"Feeding the 5000"
Privatleute wollen Tausende Gäste mit geretteten Lebensmitteln verköstigen

Münster -

Sie schnibbeln, was das Zeug hält. Eine private Initiative will mehrere Tausend Menschen in Münster sattbekommen – mit Nahrungsmitteln, die sonst im Müll gelandet wären. "Feeding the 5000" heißt das Projekt - die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Montag, 07.08.2017, 17:08 Uhr

Freiwillige schnibbeln das Gemüse, das von Supermärkten gespendet wurde, für „Feeding the 5000“.
Freiwillige schnibbeln das Gemüse, das von Supermärkten gespendet wurde, für „Feeding the 5000“. Foto: privat

Sicher ist: Am 16. September 2017 gibt es Suppe. Kostenlos. Was da genau drin ist, können die Organisatorinnen noch nicht wissen. Das hängt davon ab, was sie in den kommenden Wochen noch gespendet bekommen. 2500 Portionen wollen sie vorbereiten, mehr sind in der kurzen Mittagszeit mit den Mitteln, die sie haben, ohnehin nicht heißzubekommen. Zusätzlich gibt es unzählige Schnitten. Dafür kochen die Freiwilligen schon Marmeladen ein. So werden die Besucher einen Berg aus geretteten Broten aufessen. Der soll ihnen bewusst ­machen, wie viele Lebensmittel täglich im Mülleimer verrotten.

Als sich die Initiatorinnen von „Feeding the 5000“ (Speisung der 5000) auf dem Markt in Münster vorstellten, um für ihre Idee zu werben, spürten sie eine große Erleichterung, dass jemand etwas gegen die zusammengefegten Lebensmittel tut. „Es ist halt passiert, aber man sprach nicht drüber“, erzählt Claudia Thermann . Die Sprecherin der Ver­anstalter hätte nicht gedacht, dort so herzlich empfangen zu werden.

„Es geht darum, die Welt als Lebensraum zu erhalten“, sagen Sara-Dunja Menzel, Verena Meyer, Yvonne Elling, Claudia Thermann und Brinja Meiseberg (v.l.)

„Es geht darum, die Welt als Lebensraum zu erhalten“, sagen Sara-Dunja Menzel, Verena Meyer, Yvonne Elling, Claudia Thermann und Brinja Meiseberg (v.l.) Foto: Stefan Werding

Die Welt als­ ­Lebensraum erhalten

Sie und rund weitere 70 Ehrenamtliche werben so für den achtsamen Umgang mit Nahrungsmitteln. Es ­gehe darum, „die Welt als­ ­Lebensraum zu erhalten“, sagt ihre Mitstreiterin Sara-Dunja Menzel.

Viele Händler machen mit

Inzwischen ist die Idee von der Speisung der 5000 bei vielen Händlern an­gekommen. Letztens rief einer von ihnen an und sagte: „Ich habe 100 Kilo Lebensmittel für Sie.“ Für solche Fälle existiert mittlerweile ein System, durch das sich Freiwillige schnell treffen können, um das frische Gemüse zu verarbeiten.

Was die Initiative im September mit 60 freiwilligen Helfern und unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Markus Lewe anstoßen will, das wird an der Gesamtschule Mitte schon gelebt, berichtet Claudia Thermann von „Feeding the 5000“. „Die Schule engagiert sich für den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln und für ein gutes Miteinander beim Essen“, erläutert Thermann.

Was die Initiative im September mit 60 freiwilligen Helfern und unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Markus Lewe anstoßen will, das wird an der Gesamtschule Mitte schon gelebt, berichtet Claudia Thermann von „Feeding the 5000“. „Die Schule engagiert sich für den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln und für ein gutes Miteinander beim Essen“, erläutert Thermann. Foto: Martin Kalitschke

Mehr Arbeit als gedacht

Das Projekt entpuppte sich schnell als deutlich herausfordernder als zunächst gedacht. „Das war uns am Anfang nicht so klar“, sagt Sara-Dunja Menzel. „Wir sind gestartet mit einem Handbuch und null Euro", sagt Thermann. Mittlerweile haben die Veranstalter einen gemeinnützigen Verein gegründet, können Spendenquittungen ausstellen, haben die Unterstützung vom münsterischen Oberbürgermeister und jede Menge Anfragen von möglichen Sponsoren, die ihnen helfen wollen.

Lebensmittel-Verschwendung in Zahlen

► Fast 40 Prozent der produzierten Lebensmittel gehen in westlichen Ländern vom Acker bis zum Kühlschrank verloren.

► Nach Angaben der Umweltorganisation WWF werden in Deutschland 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel unnötig weggeworfen – pro Sekunde.

► In Europa werden jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 143 Milliarden Euro weggeworfen. Das entspricht etwa einem Fünftel der Produktion.

► Wäre die weltweite Lebensmittelverschwendung ein Land, wäre sie der drittgrößte Emittent von Treibhausgasen nach China und den USA. In diesen Vergleich sind die Energie und Ressourcen für Verarbeitung, Ver­packung und Transport mit eingerechnet. (werd)

...

Viele beteiligen sich

Denn auch das Maß der Hilfsbereitschaft ist über­raschend groß: Die Landfrauen beteiligen sich, werden Tipps geben, wie sich Lebensmittel am besten lagern lassen, ebenso wie der angesehene Koch Nikolas Spitzner , die Verbraucherzentrale, die Fachhochschule Münster, Misereor und Brot für die Welt beraten und infor­mieren, der Landschafts­verband Westfalen-Lippe hält seine Küche bereit, damit dort das geschnibbelte Gemüse vakuumiert werden kann, ein Supermarkt stellt eine 500-Liter-Tiefkühltruhe zur Verfügung. Zum Vergleich: eine handelsübliche Badewanne fasst 140 Liter.

Mehr zum Thema

Termin: 16. September 2017, 11 bis 16 Uhr, Rathausinnenhof in Münster.

Vorbericht: die Vorbereitungen laufen bereits seit Wochen .

Mehr Informationen gibt es auf der Facebook-Seite .

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5062926?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
SPD sieht Probleme bei Verkehr und Lärm
Die stillgelegte Baustelle des Hafencenters am Hansaring.
Nachrichten-Ticker