Aufkleber an Verkehrszeichen
Sticker überfluten die Stadt

Münster -

Tausende Verkehrszeichen im gesamten Stadtgebiet sind mit Aufklebern übersät. Ihre Entfernung kostet Jahr für Jahr Tausende Euro. Die Stadt prüft nun neuartige Schilder, auf denen Aufkleber nicht so gut halten.

Freitag, 21.07.2017, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.07.2017, 07:00 Uhr
Leider ein gewohntes Bild an vielen Stellen in Münster: mit Aufklebern verunstaltete Verkehrsschilder. Mal handelt es sich um Werbung, mal um Party-Sticker, mal um Aufkleber von Fußball-Fans.
Leider ein gewohntes Bild an vielen Stellen in Münster: mit Aufklebern verunstaltete Verkehrsschilder. Mal handelt es sich um Werbung, mal um Party-Sticker, mal um Aufkleber von Fußball-Fans. Foto: Günter Benning

1800 Verkehrszeichen sind in den vergangenen Tagen in der Altstadt von Aufklebern befreit worden. Kostenpunkt: 7000 Euro. Und die Firma, die im Auftrag der Stadt unterwegs ist, plant bereits die nächsten Einsätze: Schätzungsweise 60 000 Verkehrszeichen gibt es in Münster, darunter sind nur wenige, auf denen sich keine Sticker befinden.

Sticker kosten Steuerzahler 22 000 Euro 

Nach Einschätzung von Bauhof-Mitarbeiter Roland Tönnies werden in letzter Zeit immer mehr Verkehrszeichen beklebt und beschmiert. Da die Stadt mit der Reinigung nicht mehr nachkomme, beauftragt sie seit drei Jahren ein externes Unternehmen – allein in diesem Jahr kostet das den Steuerzahler 22 000 Euro. „Oft sind die gereinigten Schilder schon am Tag darauf wieder beklebt“, sagt Tönnies.

Die Sticker werben für Partys, Produkte – und Preußen Münster. „Fans des Vereins stecken so ihr Revier ab“, sagt Polizeisprecher Mirko Stein. Er meint nicht den „normalen“ Fan. „Der klebt den Preußen-Sticker aufs Auto.“ Stein meint Jugendliche aus der Ultra-Szene. Im Internet könne man für nicht mal zehn Euro 1000 selbst gestaltete Aufkleber ordern. Zwar habe es Gespräche mit dem Verein gegeben – doch die hätten kaum gefruchtet, sagt der Polizeisprecher. Ein Verwaltungsmitarbeiter, der ungenannt bleiben will, zeigt sich fast schon erleichtert, dass es in Münster nur einen großen Verein gibt. „Hätten wir zwei, wäre die Situation noch viel schlimmer.“

Beklebte Schilder in Münster

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  • Beklebte Schilder in Münster Foto: Matthias Ahlke
  • Beklebte Schilder in Münster Foto: Matthias Ahlke
  • Beklebte Schilder in Münster Foto: Günter Benning
  • Beklebte Schilder in Münster Foto: Matthias Ahlke
  • Beklebte Schilder in Münster Foto: Matthias Ahlke
  • Beklebte Schilder in Münster Foto: Matthias Ahlke

Täter werden fast nie geschnappt

Dass die Verantwortlichen eine Straftat begehen, scheint sie nicht zu beeindrucken. Der Gesetzgeber spricht von einer „gemeinschädlichen Sachbeschädigung“, und die kann den Verursacher bis zu 1000 Euro kosten. Doch Täter werden fast nie geschnappt. Vor zwei Jahren allerdings, da gingen der Polizei zwei Jugendliche ins Netz. 300 Aufkleber-Attacken konnten ihnen nachgewiesen werden, berichtet Stein. Gesamtschaden: rund 30 000 Euro. Sie hatten aus DHL-Shops Paketaufkleber mitgehen lassen, diese beschriftet und an Laternen und Schilder geklebt.

Solche Paketaufkleber seien ganz besonders schwer zu entfernen, berichtet Tönnies. Bis zu einer halben Stunde könne es dauern, bis ein Zeichen wieder sauber ist. Gelingt das nicht, wird es komplett ausgetauscht, Kostenpunkt: rund 50 Euro.

Neue Verkehrszeichen mit Anti-Klebe-Folie

Doch die Stadt will nicht nur reagieren. In Kürze werde man an drei großen Straßenzügen neuartige Verkehrszeichen testen, die erst vor Kurzem offiziell zugelassen wurden, sagt Tönnies. Sie sind mit einer Folie beschichtet, auf der Sticker gar nicht erst kleben bleiben oder zumindest leicht zu entfernen sind. Bewähren sie sich, dann sollen sie auch an anderen Stellen aufgestellt werden.

Der Schritt scheint notwendig, „denn Aufkleber sind inzwischen richtig groß in Mode“, hat auch Stein festgestellt. Damit sich diese Mode nicht noch mehr ausbreitet, appelliert er an die Bürger, sofort die Polizei anzurufen, wenn sie solche Schmierfinken auf frischer Tat beobachten. 

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