Dr. Andreas Bohn informierte Seniorenvertreter über Wiederbelebung
Schnell handeln bei Herzstillstand

Münster -

„Anne“ hielt still, während Hedwig Chudzia konzentriert und volle Kraft voraus eine Herzdruckmassage am Oberkörper der Gummipuppe durchführte. Dr. Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter beim Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr Münster, hatte gleich zwei Exemplare von „Anne“ mitgebracht, an denen die Teilnehmer des „Runden Tisches – Seniorinnen und Senioren in Münster“ Wiederbelebung bei einem Herzstillstand üben konnten. Bei der jüngsten Sitzung des Gremiums mit seinem Sprecher Florian Steinforth gab es im Hauptausschusszimmer des Stadtweinhauses wertvolle Tipps für die Rettung von Menschenleben.

Donnerstag, 01.06.2017, 11:06 Uhr

Dr. Andreas Bohn (l.) erklärte beim „Runden Tisch – Seniorinnen und Senioren in Münster“ was bei einem Herzstillstand zu tun ist. Der Oberkörper von Gummipuppe Anne machte mit.
Dr. Andreas Bohn (l.) erklärte beim „Runden Tisch – Seniorinnen und Senioren in Münster“ was bei einem Herzstillstand zu tun ist. Der Oberkörper von Gummipuppe Anne machte mit. Foto: mm

In seinem anschaulichen Referat blendete Bohn zunächst Münster-Menschen ein, die alle einen Herzstillstand erlitten hatten und dank rascher Hilfe durch Laien wieder mitten im Leben stehen. Der plötzliche Herzstillstand als Todesursache stehe in den USA an dritter Stelle. Dies sei auch für Deutschland anzunehmen. 70 000 Menschen sterben pro Jahr nach einer erfolglosen Wiederbelebung hierzulande. Davon könnten 6000 durch Laienreanimation gerettet werden“, erläuterte der Arzt. So würden viermal so viele einen sinnlosen Tod sterben, weil keine Wiederbelebung stattfand, bei der es auf jede Sekunde ankäme, um Schäden am Gehirn durch Sauerstoffmangel zu vermeiden.

„Ein Herzstillstand ist wie ein Verkehrsunfall im Körper, der plötzlich auftritt“, verdeutlichte Dr. Andreas Bohn. Jeden Tag würden in Deutschland 250 Menschen einen Herzstillstand erleiden. 70 Prozent der Fälle ereigneten sich daheim, in drei Viertel der Fälle seien eigene Angehörige betroffen. „Nach drei bis fünf Minuten sterben Zellen im Gehirn ab, im Herzen nach 20 Minuten. Wenn jemand sein Bewusstsein verliert, ist dies hochverdächtig für einen Herz-Kreislauf-Stillstand“, sagte der Mediziner.

Seit 2010 gibt es in der Leitstelle der Feuerwehr auch die telefonische Anleitung zur Reanimation, was sich bewährt hat. „Münster liegt dabei deutlich über dem Bundesschnitt“, berichtete der Arzt.

112 ist die Nummer, die für Rettung steht. „Bis dahin heißt es zu handeln und fest, schnell und kräftig auf nackter Haut die Brustkorbmitte zu drücken. 100-mal pro Minute, senkrecht über den Brustkorb gebeugt, mit gestreckten Armen und eine Hand über die andere gelegt“, erläuterte Bohn. In der Lunge sei noch genug Sauerstoff, der fünf Minuten das Gehirn durchblute. Diese lebensrettende Maßnahme solle solange fortgeführt werden, bis Hilfe eintreffe.

Der Fachmann beantwortete so manche Frage des „Runden Tisches“ der kommunalen Seniorenvertretung und legte den Senioren ans Herz, doch einen Erste-Hilfe-Kursus zu besuchen.

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