Interview mit Thomas Jansen, Leiter des Caritas-Fachseminars Altenpflege
„Der Beruf braucht persönliche Eignung“

Münster -

Das Thema Gewalt in der Pflege ist in der Berufspraxis und in der Ausbildung in der Altenpflege ein wichtiges Thema, wie der Leiter des Fachseminars Altenpflege St. Franziskus beim Caritasverband Münster im Gespräch mit unserer Redakteurin Karin Völker erläutert.

Dienstag, 18.07.2017, 19:00 Uhr
Thomas Jansen 
Thomas Jansen  Foto: privat

Wird in der Ausbildung und in den Pflegeeinrichtungen offen über Gewalt in der Pflege gesprochen?

Jansen : Die Auseinandersetzung damit ist im Curriculum der Ausbildung verankert und es finden in den Pflegeeinrichtungen Weiterbildungen dazu statt. Das Thema ist sehr komplex. Wir sensibilisieren zu Gewalt gegen Patienten, aber auch zu Gewalt, die bisweilen von den Betreuten ausgeht. Wir nennen das fachlich „herausforderndes Verhalten“.

Welche Möglichkeiten haben Pflegekräfte, Vorfälle zu melden ohne gleich als jemand dazustehen, der Kollegen anschwärzt?

Jansen: Viele Einrichtungen haben ein Beschwerdemanagement, bei manchen gibt es einen Briefkasten, wo anonym Beschwerden gemeldet werden können. Ansonsten ist es für jeden in der Pflege Tätigen wichtig zu wissen: Sie haben eine Fürsorgepflicht gegenüber den Bewohnern, nicht gegenüber den Kollegen

Personal ist knapp in der Altenpflege. Können es sich die Einrichtungen oder ihr Seminar überhaupt leisten, Bewerber abzulehnen?

Jansen: Die formale Zugangsvoraussetzung für den Beruf Altenpfleger ist der Hauptschulabschluss. Aber darüber hinaus wichtiger ist die persönliche Eignung. Wir prüfen sehr genau, wie jemand auftritt, kommuniziert, sein soziales Verhalten. Und wir müssen uns auch von Teilnehmern nach der Probezeit trennen, weil sie persönlich nicht für den Beruf geeignet sind. Die Einrichtungen können zwar jeden gebrauchen, aber längst nicht jeden einstellen.

Bilden Sie auch Altenpflegehelfer aus?

Jansen: Nicht mehr. Wir haben nicht genügend qualifizierte Bewerber, die die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung mitbringen und die wir mit gutem Gefühl in die Berufspraxis entlassen könnten.

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