Begegnungen mit Menschen sind sein Ding
Norbert Nientiedt liest im Schlossgarten-Café

Münster -

Der ehemalige Schulseelsorger Norbert Nientiedt hat sein zweites Buch über Alltagsgeschichten gedanklich schon im Kopf. Ein paar Skizzen gibt es bereits, nur momentan kommt der Münsteraner einfach nicht zum Schreiben, sagt er. Dafür ist Norbert Nientiedt bei Lesungen ein gefragter Mann. 

Dienstag, 08.08.2017, 13:08 Uhr

Egal, wo er ist, Norbert Nientiedt trifft immer wieder auf Menschen, die ihm Geschichten erzählen. Diese Begegnungen schreibt der Münsteraner auf.
Egal, wo er ist, Norbert Nientiedt trifft immer wieder auf Menschen, die ihm Geschichten erzählen. Diese Begegnungen schreibt der Münsteraner auf. Foto: gh

So auch am Freitag (11. August) um 20 Uhr im Schlossgarten-Café. Alltagsgeschichten mit Musik verspricht der pensionierte Pauker seinen Zuhörern, der alle Geschichten höchstselbst auch erlebt hat, wie er versichert.

Eine seiner eindrucksvollsten Geschichten erlebt der Münsteraner in einer Kirche an der belgisch-französischen Küste. Norbert Nientiedt sitzt neben einem Mann, in dessen Blick er große Not sieht. Der Mann spricht weder Deutsch noch Englisch, und „mein Niederländisch und Französisch sind begrenzt“, schreibt Norbert Nientiedt. „Ich bat ihn, einfach herauszulassen, was ihn bedrängte.“ Und es war eine Lebensbeichte, die der Belgier ihm erzählt. „Er litt darunter, dass seine erste Frau und das gemeinsame Kind von ihrem neuen Partner geschlagen und vernachlässigt wurde.“

Norbert Nientiedt war 40 Jahre lang als Schulseelsorger und Diplom-Theologe an der Hildegardisschule, dem Berufskolleg des Bistums Münster, tätig. Allein aus dieser Zeit hat er viele Begegnungen mitgenommen. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Seinen Schülern versprach er, dass er ihnen nach der Schulzeit etwas schenken möchte, was er täglich in ihren Gesichtern gesehen habe. Die Neugierde war groß, dem Gespräch unter vier Augen fieberten alle entgegen.

Das Rezept für Nientiedts Geschichten ist einfach: „Ich beobachte Menschen und höre ihnen zu.“ Er versucht, Menschen auf die Spur zu bringen.

Darum auch der Buchtitel: „Komm, steht auf“.

Auch der 69-Jährige steht auf. Als er zum zweiten Mal nach seiner „Verlängerung“ im Beruf pensioniert wird, sitzt der Münsteraner einen Tag später in einem Café. „Damals fragte ich mich: ,Was kommt jetzt?’“

Dass Menschen sein Thema sind, das liegt auf der Hand: im Café, in der Kneipe oder im Preußen-Stadion.

Der 69-Jährige berichtet über Rudy, der 80 wird. Er trifft einen Mann in Antwerpen, der selbstmordgefährdet war und jetzt jeden Sonntag sein Leben feiert. Er trifft auf eine Gemobbte, die wieder einen Ausweg sieht.

Nientiedt zieht Menschen an, die ihren Mut verloren haben. „Das ist anstrengend.“ Als es ihm selbst zu viel wird, setzt er sich in einen Zug nach Bremen, liest Zeitung – ohne Gespräche, denkt er. Auf der Fahrt nach Norden steigt eine Musikerin ein, die zum Vorspiel nach Bremen unterwegs ist. Die junge Asiatin hatte Angst, weil sie ihren ersten Auftritt verpatzt hatte. „Sie schaffen das“, macht Nientiedt der Frau Mut, verspricht ihr, zwei Kerzen im Dom anzuzünden und vor dem Roland in Bremen zu warten. Die Musikerin schafft die Hürde.

Zum Thema

Norbert Nientiedt liest am 28. April (Freitag) um 19 Uhr im Kirchenfoyer, Salzstraße 1.

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Die meisten seiner Erlebnisse haben einen schönen Humor. Nientiedt berichtet von Begegnungen mit vielen Menschen in seinem Alltag in der Hildegardisschule, am Urlaubsort an der Küste in Belgien, im Café in Münster oder beim Fußballabend mit Freunden.

Sein Rezept ist einfach: „Ich beobachte Menschen und höre ihnen zu“, sagt der Buchautor. Oft gelingt es Nientiedt dabei auch, seinen Gesprächsteilnehmern noch Mut zu machen. „Komm steht auf“, hat er darum auch sein erstes Buch getitelt, das er mit dem Tag seiner Pensionierung in der Hildegardisschule begonnen hat.

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