Nicht aufessen kostet 
Strafzoll auf nichtverzehrte Speisen im Lokal

Münster -

Manchmal sind die Augen größer als das, was der Magen verdauen kann. Berge von Essen landen auf diese Weise im Müll. David und Yi Chen wollten das nicht länger mitansehen. Als die Geschwister vor knapp zwei Jahren in Münster ihr japanisches Restaurant „Umami“ am Bremer Platz eröffneten, führten sie einen Strafzoll für Gäste ein, die ihr geordertes Essen stehenlassen.

Mittwoch, 09.08.2017, 08:43 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 08.08.2017, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 09.08.2017, 08:43 Uhr
Nicht aufessen kostet  : Strafzoll auf nichtverzehrte Speisen im Lokal
Foto: colourbox.de

Einen Euro für ein Stück Sushi, zwei Euro für ein warmes Gericht muss zusätzlich zahlen, wer das Essen ordert und nicht verzehrt. Die Male, die David Chen die Gebühr anmahnen musste, kann er an einer Hand abzählen. „Es passiert so gut wie nie, wenn die Gäste das wissen“, sagt er. Und die Resonanz ist keineswegs ablehnend – im Gegenteil. „Fast alle Gäste sagen ausdrücklich, dass sie die Regel gut finden“, sagt der Gastronom.

Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr in der Tonne. „Da wollten wir nicht länger mitmachen“, sagt Chen, der mit seiner Schwester vorher in Österreich ein asiatisches Restaurant mit Buffet betrieben hat. In Münster gehen die aus China stammenden Geschwister anders vor: Die Gäste können gegen einen Pauschalpreis aus dem Angebot per iPad alle 15 Minuten bis zu sechs kleine Gerichte ordern, die vom Sushi-Meister in der Küche auf Nachfrage hin angerichtet werden.

Sondergebühr wird selten erhoben

David Chen freut sich, dass auch andere Lokale in Münster die Idee umsetzen. Auch im Restaurant „Yusho“ an der Von-Steuben-Straße wird eine Gebühr für bestellte und nicht verspeiste Gerichte erhoben. Im asiatischen Restaurant „Jin Gu“ an der Kanalstraße wurde die Sondergebühr für nicht Verzehrtes vom Buffett ebenfalls so gut wie nie kassiert. „Die Warnung reicht, und wenn doch jemand zu viel auf den Teller lädt, lassen sich die Gäste das Essen einpacken“, sagt Mitarbeiterin Haidan Yo. „Lebensmittelabfälle haben wir seither so gut wie keine mehr“, erklärt Yi Chen im „Umami“. „Wir möchten, dass die Gäste respektvoll mit dem Essen umgehen. Weil es Lebensmittel sind, und weil die Zubereitung Arbeit macht.“

Thomas Kolaric, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes NRW, findet die Praxis, die auf respektvollen Umgang mit Nahrung abziele, „uneingeschränkt gut“. In der Gastronomie „ist das aber noch kein Trend“, sagt er und hofft durchaus, „dass das Schule macht.“ In Münster scheint der Strafzoll für bestelltes und nicht verzehrtes Essen bisher eine Domäne asiatischer, speziell japanischer Lokale zu sein, Sushi sind meist Handarbeit und schnell verderblich.

Kleine Teller statt Strafzahlung

Im Schlossgarten-Restaurant, das am Wochenende ein Brunch-Buffet anbietet, gibt es keine Gebühr für Verschwendung. Die Idee, sagt dort eine Mitarbeiterin, fände sie aber „bedenkenswert“. Im Schlossgarten werden nur kleine Teller hingestellt, „so laden sich die Leute nicht so viel auf. Man kann sich ja so oft etwas nachnehmen, wie man wi

Silke Friedrich forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Institut für nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster über Möglichkeiten, der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten. Die Praxis, bei Buffets und Pauschal-Angeboten eine Gebühr für Verschwendung zu verlangen, findet sie zwar drastisch, aber gut. „Das bringt viel Aufmerksamkeit für die Problematik.“

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