Zirkus als Wissenschaft
Zirkus als Kulturgut schätzen lernen

Münster -

Franziska Trapp (29), Lehrbeauftragte für Zirkuswissenschaften an der Uni in Münster, organisiert schon ihren zweiten internationalen Kongress und untersucht die bunte Welt in und außerhalb der Kuppel. „Das Kulturgut Zirkus verändert sich und hat deshalb eine Zukunft“, sagt sie.

Freitag, 09.06.2017, 09:06 Uhr

Franziska Trapp entdeckte mit zwölf Jahren ihre Leidenschaft für den Zirkus. Inzwischen untersucht die 29-Jährige das Spektakel in und außerhalb der Manege wissenschaftlich. „Ziruksukunst hat sich verändert und deshalb eine Zukunft“, sagt sie.
Franziska Trapp entdeckte mit zwölf Jahren ihre Leidenschaft für den Zirkus. Inzwischen untersucht die 29-Jährige das Spektakel in und außerhalb der Manege wissenschaftlich. „Ziruksukunst hat sich verändert und deshalb eine Zukunft“, sagt sie. Foto: hpe

Ihre Traumvorstellung verrät sie nur mit einem Augenzwinkern, aber so ganz unwahrscheinlich ist der Wunsch gar nicht: Franziska Trapp möchte in paar Jahren „im Idealfall“ gern an der Uni Münster den ersten Lehrstuhl für Zirkuswissenschaften an einer deutschen Hochschule einrichten.

Zumindest ist die Lehrbeauftragte für Zirkuswissenschaften, die gerade an ihrer Doktorarbeit zum Thema „Erzählungen im zeitgenössischen Zirkus“ schreibt, auf einem guten Weg. Sie organisiert aktuell schon die zweite Internationale Tagung unter der Zirkuskuppel und in der Uni, Ende des Monats werden sich auch unter dem Chapiteau des ab heute auf dem Schlossplatz gastierenden Cirque Bouffon 100 Teilnehmer aus aller Welt treffen und sich dabei über zirzensische Kunst, neue Aufführungsräume und Dimensionen der Darstellung austauschen. Referenten aus 14 Nationen werden zum Kongress erwartet.

Zirkus hat sich in den letzten Jahren verändert - und ist kleiner geworden

„Zirkus entwickelt sich weiter und spielt sich nicht nur in der traditionellen Form in der Manege ab“, so Trapp. Längst sind es nicht mehr bärenstarke Menschen, springende Feuerrad-Löwen und andere Sensationen, die besonders das jüngere Publikum begeistern. Zirkus ist feinsinniger geworden, glaubt sie. Musik und Schauspiel auch zu aktuellen Themen wie der Flüchtlingspolitik, verbunden mit Jonglage, Clownerie und und Akrobatik etablieren sich zunehmend.

Der Zirkus reist nur noch selten mit 100 Wagen und Großzelten an. Gespielt wird in kleinen Ensembles längst nicht mehr nur im Zelt, sondern auf Theaterbühnen und in öffentlichen Stadträumen. „Das Kulturgut Zirkus verändert sich, wir wollen dafür sensibilisieren, so Trapp.

Wissenschaftlerin glaubt an Zukunft der Ensembles

Mit zwölf Jahren spielte Trapp in Bielefeld in den Ferien in einem Kinder- und Jugendzirkus mit, gründete später mit Freunden das Variete Olé, agierte als Artistin und arbeitete neben ihrem Germanistik- und Philosophiestudium für internationale Zirkusproduktionen wie beim Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris und eben beim Cirque Bouffon.

Aus der Praxis-Leidenschaft wurde wissenschaftliches Interesse, Trapp studierte in Frankreich und Deutschland, „Der traditionelle Zirkus wird nicht verschwinden, sondern durch neue Darstellungsformen bereichert“, sagt sie. Zirkus müsse heute Geschichten erzählen, die Leute ansprechen: „Und hat Zukunft, weil er sich verändert.“

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