Baugrube „Clemensbögen“
Besiedelt seit dem 10. Jahrhundert: Tiefer Blick in Münsters Geschichte

Münster -

Mehr als 150 Handzeichnungen und mehrere Tausend Fotos dokumentieren die archäologischen Untersuchungen der städtischen Denkmalbehörde zum Bauprojekt „Clemensbögen“ an der Klosterstraße. 

Montag, 03.07.2017, 19:00 Uhr aktualisiert: 03.07.2017, 19:12 Uhr
Die Archäologen machten an der Klosterstraße die Spuren der Geschichte sichtbar: Schicht für Schicht wurden die Funde im ehemaligen Klosterhof freigelegt, gesichert und dokumentiert.
Die Archäologen machten an der Klosterstraße die Spuren der Geschichte sichtbar: Schicht für Schicht wurden die Funde im ehemaligen Klosterhof freigelegt, gesichert und dokumentiert. Foto: Stadtarchäologie Münster

Sie legen nun dauerhaft Zeugnis ab von der Geschichte des 1458 gegründeten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Klosters Niesing und bringen außerdem Licht in ein bisher kaum erforschtes Stadtquartier, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Fest steht, dass wir nach den Ausgrabungen die bisherige Annahme, das Areal sei im 13. Jahrhundert erstmals besiedelt worden, revidieren müssen“, berichtet Dr. Aurelia Dickers vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung. „Einige Funde, wie zum Beispiel Fragmente von Pingsdorfer Keramik, deuten darauf hin, dass dort bereits im 10./11. Jahrhundert  eine lockere Siedlung entstand, wahrscheinlich im Zusammenhang mit handwerklicher Arbeit.“

In diesem Erdkeller wurden im Mittelalter Lebensmittel gelagert.

In diesem Erdkeller wurden im Mittelalter Lebensmittel gelagert. Foto: Stadtarchäologie Münster

Die Archäologen entdeckten einen Erdkeller, der für die Lagerung von Lebensmitteln genutzt wurde, und ein kleines Fachwerkgebäude aus Holz und Lehm aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Im Umfeld sicherten sie Handwerkszeug aus der Textilherstellung und aus dem metallverarbeitenden Gewerbe. Ein Brunnen und ein Bruchsteinfundament, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Familie von Mehrveldt stehen, gehören in das ausklingende 14. bzw. frühe 15. Jahrhundert. Die Adelsfamilie überließ das Gelände 1449 den barmherzigen Schwestern für die Gründung eines Klosters.

Das Fundmaterial aus der Klosterzeit besteht vor allem aus Gebrauchsgegenständen des späten Mittelalters und der Neuzeit: Importiertes Tafelgeschirr aus dem Rheinland steht neben einheimischen Waren. Kleine Nadeln aus Kupfer, Münzen, Porzellan, Gläser, Salbtöpfchen und Apothekerfläschchen, Schlachtabfälle und Küchenreste sowie ein Depotfund mit über 160 Kruzifixen aus Silber und Ebenholz sind Zeugen des klösterlichen Lebens. Von 1803 bis 1903 nutzte das preußische Militär das Kloster als Depot. Die archäologischen Hinterlassenschaften aus dieser Zeit sind äußerst spärlich. Lediglich einige Patronenhülsen wurden gefunden.

Anlass für die archäologischen Grabungen an der Klosterstraße war das Bauvorhaben „Clemensbögen“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4982242?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: „Verletzungen billigend in Kauf genommen“
Urteil in Viehtransport-Prozess: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: „Verletzungen billigend in Kauf genommen“
Nachrichten-Ticker