Skulptur-Projekte Münster 2017
650.000 Besucher werden erwartet

Münster -

„Es ist mein Job, als künstlerischer Leiter dafür zu sorgen, dass es kein Festival wird. Ich bin hier, um die Autonomie der Skulptur-Projekte zu verteidigen.“ Der Gründer der alle zehn Jahre in Münster stattfindenden Ausstellung, Kasper König, betonte am Freitag vor rund 500 Journalisten die Unabhängigkeit dieser seit 40 Jahren erfolgreichen Veranstaltung.

Samstag, 10.06.2017, 10:06 Uhr

Kunst als Erlebnis: Ayse Erkmens Unter-Wasser-Steg „On Water“ in Münsters Hafen begeistert die Besucher.
Kunst als Erlebnis: Ayse Erkmens Unter-Wasser-Steg „On Water“ in Münsters Hafen begeistert die Besucher. Foto: Oliver Werner

Ab dem 10. Juni bis zum 1. Oktober werden 650.000 Besucher aus aller Welt erwartet. Mit einem Budget von 7,7 Millionen Euro (Geld und Sachleistungen) wurden 35 Projekte von Künstlern aus 19 Nationen realisiert. Die Arbeiten reichen von der Unterwasserbrücke im Hafen bis zu einem Hügellandschaft-Biotop in ei­ner abbruchreifen Eissporthalle. Die Skulptur-Projekte befragen im „westfälischen Rhythmus“ ( Kasper König ) das Verhältnis von Kunst und öffentlichem Raum.

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Skulptur-Projekte als ein künsterlisches Testfeld

Kuratorin Britta Peters : „Das Einzige, was es 2017 für ein breites Publikum in Münster wirklich unter Beweis zu stellen gilt, ist die politische und gesellschaftliche Relevanz von ästhetisch scharfgestellten Positionen.“ Und Kuratorin Marianne Wagner sieht die Skulptur-Projekte als „ein Testfeld, auf dem künstlerische und gesellschaftsrelevante Fragen zur Diskussion stehen“.

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Das empfehlen die Organisatoren:

Die Organisatoren empfehlen drei Tage, um alle Arbeiten in Ruhe sehen und erleben zu können. Das beste Verkehrsmittel dafür ist das Fahrrad. Da diesmal viele Projekte am Landesmuseum und innerhalb der Promenade realisiert wurden, lässt sich das meiste aber auch zu Fuß erreichen. Die Skulptur-Projekte wurden im Jahr 1977 von Klaus Bußmann und Kasper König ins Leben gerufen, nachdem die Münsteraner gegen eine kinetische Skulptur Sturm gelaufen waren. Nach heftigen Kontroversen im Jahr 1987 wurde die Ausstellung seit 1997 auch in Münster populär. International erhielt sie von Anfang an große Anerkennung.

Ein Kommentar zum Thema

Übungsfeld der Demokratie: Was ist Kunst? Auf diese Frage gibt es alle zehn Jahre in Münster mindestens eine einfache Antwort: ein Übungsangebot für demokratische Tugenden. Wachsamkeit, Gesprächsfähigkeit und vor allem Offenheit können in und vor aller Öffentlichkeit von jedermann geübt werden. Die Skulptur-Projekte wollten nie ein Kunstspektakel sein, das um weltweite Aufmerksamkeit kämpft.

Geplant sind weder Skandale noch Happenings, intendiert weder Botschaften noch Ideologien. Die Menschen sollen kommen, gucken, nachdenken und sich Meinungen bilden, miteinander konstruktiv austauschen. Sie dürfen davon ausgehen, dass die eingeladenen Künstler nicht an ihrem Marktwert, sondern vorwiegend bis ausschließlich an ihrer Arbeit interessiert sind. Dafür verlangen sie Offenheit und Respekt – zu Recht. Das Kuratorenteam um Kasper König fürchtet nichts mehr, als die Umarmung durch Marketing oder unkritische Popularität. Vielleicht zeigt sich deshalb das, was bislang an Arbeiten zu sehen ist, eher spröde.

Liebe auf den ersten Blick erzeugt höchstens der Steg von Erkmen. Aber zunächst weniger aus künstlerischen Gründen, sondern weil er einen „Disney World“-Effekt erzeugt: Spaß. Und das darf, kann und muss Kunst auch sein und leisten: Freude und Dankbarkeit an einem Leben in Freiheit vermitteln. Von Gerhard H. Kock

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