch alleine klarkommen.“

Dass die Integration klappt, beweise der Verein: „Wir haben so viele Nationen und Kulturen, aber es funktioniert.“ Das Engagement liegt Deler Saber, der 2016 die Münster-Nadel verliehen bekam, am Herzen: „Alles, was wir machen, hat ein Ziel: Dass wir alle hier in Münster in Frieden leben.“

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