Kleine Bahnhofstraße
Stadtrat Peck hat Verständnis für Anwohner

Münster -

Stadtrat Peck hat im Gespräch mit unserer Zeitung betont, dass er Verständnis für den Ärger der Anwohner der Kleinen Bahnhofstraße hat. Er sprach sich jedoch gegen eine Vertreibung der Szene aus.

Mittwoch, 26.07.2017, 20:07 Uhr

Stadtrat Matthias Peck hat sich am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung zur aktuellen Situation im Bahnhofsviertel geäußert.
Stadtrat Matthias Peck hat sich am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung zur aktuellen Situation im Bahnhofsviertel geäußert. Foto: Oliver Werner

Müll, Lärm, Drogenhandel direkt vor der Haustür: Die Anlieger der Kleinen Bahnhofstraße sind der Ansicht, dass die Situation noch nie so schlimm war wie jetzt (wir berichteten). Von Polizei und Stadt wünschen sie sich mehr Engagement vor Ort. Ob das möglich ist und wie die Verwaltung die Lage einschätzt, darüber sprach unser Redakteur Martin Kalitschke mit dem derzeit in Vertretung von Stadtrat Wolfgang Heuer zuständigen Stadtrat Matthias Peck .

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Herr Peck, haben Sie die Schilderungen der Anlieger der Kleinen Bahnhofstraße in unserer Mittwochsausgabe überrascht?

Peck: Für mich ist ganz klar: Die Situation ist für die Anwohner sehr unangenehm. Wenn Bürgerinnen und Bürger Angst haben, dann können wir das nicht akzeptieren – und werden das auch nicht akzeptieren.

Das heißt?

Peck: Wir werden auch weiterhin Präsenz zeigen, bei Verstößen einschreiten und bei Straftaten die Polizei einschalten. Unser Service- und Ordnungsdienst ist täglich – zum Teil sogar mehrmals täglich – vor Ort, auch wenn das nicht immer so wahrgenommen wird. Und auch die Polizei zeigt Präsenz. Zudem arbeiten wir in diesem Bereich eng mit Indro, Sozialarbeitern und dem Haus der Wohnungslosenhilfe zusammen. Mit der Westfalen AG , der das Grundstück gehört, und den Abfallwirtschaftsbetrieben wird die Reinigung des Raumes sichergestellt.

Das sind viele Akteure. Doch ist diese Zusammenarbeit wirklich erfolgreich? Die Anlieger sind anderer Meinung.

Peck: Es gibt nun einmal diese Menschen in der Stadt, die können und wollen wir nicht einfach vertreiben – dann tauchen sie an einer anderen Stelle wieder auf. Im Übrigen gab es die Problematik an der Kleinen Bahnhofstraße schon länger, sie ist jetzt nach dem Abriss der Tankstelle sichtbarer geworden.

Die Anlieger meinen, die Situation habe sich in den letzten Monaten verschärft. Sie verweisen unter anderem auf die Drogendealer, die sich vor ihren Häusern aufhalten.

Peck: Es gibt in diesem Bereich verschiedene Szenen. Trinker, Obdachlose, auch eine Drogenszene. Das lässt sich im Bahnhofsumfeld nie ganz vermeiden.

Die Anwohner wollen mit der Situation aber nicht mehr leben.

Peck: Die Menschen zu verjagen, ist – wie gesagt – nicht zielführend. Damit wird das Problem nur verlagert, und die Szene wird unübersichtlicher. So löst man das Problem nicht. Wir setzen auf enge Kontakte und einen regelmäßigen Austausch mit den beteiligten Stellen und Behörden.

Im Rahmen der Diskussion über die Entwicklung der Bahnhof-Ostseite wurde in der Politik der Ruf nach Orten laut, an denen sich die Szene aufhalten kann.

Peck: Man muss natürlich feststellen, dass das keine normalen „Mieter“ sind. Diese Szenen suchen sich ihre Orte selbst. Es hilft nichts, irgend etwas zu bauen, und dann wird das von den Betroffenen nicht akzeptiert. Ein weiteres Problem ist, dass es sich um viele Einzelpersonen handelt, wir also keinen festen Ansprechpartner haben. Gleichwohl werden Politik und Verwaltung bei den geplanten Bauvorhaben an der Ostseite Lösungen für die Szene in diesem Bereich mitdenken. Mir ist im Übrigen keine Stadt bekannt, in der es wirkliche Lösungen für dieses Problem gibt.

Das alles hört sich nicht danach an, dass die Anlieger der Kleinen Bahnhofstraße auf eine Verbesserung hoffen dürfen.

Peck: Im Bahnhofsbereich gibt es immer wieder Unruhe. Dass ist natürlich für die, die dort wohnen, unangenehm. Ich kann deren Ärger nachvollziehen.

Die Kleine Bahnhofstraße wird also ein Angstraum bleiben?

Peck: Stadt und Verwaltung zeigen eine starke Präsenz, damit die Anwohner dort sicher leben können. Aber sie können nicht 24 Stunden Präsenz zeigen.

Was halten Sie von Überwachungskameras?

Peck: Die sind dort nach der aktuellen Gesetzeslage nicht zulässig.

Die schwarz-gelbe Landesregierung überlegt, daran etwas zu ändern.

Peck: Ich glaube, auch das wird nicht das Problem lösen. Wenn sie an der Kleinen Bahnhofstraße eine Kamera aufstellen, dann weicht die Szene an eine andere Stelle aus. Kameras lösen das Problem nicht, sie verlagern es nur. Man müsste dann überall Kameras aufstellen, aber wer will in einer solchen Stadt leben?

Wie bewerten Sie die Beobachtung, dass sich die Szene längst nicht mehr auf Bremer Platz und Kleine Bahnhofstraße beschränkt, sondern sich auf den Bereich zwischen Wolbecker Straße und Friedrich-Ebert-Straße ausgeweitet hat?

Peck: Wir haben keine Erkenntnisse, dass sich die Szene vergrößert hat. Die Schwerpunkte verändern sich nur immer wieder.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation an der Engelenschanze?

Peck: Auch da haben wir über Veränderungen keine Erkenntnisse. Aber wir haben den Bereich natürlich im Blick.

Würde die Stadt mehr Geld in die Hand nehmen, um dauerhafte Lösungen zu schaffen?

Peck: Wenn wir gute und kreative Lösungen finden, dann wird das nicht am Geld scheitern.

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