Dieter Kemmerling wird 70
Der zweite Geburtstag in zwei Wochen

Münster -

Dieter Kemmerling feiert am heutigen Donnerstag zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen Geburtstag. Hintergrund ist eine tragische Geschichte.

Donnerstag, 10.08.2017, 08:08 Uhr

Dieter Kemmerling, Gründer der Organspendeinitiative „No panic for organic“, feiert am heutigen Donnerstag seinen 70. Geburtstag. Informationen zu seiner Initiative gibt es unter www.nopanicfororganic.de.
Dieter Kemmerling, Gründer der Organspendeinitiative „No panic for organic“, feiert am heutigen Donnerstag seinen 70. Geburtstag. Informationen zu seiner Initiative gibt es unter www.nopanicfororganic.de. Foto: kal

Dieter Kemmerling feiert heute Geburtstag. Schon wieder. Vor nicht einmal zwei Wochen hat er nämlich schon einmal gefeiert. Da wurde er 16. Heute feiert er hingegen seinen 70. Des Rätsels Lösung: Seit Kemmerling, Gründer der Organspendeinitiative „No panic for organic“ und Mitglied der Band „Dandys“, im Jahr 2001 eine neue Leber erhalten hat, begeht er zwei Mal im Jahr Geburtstag: am 31. Juli (dem Tag seiner Operation) und am 10. August (seinem „richtigen“ Wiegenfest).

Rückblende, Sommer 2001. Dieter Kemmerling leidet an Morbus Crohn, ist mittlerweile austherapiert. Die Ärzte entschließen sich, ihm ein neues Medikament zu geben, doch Kemmerling verträgt es nicht. Innerhalb kürzester Zeit kollabiert seine Leber, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch.

Kein Alkohol mehr

Nur noch eine Lebertransplantation kann ihn retten. Als Notfall kommt er auf eine europaweite Liste, nach nur einem Tag steht eine Spenderleber zur Verfügung. Kemmerling wird sofort operiert, nach 14 Tagen steht fest: Der Körper nimmt das neue Organ offenbar an.

Die Ärzte können zu diesem Zeitpunkt nicht abschätzen, wie hoch seine Lebenserwartung sein wird. Mittlerweile liegt die Operation 16 Jahre zurück – und Dieter Kemmerling fühlt sich bestens. „Ich höre immer wieder: Dir merkt man dein Alter nicht an“, erzählt er nicht ohne Stolz. Drei Mal die Woche treibt er Sport, Fitness, joggt am Aasee. „Ich habe“, sagt Kemmerling, „einfach unheimlich Glück gehabt.“

Einiges hat sich seitdem für ihn geändert, unter anderem trinkt er keinen Alkohol mehr. „Doch so manch anderer guter Vorsatz, den ich mir damals gesetzt hatte, war nach einem halben Jahr wieder vergessen.“ Mit der Transplantation begann für Dieter Kemmerling das Engagement für das Thema Organspende. Zusammen mit weiteren Mitstreitern gründete er 2005 die Initiative „No panic for organic“.

Kampf für Organspende

Bis heute brachte sie eine Million Organspendeausweise unter das Volk. Dennoch fällt seine Bilanz nach zwölf Jahren er -

nüchternd aus. „Was wir seit 2005 erreicht haben? Gar nichts. Als wir anfingen, gab es in Deutschland 1300 Organspenden pro Jahr. Zuletzt waren es nur noch 850.“ Dennoch betont er, nicht frustriert zu sein, will seinen Kampf für die Organspende fortsetzen. „Wir müssen es schaffen, die Bevölkerung von der Notwendigkeit der Organspende zu überzeugen und die Spendenbereitschaft zu erhöhen“, sagt Kemmerling.

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Und ganz persönlich, wie geht es mit ihm weiter, 16 Jahre nach jenem Tag, an dem er fast gestorben wäre? „Ich fühle mich gut“, sagt Kemmerling. „Ich hoffe, dass ich auch noch die 80 erreichen werde.“

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